Neustadt 100 Brote, 70 Kilo Rollbraten und 100 Haxen

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Es sind vier Grad plus am frühen Samstagmorgen im Elmsteiner Ortsteil Appenthal, doch Bürgermeister Stefan Herter und Frank Güllich frieren nicht. Denn sie holen mit einer Schaufel Glut aus dem Holzbackofen, den Appenthaler vor rund zehn Jahren in der Weihersbergstraße aufgebaut haben. Seit neun Jahren lädt die Soziale Wählergemeinschaft (SWG) immer am 3. Oktober zum Backofenfest ein. Ein Renner ist dabei das Brot, das Herter im Holzbackofen zubereitet.

Um 6.30 Uhr hat er Holzreste aus dem Sägewerk in dem mit Schamottesteinen gemauerten Ofen angezündet. Kurz vor 9 Uhr wird die Glut herausgeholt. Dann wird gehurrlt: Herter taucht einen Leinensack, der an einem langen Holzstiel befestigt ist, in einen Eimer Wasser, drückt den Sack etwas aus und streicht ihn dann mit viel Schwung durch die Wärmekammer des Holzbackofens. „Durch das Hurrlen wird heruntergekühlt“, erklärt Herter. 220 bis 230 Grad seien die ideale Temperatur für das Backen von Holzofenbrot. „Das haben wir ausprobiert, am Anfang waren die Brote oft schwarz oder nicht durch“, verrät Güllich. Herter wirft einen Blick auf das Thermometer, er ist mit der Temperatur noch nicht zufrieden. Deshalb wird weiter gehurrlt. Dabei erklärt er, dass bei der Wahl der Temperatur auch die Anzahl der Brote, die gebacken werden, berücksichtigt werden muss. Denn die Brote kühlen den Ofen während des Backvorgangs aus. „Je mehr Brote, je höher muss die Temperatur sein“, so Herter. 100 Brote werden für das Fest der SWG gebacken. Etwa ein Drittel haben Herter und Güllich schon am Freitagabend gebacken. Es ist das Brot, das den Gästen zu Haxen und Spießrollbraten serviert wird. Güllich hat morgens 33 Teigrohlinge beim Elmsteiner Bäcker Baßler geholt. „Wir schießen ein“, sagt Herter. Güllich nimmt die Rohlinge, schneidet mit dem Messer in die Unterseite ein Kreuz, weil die Brote dann knuspriger werden, setzt die Rohlinge auf einen großen Metallschieber, mit dem Herter sie in den Backofen schiebt. „Die vordere Reihe lassen wir frei, da werden die Brote nicht so richtig“, sagt Herter. Um 9.21 Uhr verkündet Herter, genau in einer Stunde sollen die Brote aus dem Ofen geholt werden. Herter und Güllich wird es nicht langweilig. Bereits am Tag zuvor wurden 40 Sitzgarnituren aufgestellt. „Zehn haben wir gekauft, zehn haben wir von der Bogengasse-Initiative gespendet bekommen und zehn vom Globus-Baumarkt“, erzählt Konrad Leising, der die Tische und Bänke gerade abwischt. Neben dem Harzofen-Modell, das in der Weihersbergstraße steht, wurde ein kleines Holzhaus aufgebaut. Hier werden die Tische und Bänke zukünftig gelagert. Beim Backofenfest wird in dem Holzhaus Kaffee und Kuchen verkauft. Die ersten Kuchen werden gerade gebracht. „Die werden alle gespendet, die Leute bieten das sogar an“, erzählt Leising. Auch die ersten Brotkäufer kommen schon. Zwei kaufen Brote, die bereits am Abend zuvor gebacken worden sind. Die anderen vertreiben sich beim Frühschoppen die Zeit, bis die frischen Brote aus dem Ofen kommen. Herter öffnet den Ofen, guckt hinein, ob alles in Ordnung ist. Ein herrlicher Duft nach frischem Brot strömt aus dem Ofen. Gut riecht es auch aus der Garage von Trude Moser, die neben dem Ofen ein Ferienhaus führt und die Garage für das Fest zur Verfügung stellt. Auf einem Metallgrill, der in der Garage steht, drehen sich fünf Stangen mit Rollbraten. „Die sind vom Elmsteiner Metzger“, sagt Herter. Um 8 Uhr wurde der Grill angestellt, zwei Stunden später sind die meisten Rollbraten fertig. 70 Kilo Spießrollbraten werden zubereitet. Jetzt bringt der Metzger 100 Haxen. „Die sind bereits vorgegart und kommen später noch etwa zehn Minuten in den Holzbackofen, so dass sie knusprig werden“, erklärt Herter. Ebenfalls im Holzbackofen wird Güllich Flammkuchen backen. Gekauft wurden nur die Teigrohlinge, „alles andere machen wir selbst“, so Herter. „Für das Backen der Flammkuchen wird der Ofen auf 300 Grad hochgeheizt und links und rechts bleibt Glut im Ofen“, erklärt Güllich. Herter schaut auf die Uhr, es ist 10.20 Uhr. Er öffnet den Ofen, holt mit dem Metallschieber ein Brot nach dem anderen heraus. Die ersten Roggenmischbrote sind sofort verkauft. Am Ende des sehr gut besuchten Festes sind nicht nur die Brote, sondern auch Rollbraten, Haxen, Kuchen und Flammkuchen ausverkauft. (ann)

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