Neustadt Adelheid auf Mördersuche

Wem wird der hochnäsige Pseudo-Künstler zum Opfer fallen? Waltraud Fink (Anja Reich), Sylvia Jung (Tanja Hoecker), Adelheid Kemp
Wem wird der hochnäsige Pseudo-Künstler zum Opfer fallen? Waltraud Fink (Anja Reich), Sylvia Jung (Tanja Hoecker), Adelheid Kempinski (Marie-Louise Mott) und Gunther von Blech (Andreas Assanoff) beim Gesellschaftstanz in der Kurklinik.

«Forst.»Kuren in der Klinik Sonnentanz in Bad Dürkheim. Kann es Schöneres geben? Unbedingt, meinen einige Gäste, denn Anwendungen und Wasser sind gleichermaßen lau. Zum Glück gibt es noch Patienten des jeweils anderen Geschlechts und am Ende sogar einen Toten, oder nicht? In dieses Setting hat Autor Rüdiger Kramer sein Mundartstück „Adelheid und ihre Kurschatten“ platziert und eine amüsante Story entwickelt. Zahlreiche Zuschauer haben sich am Wochenende die Komödie in Guhmanns Weingarten angesehen.

Die Filmmelodie der einstigen Kult-Serie „Die Schwarzwaldklinik“ erklingt. Zeit für die Zuschauer in Guhmanns Weingarten, ihre Plätze einzunehmen, den Stuhl geradezurücken und sich auf die Bühne zu konzentrieren. Wer auf der linken Seite sitzt – ein Rat an alle künftigen Besucher – tut gut daran, Sonnenbrille oder Schirmkäppi aufzusetzen, denn die Eintrittskarte reicht nur begrenzt als Blendschutz. Da öffnet sich eine der Bühnentüren. Dr. Josef Pfau (Jens Kalbfuss) – der Name ist Programm – stolziert herein. Wie alle Dienstleister klagt und jammert er: Die Zahl der Patienten sinkt, weil die Kranken- und Pflegekassen so knickrig sind. Und zu allem Übel vergrault ihm die adrette Schwester Tanja (Jasmin Bachmann) mit makabren Bemerkungen die Kurgäste. Die wird er sich nochmals zur Brust nehmen, im wahrsten Sinne des Wortes. Nacheinander laufen die Akteure auf. Waltraut Fink, Typus „närrisches Hinkel“ (Anja Reich), zeigt sich im perfekten Kur-Outfit mit Stirnband, Bademantel und Turnschuhen. Wie ihre „Kollegin“ Adelheid Kempinski ist sie auf Männerfang. Da für diesen Tag eine „neue Ladung Frischfleisch“ angekündigt ist, halten die zwei schon mal die Feldstecher parat. Ah, das erste Opfer betritt die Arena. Erwin Klotz (Edgar Wetzel), von Beruf Hauptkommissar. Wie die Geier stürzen sich die Damen auf die Beute. Aber Klotz wirkt eher wie ein Trauerkloß: Wegen Burnouts sei er nun hier gelandet. Die zwei versprechen für Abhilfe zu sorgen. Sylvia Jung (Tanja Hoecker), wegen HWS („Handywisch-Syndrom“) in Behandlung, und der Möchtegern-Sänger und Schwerenöter Julio Schmidt (Axel Seban) komplettieren vorläufig die Runde. Jeder in dieser zusammengewürfelten Truppe frönt seinem Spleen, wie sich in der von Dr. Pfau angeordneten Vorstellungs- und Gesprächsrunde zeigt. Als Therapie empfiehlt der Arzt auch Gesellschaftstanz und geselliges Beisammensein, „aber ohne Alkohol“. Die Kurgäste arrangieren sich, Arzt und Krankenschwester necken sich. Mit einem Paukenschlag stört der hochnäsige und höchst dubiose Pseudo-Künstler Gunther von Blech (Andreas Assanoff) die beschauliche Runde. Gnadenlos tritt die Vogelscheuche, wie ihn Adelheid betitelt, in jeden Fettnapf. Selbst das Badewasser, in dem er saß, füllt er in Flaschen ab. Na diesem Großmaul wird es Adelheid aber heimzahlen. Mit allerlei Wortwitz, spitzen Pointen, Stolperfallen und Slapstick-Einlagen treibt die Story ihrem Höhepunkt entgegen: Gunther von Blech wird tot in seinem Bett aufgefunden. Nun endlich kann sich die Edgar-Wallace-Krimis verschlingende Adelheid ihrer Leidenschaft hingeben. Sie übernimmt und stellt – wie Miss Marple Inspektor Craddock – Kommissar Klotz in den Schatten. Bevor dieser überhaupt weiß, was geschehen ist, hat die rührige Spürnase bereits den Schauplatz inspiziert – Adelheid, alias Marie-Louise Mott, in Bestform. Die Ermittlungen beginnen: Wer war wann wo und vor allem, wer hatte ein Motiv? Selbstmord ist bei diesem eitlen Fatzke wohl auszuschließen. Waltraut Fink, die der Künstler immerhin mehrfach beleidigt hat, weist alle Schuld von sich, vermutet jedoch, dass das Wasser vergiftet wurde. Diese Möglichkeit streitet Pfau vehement ab – klar, eine solche Nachricht würde sein Geschäft ruinieren. Aber was ist eigentlich mit Sylvia? Die Schwäbin hatte ihrem neuen Freund Julio schon früh angedeutet, dass sie eigentlich nicht aus gesundheitlichen Gründen hier sei, sondern jemanden suche. Und die Spur habe sie in diese Kurklinik geführt. Adelheid hat Sylvias Geschichte schon längst recherchiert. Und in der Tat: Es gäbe Gründe für einen Mord. Moment. Hier wird eine Komödie und nicht Tatort gespielt. Die Katastrophe löst sich in Wohlgefallen auf und fast jedes Töpfchen findet sein Deckelchen. Mit kräftigem Applaus bedanken sich die Zuschauer für gute Unterhaltung im sommerlichen Ambiente. Termine Die nächsten Aufführungen des „Theaters Hemshofschachtel“ in Forst finden bereits am kommenden Wochenende statt: Am Freitag, Samstag, und Sonntag, 14.-16. Juli, steht dann in „Guhmanns Weingarten“, Weinstraße 87, jeweils um 19.30 Uhr die Mundartkomödie „Zaggisch un ned dabbisch“ auf dem Programm, die auch am darauf folgenden Wochenende noch dreimal aufgeführt wird. „Adelheid und ihre Kurschatten“ ist am gleichen Ort noch einmal am letzten Juli-Wochenende zu sehen: am Freitag, Samstag und Sonntag, 28.-30. Juli, ebenfalls um 19.30 Uhr. Karten (15 Euro) in der Touristik-Information Deidesheim (06326/96770) oder in „Guhmanns Weingarten“ (06326/7765, reservierung@guhmanns.de). Platzwahl ist frei.

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