Hintergrund
2022 drei Volksläufe weniger in der Region
Auch wenn die Corona-Einschränkungen zurückgefahren sind: Bei vielen Sportveranstaltungen gibt es immer noch viele Unwägbarkeiten, wie sich die Coronalage langfristig entwickelt. Darunter leiden auch die Langstreckenläufer der Region. Planungen und Aufwand sind für die Vereine immer noch schwierig. Doch die Gründe, wieso traditionsreiche Läufe auch 2022 nicht stattfinden, obwohl die Corona-Einschränkungen weitgehend aufgehoben sind, sind unterschiedlich. So unterschiedlich wie die Wettbewerbe für Langstreckenläufer in unserem Gebiet. Immerhin ist ein Lauf fest eingeplant, drei weitere Veranstalter verzichten auch 2022.
Nikolauslauf in Haßloch
Der einzige Verein, der im Vorjahr ein Laufangebot gemacht hatte, war der LC Haßloch mit dem Nikolauslauf. Genau abgegrenzte Laufkorridore, Maskenpflicht beim Start und Kontrollen beim Einlass ließen gerade noch kurz vor neuen, noch strengeren Corona-Auflagen ein Rennen am 4. Dezember zu. Vorsitzender Gerd Berlin: „Es war eine gelungene Veranstaltung, auch wenn das Wetter ausgesprochen schlecht war. Wir erhielten viele positive Rückmeldungen.“ Daher plane der LCH auch für den kommenden Dezember. Man habe verschiedene Szenarien im Blick, je nach Infektionslage und Vorschriften. Vor allem die Helfer des LCH seien im Vorjahr sehr motiviert gewesen und 2022 gerne wieder dabei. Frank Hasch und Matthias Drabold sind dabei die Hauptverantwortlichen, bei denen dann am 3. Dezember alle Fäden zusammenlaufen.
Frühzeitig verkündete Ski-Club-Chef Karl-Heinz Schallmo das „Aus“ für den Neustadter Altstadtlauf Mitte Juni auf der Mitgliederversammlung des Vereins Ende 2021. Corona ist hier für die Rote Karte verantwortlich. Schallmo: „Wir haben das ausführlich besprochen. Uns war es zu unsicher, wie sich die Lage entwickelt und welche Auflagen bis dahin gelten.“ So rechnete man mit Mehrkosten zwischen 10.000 und 15.000 Euro, wenn gewisse Hygieneauflagen und weitere Streckenposten benötigt würden. Bei den jetzt aktuellen Lockerungen kann der Ski-Club den Lauf nicht mehr umsetzen. „So kurzfristig können wir nicht neu planen. Das ist einfach nicht zu stemmen“, betont Schallmo. Er verspricht aber für 2023 interessante Neuerungen. „Wir haben viele Pläne in der Schublade, um dann einen großen Wettbewerb durchzuziehen“, sagt er, ohne sich weitere Einzelheiten entlocken zu lassen.
Helfer in die Jahre gekommen
Ebenfalls frühzeitig hat der TV Maikammer den Kalmit-Berglauf im November abgesagt. Doch die Absage hat nichts mit dem Virus zu tun. Vereinsvorsitzender Manfred Schwaab: „Es fehlen die Helfer. Einige waren drei Jahrzehnte dabei, sind also quasi in die Jahre gekommen.“ Rund 100 Helfer braucht der Verein, um die Strecke hoch zur Kalmit zu sichern, die Kleider am Start entgegenzunehmen, ans Ziel zu transportieren und dort auch wieder auszugeben.
Schwaab: „Ein Berglauf bedeutet mehr Aufwand als ein herkömmlicher Lauf.“ Er habe viele auf seiner Helferliste angerufen, allerdings viele Absagen erhalten. Ein Lauf mit diesem Niveau ließe sich nicht erfüllen wenn die Helfer nicht mitzögen. Schwaab: „Wir haben als Verein die Erwartungen und Ansprüche zu erfüllen.“ Er hat für 2022 alles versucht, denn es sollte der 30. Lauf werden.
