Neustadt 1000 Bratwürste und ein bisschen mehr Majoran

Ran an die Wurst: Marco Rischar, Johannes Stähly und Martin Lucas sind in ihrem Element.
Ran an die Wurst: Marco Rischar, Johannes Stähly und Martin Lucas sind in ihrem Element.

Zum dritten Mal hat die „Deidesheimer Saubande“ gestern eine Hausschlachtung veranstaltet. Drei Schwäbisch-Hällische Schweine haben die Mitglieder geschlachtet und dies mit einem Fest gefeiert. Über 1000 Bratwürste wurden verzehrt. Eine Schweinelende wurde für 190 Euro versteigert. Sie ging an Tamás Szokolai, Barkeeper des Restaurants Riva im Hotel Kaisergarten-Spa in Deidesheim. Der Erlös geht an die Kindergärten in Deidesheim.

«Forst.» Das Feuer lodert, die Kessel sind gefüllt mit heißem Wasser. Darin befinden sich die ersten Wurstdosen. Rauch vom Rebenfeuer zieht am Schlachthaus vorbei. Am frühen Sonntagmorgen herrscht Hochbetrieb auf dem Margarethenhof in Forst. Felix Janz, der Schwabe aus Stuttgart, der sich von seinem Freund Bastian Hock zu diesem Spektakel inspirieren ließ, schiebt immer wieder Rebknorzen aus den heimischen Weinbergen ins Feuer. Das hat Gründe: Das Wasser in den Kesseln muss ständig kochen. Über zwei Stunden muss die nebenan frisch zubereitete Hausmacher Wurst gekocht und damit haltbar gemacht werden. Ein Grund, weshalb die Geschwister Manuel und Christian Langhauser schon gegen vier Uhr in der Früh die Kessel befeuert haben. Um fünf Uhr waren auch Metzgermeister Johannes Stähly und sein Kollege Tobias Heilsch eingetroffen, um die jeweiligen Fleischhälften der drei am Vortag geschlachteten Schweine zu verarbeiten. „Wir mussten wegen der Hitze so früh wie möglich beginnen“, sagt Stähly, der Hygiene und Kühlung wegen. Die Jungs sind mit Feuereifer dabei. Marco Rischar und Martin Lucas, der Hausherr vom Margarethenhof, schieben die zugeschnittenen Stücke in den Fleischwolf, ehe die Metzger diese mit Pfeffer, Salz und Zwiebeln würzen, um dann die ersten Bratwürste im Darm zu produzieren. Es läuft alles Hand in Hand. Die Gaudi kommt nicht zu kurz. Dafür sorgt auch Johannes Eichberger, der zusammen mit Fabian Kerbeck die ersten Paare Bratwürste auf die Metallstangen hängt. Neben der Frischware wird ein Teil der Hausmacher Wurst in 400-Gramm-Dosen gefüllt. Philipp Eckel bringt Dosen-Nachschub. Dagegen sind Andreas Schubing, der Jüngste im Bunde, und Bastian Hock bereits mit der Zubereitung der Leberwurst beschäftigt. Stähly hat dazu gekochtes Fleisch zurechtgeschnitten, was ebenfalls durch den Wolf muss. „Unser Ziel war es, ausschließlich schlachtwarmes Fleisch zu verwenden, um Zusatzstoffe zu vermeiden“, sagt Stähly, der für jede Hilfe dankbar ist. Die Zeit bis zum Auftakt des Schlachtfestes ist auch begrenzt: Bereits um 12 Uhr soll das erste Kesselfleisch für die Gäste zubereitet sein. Knapp 200 Portionen bereiten die Jungs bis dahin vor. „Wir haben diesmal den Schwerpunkt auf Kesselfleisch und Bratwurst gelegt, deshalb haben wir weniger Blut- und Leberwurst sowie Schwartenmagen produziert“, erklärt Eric Steffen. „Da muss noch etwas Majoran rein“, ruft Stähly bei der Zubereitung der Leberwurst. Rischar, im Berufsleben Bankkaufmann, sorgt für Nachschub. Das Team beweist bei seinem dritten Schlachtfest Routine. Dass es die Saubande gibt, lag maßgeblich an Ulrich Eichberger, der mit seinen Freunden zur Hochzeit von Jan Hock am 18. Juli 2015 gleich zwei Ferkel auf dessen Balkon aussetzte. Dies führte dazu, dass die Jungs sich dann auch um die Mast der Borstentiere kümmern mussten. Die Leidenschaft für die Schweine und das Schlachtfest war geboren. Inzwischen haben Freunde wie Peter Ackermann ein Ferkel gespendet. Die artgerechte Mast mit viel Freilauf für die Tiere sowie Futter, das ausschließlich aus Pfälzer Kartoffeln und Gerste besteht, gehören zum Leitbild der Gruppe. „Wir wollen die Tradition beibehalten: Zurück zu den Wurzeln gehen, aber auch stets fair produziertes Fleisch herstellen“, betont Eric Steffen.

x