Maikammer
13 Wohnungen an der Stelle des früheren Schwesternhauses
Das neue Gebäude in der Hartmannstraße 45 hat einen geschichtsträchtigen Vorgänger: 1889 wurde das Sandsteingebäude, dessen Bau auf eine Stiftung des damaligen Bürgermeisters Sebastian Franz zurückging, errichtet. Ordensfrauen, die in der Armen- und Krankenpflege tätig waren, sollte es als Schwesternhaus dienen. Über viele Jahre wurde das Gebäude als Kindergarten, Nähstube, Turn- und Versammlungsraum genutzt, später auch als Altersheim, das von den Niederbronner Schwestern betrieben wurde. Nach dessen Auflösung 1982 wurden Wohnungen darin eingerichtet, zuletzt waren dort Asylbewerber untergebracht.
Widerstand gegen Abriss
Als 2019 bekannt wurde, dass es Pläne gebe, das Gebäude abzureißen und durch einen Neubau mit 13 Wohnungen zu ersetzen, regte sich Widerstand. Die Befürworter eines Erhalts und Umbaus führten unter anderem an, dass das Schwesternhaus sozial-karitativen Zwecken dienen solle, weil es auf eine Stiftung zurückgehe. Zudem sei es ortsbildprägend und solide gebaut. Auch sei es im Blick auf die Energiebilanz nachhaltiger, das Schwesternhaus zu erhalten und umzubauen, als einen Neubau zu errichten. Unterschriften wurden für einen Erhalt des Gebäudes gesammelt.
Intensive und teils emotional geführte Diskussionen über die Frage Abriss oder Neubau zogen sich bis Ende 2020 hin, als der Verwaltungsrat der katholischen Kirchengemeinde beschloss, die Übernahme der kirchlichen Liegenschaft in Erbbaurecht öffentlich auszuschreiben. Ein halbes Jahr später entschied das Gremium, das ehemalige Schwesternhaus dem Gemeinnützigen Siedlungswerk (GSW) Speyer zu überlassen, dem Wohnungsbauunternehmen der Diözese Speyer. Zwei weitere Angebote mit dem Ziel der Erhaltung hatten keine Mehrheit im Verwaltungsrat gefunden. Nach Abwägung aller Aspekte – von baulichen über soziale bis zu wirtschaftlichen und ökologischen – waren für das Gremium damals die sozialen Gründe entscheidend: Die Pfarrei habe dabei bezahlbaren Wohnraum sowie Sozialwohnungen im Blick gehabt, hieß es damals in einer Pressemitteilung. Unter anderem hatte es in dem historischen Gebäude auch Mängel beim Brandschutz gegeben.
Aufzug und weitgehende Barrierefreiheit
Im Herbst 2021 begann schließlich der Abriss des früheren Schwesternhauses. In 14-monatiger Bauzeit entstand das Mehrfamilienhaus mit 13 Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen in einer Größe von 50 bis 110 Quadratmetern.
Elf Wohnungen seien bereits an die Mieter übergeben worden, sagte Christian Rohatyn, Geschäftsführer des GSW, am Mittwoch bei der Einweihung des Mehrfamilienhauses. In den nächsten Tagen sollen noch einige Restarbeiten erledigt werden.
Die weitgehend barrierefreien Wohnungen seien mit dem Aufzug erreichbar, einige auch rollstuhlgerecht ausgestattet und somit für ältere Menschen oder Bewohner mit körperlicher Beeinträchtigung geeignet. Alle Wohnungen verfügten über einen Balkon oder eine Terrasse, zwei sogar über eine Dachterrasse. Zu jeder Wohneinheit gehörten zwei Stellplätze für Autos. Umweltfreundlich und effizient beheizt werde das Gebäude mit einer Wärmepumpe.
Sozial geförderter Wohnraum
Ein Teil der Wohnungen sei sozial gefördert, so Rohatyn. Das Siedlungswerk habe mit dem Neubau den kirchlichen Auftrag erfüllt, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Für drei Wohnungen habe sich die Kirche das Erstbelegungsrecht vorbehalten: Dort können Menschen einziehen, die besonders dringend nach Wohnraum gesucht haben.
Die Baukosten gab Rohatyn mit drei Millionen Euro an. Der Zeitplan habe trotz der Engpässe der vergangenen Monate im Bausektor eingehalten werden können. Die Architektur des Gebäudes orientiere sich am Ortsbild und füge sich harmonisch in die umliegende Bebauung ein. So seien die Fenster an der Straßenseite mit Klappläden ausgestattet worden, wie es die Maikammerer Ortsbildsatzung verlange.
Schäfer: Gelungenes Bauwerk
„Ein schöner Tag für das GSW und für Maikammer“, freute sich Ortsbürgermeister Karl Schäfer (CDU) darüber, dass das Gebäude nach „vielen Diskussion und Emotionen“ nun eingeweiht werden könne. Dass sich Bürger für ältere Bausubstanz engagierten, sei zu akzeptieren. Aber beim Schwesternhaus wäre ein Erhalt nicht wirtschaftlich gewesen. Der Verwaltungsrat habe bei einer „fairen Ausschreibung“ beide Möglichkeiten offen gelassen. Aber am Ende habe nur ein Neubau Sinn ergeben. Schäfer begrüßte das Projekt auch vor dem Hintergrund der Wohnraumnot, die auch Maikammer betreffe. Die Wünsche der Gemeinde seien bei der Fassadengestaltung berücksichtigt worden. „Ein gelungenes Bauwerk“ lautete sein Fazit.
„Kein leichter Weg“ sei es gewesen, und er habe viel Kraft gekostet, sagte Pfarrer Peter Nirmaier im Blick auf die Vorgeschichte des Baus. Der Verwaltungsrat habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Nun stehe ein Haus für Menschen jeden Alters, auch solchen mit körperlichen Gebrechen, und aus allen Schichten zur Verfügung. Auch der Stifterwille sei auf diese Weise in die Planung eingeflossen.
Benjamin Schmitt, Aufsichtsratsvorsitzender des GSW, sagte, mit Projekten wie diesem gebe die Kirche eine Antwort auf das ernstzunehmende Problem der Wohnungsnot. Er erinnerte an das lange „Ringen um den besseren Weg“ zwischen Bewahren, Umbauen und etwas ganz Neues wagen. Das Gebäude werde den Bewohnern nicht nur eine Heimat geben, sondern auch Gelegenheit zur Begegnung und zur Gemeinschaft.
Nächstes GSW-Projekt in Kirrweiler
Das seit fast 75 Jahren bestehende GSW hat nach eigenen Angaben etwa 1000 Mietwohnungen im Bestand. Gesellschafter sind die Diözese Speyer und der Caritasverband für die Diözese Speyer. Für ein weiteres Projekt in der Verbandsgemeinde Maikammer ist in Kürze der Spatenstich geplant: Im Kirrweilerer Ortskern baut das GSW in einer Bauherrengemeinschaft mit der Herta-Kuhn-Stiftung ein Mehrgenerationenhaus.