Neustadt
„A Queen Reveals“ in Hambach: Zeitreise ins 16. Jahrhundert
Das kleine Theater war fast voll besetzt, als die Zofe Blanche hinter der Stellwand hervortrat und alle zur Ruhe ermahnte. Das Publikum als Zeitreisende in der Mitte des 16. Jahrhunderts müsse sich im Palast schließlich unauffällig verhalten. Alle waren dabei, als sie die Königin, einen Ständer mit übergezogenen originalgetreuen Kleidern, für den Tag vorbereitete und noch alle möglichen Schmink- und Schönheitstipps verriet: vom giftigen Bleiweiß für einen weißen Teint bis hin zum Weiberspeck, einem dicken Ring, der unter den Kleidern getragen wurde.
Zu Beginn mag manchem vielleicht noch nicht ganz klar gewesen sein, wohin die Reise in der künstlerischen Umsetzung gehen sollte, vieles wirkte noch kurios und aufgesetzt. Doch schnell wurde klar, dass das Konzept aufging. Baur webte mit historischen Anekdoten ein humorvolles Programm, das für viele Lacher sorgte. Doch besonders brillierte sie auf der siebenchörigen Laute mit Kompositionen von unter anderem John Dowland und anonymen Komponisten. Herausragende Beachtung fand dabei die Galliarde, der Tanz, den Königin Elisabeth I. jeden Morgen dreimal getanzt haben soll. Wer sich mit historischen Tänzen auskennt, kann sich vorstellen, welche Strapazen das gewesen sein mussten: Die Galliarde besteht aus cinque passi, fünf Schritten. Vier federnden Sprüngen folgt ein abschließender Sprung, der Cadence. Die fünfteilige Schrittfolge findet sich entsprechend auch in der Musik wieder.
Ungestümes und virtuoses Instrument
Besonderer Beachtung des Abends muss Francesco Ferraboscos Komposition „La Battaglia“ geschenkt werden, die programmatisch einen Kampf nacherzählt. Es ist erstaunlich, welche musikalischen Mittel dafür sorgen, dass die eigentlich eher stille Renaissancelaute zu einem so ungestümen und virtuosen Instrument avanciert: schnelle Läufe und Akkordbrechungen, imitatorische Polyphonien und ein strukturierter militärischer Gestus umgesetzt in schnellen Wechseln zwischen vollgriffigen Akkorden und gegenläufigen Einzelstimmen.
Es war eine kurzweilige und stimmige Darbietung, aus der ersichtlich wurde, wie sehr Andrea Baur die Renaissance am Herzen liegt.