Lambrecht
103-Jährige berichtet aus ihrem Leben: „Ich habe alles selbst gemacht“
Wenn Emma Wolf mit dem Rollator flott durch die Gänge des Lambrechter Seniorenheims läuft, kann man kaum glauben, dass sie am Freitag 103 Jahre alt geworden ist. „Ich habe gedacht, jetzt langt es, doch jetzt ist wieder ein Jahr vorbei“, sagt die Jubilarin über ihr hohes Alter und lächelt.
Geboren wurde Emma Wolf in Kirrweiler. Dort hat sie fast ihr ganzes Leben verbracht. Bis vor neun Jahren hat die damals 94-Jährige in der Wohnung gelebt, in der sie schon mit ihren Eltern und Brüdern wohnte. Sie versorgte sich selbst und führte den Haushalt allein. Nach einer Operation war das aber nicht mehr möglich, deshalb kam sie in das Lambrechter Seniorenheim.
Großer Bruder stirbt in Kriegsgefangenschaft
Es ist ein einfaches und bescheidenes Leben, das Emma Wolf führt. Sie hatte vier Brüder. Als einziges Mädchen musste sie schon früh zu Hause helfen. „Bei den Schwestern in der Nähschule“ habe sie nähen gelernt, erzählt sie. Ein Jahr lang sei sie als Dienstmädchen „in Stellung gewesen“, dann sei sie wieder zu Hause gebraucht worden.
Die Familie war das Zentrum ihres Lebens. Es sind vor allem familiäre Ereignisse, an die sich die 103-Jährige erinnert. Ihr ältester Bruder sei in der Kriegsgefangenschaft gestorben, berichtet sie, als der Zweite Weltkrieg erwähnt wird.
Geburtstags-Outfit selbst gestrickt
Nach dem Tod ihrer Mutter hat Emma Wolf 14 Jahre ihren Vater gepflegt. Nach dessen Tod lebte sie allein in der Wohnung. „Ich habe alles selbst gemacht“, sagt sie. Sie habe die Türen und Fenster gestrichen, den Hof neu gemacht und auch andere handwerkliche Arbeiten allein erledigt.
Schon in der Nähschule habe sie ein Kleid für ihre Mutter genäht, erzählt Emma Wolf. Viele Jahre hat sie vor allem für Familienmitglieder genäht und gestrickt. Bei den Schwestern habe sie mit der Hand nähen gelernt. Erst Jahre später hat sie angefangen, auch an der Nähmaschine zu nähen. Am liebsten habe sie gestrickt. Die Familien ihrer Brüder, Verwandte und Bekannte wurden mit Socken, Pullovern und Jacken ausgestattet. Auch im Seniorenheim hat sie noch lange gestrickt und genäht. „Für den Doktor Müller habe ich drei Schals gestrickt“, sagt Emma Wolf. Auch den Pullover und die dazu passende Weste, die sie zu ihrem Geburtstag angezogen hat, hat sie selbst gemacht. Vor drei Jahren hat sie mit Handarbeiten aufgehört.
Nur das Hören klappt nicht mehr so gut
Die 103-Jährige ist nie verreist und auch sonst hat sie keine Ansprüche. Sie isst alles, „aber wenig, sonst werde ich ja dick“. Jeden Abend wasche sie ihre Strümpfe, morgens stehe sie früh auf, wasche sich allein und mache ihr Bett. Körperlich ist sie angesichts ihres Alters noch recht fit, nur das Hören klappt nicht mehr so gut.
Auch drei ihrer Brüder sind ziemlich alt geworden. Der jüngste ist im März vergangenen Jahres mit 97 Jahren gestorben. Ihr Neffe Manfred Wolf, der in Neustadt wohnt, kümmert sich um sie. Auch zu ihren anderen Neffen und Nichten hat sie Kontakt, ebenso zu einer 84-jährigen Cousine und deren Tochter. Drei ehemalige Nachbarinnen aus Kirrweiler besuchen sie im Seniorenheim. Sie haben alle zum 103. Geburtstag gratuliert, ebenso Vertreter der Stadt, der Verbandsgemeinde Lambrecht und des Landkreises Bad Dürkheim.