Neustadt 35-Millimeter-Film als Krönung
Der Standort Deidesheim für die Filmbörse Cinematographica wird sehr gut angenommen. Bis vor fünf Jahren noch, erinnert Michael Ritter, war Waghäusel bei Bruchsal alljährlich Dreh- und Angelpunkt für Liebhaber der Filmtechnikbranche. Als der dortige Organisator die Börse nicht mehr habe durchführen können, habe er die Chance genutzt, sie nach Deidesheim zu holen, in die Nähe des ebenfalls deutschlandweit einmaligen Film- und Fotomuseums. Diesem, so Ritter, kämen auch die Filmbörsen-Eintrittsgelder zugute. Für Liebhaber und Sammler alter Filme und filmtechnischer Geräte ist die Börse eine Attraktion. CDs oder Kassetten sucht der Besucher nahezu vergebens. Dafür gibt es jede Menge alte Zelluloidfilme. Diese „Kauffilme“, wie Ritter sie nennt, haben sogar eine eigene Käufergruppe „mit einem ausgeprägten Hang zur Nostalgie“ und der Liebe zum Rattergeräusch während der Vorführung. „Die Krönung“, sagt Ritter, „ist für Nostalgiker und Sammler der 35 Millimeter breite Film, das klassische Kinoformat.“ Doch Filme sind nur ein kleiner Teil des Angebots und auf den ersten Blick erkennbar. Bei anderen Stücken müssen selbst Sammler nachfragen. Ein kugelförmiges Gebilde mit Anhang beispielsweise ist der große Stativkopf einer alten Kamera. Dieter Stroekens und sein Helfer Niklas Haberer bieten ihn an; ebenso eine Art Vorläufer der Filmprojektoren aus der Zeit um 1900, in den zum Vorführen große Glasdias geschoben wurden. „Die Filmtechnik wurde ja erst 1895 eingeführt“, erklärt Ritter, „das war das Geburtsjahr des Kinos in Deutschland.“ Nicht mehr für den Gebrauch bestimmt sind alte Projektoren aus den 1950er-Jahren für das Filmformat „Normal 8“. Sie sind nur noch für Sammler interessant. Noch einsatzbereit sind dagegen die Exemplare aus den 1970er-Jahren. Dazu gibt es bei anderen Ausstellern auch noch die entsprechenden Filme. „Wichtig für die Besucher ist, dass sie hier die Geräte auch in die Hand nehmen können“, sagt Dieter Stroekens. Das macht gerade ein Mann mit einer kleinen Kamera. Er dreht sie, betrachtet sie eingehend, aber etwas ratlos. „Das ist eine Flugzeugkamera“, erläutert Stroekens. „Die hat schon viel gesehen.“ „Toll“, findet der Interessent, legt das Gerät aber zurück. Sam Habusch, Filmtechniker aus Kaiserslautern, ist – wie viele in der Halle – Aussteller und Sammler zugleich. Er freut sich, in Deidesheim Besonderes und auch Schnäppchen zu finden. Sogar alte Filmplakate und Fotografien von Mimen werden angeboten. Die Besucher kommen aus ganz Deutschland und dem Ausland. Jörg Stöver, ein noch junger Sammler, fliegt alljährlich aus Italien zur Filmbörse. In Italien, erzählt er, hat er in seiner Wohnung ein privates Kino eingerichtet. In Deidesheim kauft er „Kleinteile“ wie Objektive und Super-8-Filme. Christine Weiher vom Stein aus Remscheid ist eine der ganz wenigen Frauen in der Halle. Mit ihrem Mann hat sie „jede Menge Spielfilme“ mitgebracht, darunter einen großen Stapel James-Bond-Filme. Ihre Kunden? „Vor allem Privatsammler mit Spaß an 16-Millimeter-Filmen.“ Auch sie ist zugleich Kundin auf der Börse, kauft ganze Sammlungen. „Wir sind seit 30 Jahren mit dabei und sehr zufrieden in Deidesheim“, sagt sie. Ganz wichtig sei ihr der Erfahrungsaustausch. Besonders schön sei es, „wenn man dann hier Sammler trifft, die man bislang nur vom Telefon kannte“. Wo es hakt, wenn eines der alten Geräte nicht gleich funktioniert, können Besucher an einer Servicestation im Foyer nachsehen lassen. Dort werfen zwei Experten einen Blick ins Innenleben der Objekte. „Meist liegt es daran, dass die Geräte lange nicht benutzt wurden“, wissen sie. Andere Stücke sind aber nur als Schaustücke noch zu nutzen: „Für manche der alten Stücke gibt es einfach keine Ersatzteile mehr.“