Nachfolger gesucht
Ursprünglich war das Jubiläum schon für 2021 geplant, doch da machte bekanntlich Corona den Strich durch die Rechnung. Mit der „30“ verknüpft Schwaab indes noch etwas anderes: Im Verein hatte er rechtzeitig verkündet, der 30. Lauf sei seine letzte Organisation. Es müssten Nachfolger her. Nur leise lässt sich zwischen seinen Worten seine Enttäuschung heraushören, dass sich niemand gefunden hat, der die Gesamtverantwortung übernimmt. Schwaab: „Natürlich sind wir ein Team, aber irgendwo müssen die Fäden zusammenlaufen, ein Verantwortlicher muss das auch wollen.“
Schwaab war seit Beginn 1992 im Organisationsteam dabei. Die ersten Planungen erfolgten in seinem Wohnzimmer mit Josef Roth. Dieser betreute die ersten beiden Läufe als Gesamtorganisator, dann übernahm Manfred Schwaab diese Aufgabe. Ob der Kalmit-Berglauf jetzt endgültig zu den Akten gelegt wird, soweit möchte sich der Vorsitzende noch nicht aus dem Fenster lehnen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, betont er.
Verschärfte Auflagen
Der Gesamtaufwand sei trotz der digitalen Möglichkeiten nicht weniger geworden. Denn gleichzeitig hätten sich viele Auflagen wie etwa im Bereich der Streckensicherung verschärft.
Es gibt beim TV Maikammer nur eine positive Meldung: Schwaab ist froh, dass bei der jüngsten Hauptversammlung des TV Maikammer alle Vorstandsämter besetzt werden konnten.
Umbau in Gimmeldingen
Der Volkslauf des TV Gimmeldingen wird im Sommer ebenfalls nicht gestartet. Der Grund: nicht die unklaren Corona-Bedingungen zu diesem Zeitpunkt, sondern die großen Umbaumaßnahmen an der vereinseigenen Halle im Gimmeldinger Tal. Leichtathletik-Abteilungsleiter Lothar Spilke: „Ob der Lauf 2023 ist, hängt dann vermutlich davon ab, wie weit wir mit dem Neubau sind und ob Umkleiden und Duschen wieder zur Verfügung stehen. Verantwortlich für den Lauf ist der Vorstand. Entschieden und geplant wird im Team.“
Zur Sache: Kalmit-Berglauf und Pfälzer Berglaufpokal
Der Kalmitlauf zählt zum Pfälzer Berglaufpokal mit bis 2019 sieben Wettbewerben. Um in die Wertung zu kommen, müssen mindestens vier der ursprünglich sieben Läufe (Donnersberglauf, Nanstein-Berglauf, Rockie-Mountain-Lauf, Rietburg-Berglauf, Bad Dürkheimer Berglauf, Potzberglauf und Kalmit-Berglauf) absolviert werden. Die Gesamtsieger wurden bislang in Maikammer beim Kalmit-Berglauf gekürt. In diesem Jahr findet die Siegerehrung nach dem Potzberg-Berglauf statt. 2022 gibt es nur fünf Läufe. Der Donnersberglauf ist im Februar gestartet worden. Der Nanstein-Berglauf, der Ende März geplant war, ist verlegt worden. Er ist am 24. September. Am 10. September wird der Rietburg-Berglauf in Edenkoben gestartet, am 15. Oktober geht es von Bad Dürkheim zum Bismarckturm. Den Abschluss bildet am 12. November der Potzberglauf.
Über den Kalmit-Berglauf hat der TV Maikammer genau Buch geführt. Bei der Premiere 1992 waren 296 Männer und 42 Frauen am Start. Der Männeranteil von über 80 Prozent wurde erst in den vergangenen Jahren unter die 80-Prozent-Marke gedrückt. So waren 2019 77 Prozent der 581 Teilnehmer männlich. Die größte Teilnehmerzahl wurde 2007 mit 799 Männern und Frauen gemeldet. Den Streckenrekord bei den Männern hält Thomas Greger (TV Hatzenbühl), er benötigte 2001 29:52 Minuten. 2013 stellte Melanie Noll (TSV Annweiler, geb. Weiß) den Rekord für die Frauen über 505 Höhenmeter in 36:12 Minuten auf.
