Neustadt Ab die Post mit den Gefühlen

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NEUSTADT. Fünf Jahre nach dem Ende seines „Goldwald“-Projekts und zweieinhalb Jahre nach seinem Stipendium in New York meldet sich der Neustadter Künstler Philip Emde mit der Ausstellung „Not Yours“ ab Freitag beim Kunstverein in der Villa Böhm in seiner Heimatstadt zurück. Was auf den ersten Blick wie ein krasser Bruch zu seinem früheren Schaffen daherkommen mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als konsequente Entwicklung. Eine, die sich auch damit beschäftigt, wie sich unser Alltag verändert hat und weiter verändert.

Mag Emde – 1976 geboren – vielleicht gerade noch als „Digital Native“ durchgehen, so ist ihm doch die Zeit, in der es noch kein allgegenwärtiges Internet und keine Smartphones gab, noch geläufig. Und so entspinnt sich denn beim Lustwandeln durch die Villa Böhm in gewisser Weise auch eine Art Zeitreise. Dass der in Köln lebende Künstler dabei nicht „Everybody’s Darling“ sein will, deutet sich schon mit dem Titel der Ausstellung an: „Not Yours“ könne man durchaus auch mit „Nicht Dein Geschmack“ übersetzen, sagt er. Möglich sei aber auch die Interpretation „Es ist nicht Deine“. Und selbst wenn man eines der Werke erwürbe und besitze, sei es immer noch nicht „von Dir“. Von ihm ist in Neustadt nun jedenfalls ein breites Spektrum seines aktuellen Schaffens zu sehen: Vorwiegend kleinere Papierarbeiten, die zunächst monochrom wirken, offenbaren kraftvolle Strukturen und überraschen dank fluoreszierender Rückseiten dann doch mit Farbigkeit. In einer großformatigen Arbeit ohne farbigen Schatten habe er sich mit dem Thema „Horror vacui“ beschäftigt, sagt Emde. „Es sind immer noch Zeichnungen“, verweist er auf den direkten Zusammenhang mit seiner früheren Arbeit. Fluoreszierende Farben auf der Rückseite sind es auch, die die Farbenspiele seiner ansonsten weißen „Sticks“ ausmachen, die als Wandinstallation ebenso zu sehen sind wie als auf einfachste skulpturale Form reduzierte Stelen. Und dann wäre da noch jene Reminiszenz an Emdes frühere Beschäftigung mit Buchprojekten, aus denen collagierte Reproduktionen als Inkjet-Prints entstanden sind und die unter anderem auf sein Buchprojektions- und Videoinstallationsprojekt rekurrieren, das es in die „Artist Book“-Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art geschafft hat. Weg vom handgemachten Buch hin zum mittlerweile ständig in Händen gehaltenen Smartphone geht Emde dann mit seinen Siebdrucken, die die Bewegungen auf dem Bildschirm mit Graphitstaub aufzeichnen: Dieser „i-phone move“ wird noch verstärkt von überdimensionalen Händen, die die so entstandenen Bilder präsentieren. Womit wir beim letzten Kontrast der Ausstellung wären, den Arbeiten mit Steiff-Tieren, die als Installationen in den Räumen verteilt zu sehen sind. Mal als einzelner Pinguin, der in die Ecke starrt und an das „Martin, ab in die Ecke und schäm dich“-Projekt von Martin Kippenberger 2013 in Berlin erinnert, mal als eine ganze Pinguin-Truppe oder eine Schar von Papageien, die die Rolle des Betrachters in einem der Räume zu übernehmen scheint. Oder eben als „Steiffel Tower“ mit dem Titel „Us“, bei dem ein Krokodil als Basis für ein Konvolut aus Tierarten dient, das dem Raben ganz obenauf die beste Weitsicht ermöglicht. „Im Team schafft man was“, erklärt Emde die Botschaft. Die Assemblagen der Stofftiere sind das Ergebnis ausgiebiger Auktionsbeteiligungen Emdes bei einem namhaften Internet-Portal und zugleich Teil seiner Auseinandersetzung mit dem Thema Identität. Das verdeutlicht sich an der Installation mit Namen „Lora“ – den Papageien: Die – in den 1960er und 70er Jahren seriell hergestellt – haben sich über die Jahrzehnte hinweg nämlich dank unterschiedlicher Sonneneinstrahlung und Bespielungsgrade ganz individuell abgenutzt. Und so sitzen sie jetzt auf der Stange, teils verblichen, teils ihrer Schwanzfedern verlustig gegangen. Und so schlagen sie denn auch wieder die Brücke zum Smartphone, denn wenn ihr Besitzer selbiges zückt, um den langjährigen Spielbegleiter im Internet einzustellen, um ihn an Emde zu verticken, schlägt er die Brücke zur Vergangenheit. Und wenn im Päckchen dann noch Zettel liegen, auf denen beschrieben steht, wie viel das Kuscheltier dem Verkäufer doch bedeutet habe, sei die Frage erlaubt, warum es dann eingetütet auf den Postweg geschickt wird … Die Ausstellung Die Ausstellung „Philip Emde: Not Yours“ wird am Freitag, 26. Februar, um 19 Uhr in der Villa Böhm eröffnet. Zur Einführung spricht die Kölner Galeristin Laura Posdziech. Die Schau läuft bis 13. März. Öffnungszeiten: donnerstags und freitags 15 bis 18 Uhr, samstags und sonntags 11 bis 13 und 15 bis 18 Uhr.

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