Neustadt „Über den Tellerrand hinausschauen“

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Herr Meyer, noch sind Sie ja Studienrat an einem Gymnasium in Frankenberg. Haben Sie Ihren Schülern schon gesagt, dass Sie nach Haßloch gehen?

Ja, die Schüler wissen Bescheid. Und haben die sich darüber gefreut? Es ist ein gutes Gefühl, wenn Schüler sagen: Das ist aber schade. In der Klasse 9 gab es sogar Tränen. Ich bin seit zehn Jahren an dieser Schule. Man erlebt in dieser Zeit natürlich einiges und begleitet die Schüler. Deshalb gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wie haben Ihre Parteifreunde in Ihrer Heimat reagiert? Eigentlich alle positiv. Sie haben mir gratuliert. Der CDU-Kreisvorsitzende, der hessische Finanzminister Thomas Schäfer, dessen Stellvertreter ich im Kreisverband war und mit dem ich eng zusammengearbeitet habe, hat es sehr bedauert. Auf der anderen Seite ist er stolz: Er nennt den Kreis Marburg-Biedenkopf Talentschmiede, denn einige CDU-Kollegen von hier haben in anderen Gegenden Deutschlands politische Ämter übernommen. Was kann man denn von seinen Erfahrungen als Studienrat mitnehmen, wenn man als Beigeordneter in eine Gemeinde wie Haßloch wechselt? Grundsätzlich ist es der Umgang mit Menschen, mit Mitarbeitern und Kollegen. Ich bringe viel an Wissen und Erfahrung mit aus meiner Tätigkeit als Studienrat und Kommunalpolitiker und auch als junger Familienvater. Diese Mischung von allem: Das kann ich ganz besonders einbringen. Ich habe das nötige Know-how, was die politischen Abläufe angeht. Ich vermute, dass die Schulträgerschaft ein Bereich sein kann, in dem ich Verantwortung übernehmen werde. Das ist zumindest mein Eindruck aus den Gesprächen, die ich bisher geführt habe. Für mich ist es wichtig, dass Haßloch attraktiv ist für junge Familien und diese sich hier wohlfühlen. Das betrifft viele Bereiche: Ärzteversorgung, sichere Schulen und ein attraktiver Schulstandort, an dem Schüler in einem angenehmen Umfeld lernen, Kinderspielplätze, öffentliche Einrichtungen, Vereinsleben, ehrenamtliche Aktivitäten, Sport. Vor Ihrer Wahl im Gemeinderat gab es ja Kritik von der Opposition: Zum einen an der Hauptamtlichkeit der Stelle, zum anderen wurde moniert, dass Sie wenig Verwaltungserfahrung mitbringen würden. Ist das nicht eine Hypothek für Ihren Start? Nein, im Gegenteil. Zumal der Vorwurf der geringen Verwaltungserfahrung nicht stimmt. Ich habe als Studienrat ja zeitweise im hessischen Kultusministerium gearbeitet, so dass das für mich kein Neuland ist. Ich bedaure, dass diejenigen, die sich im Vorfeld heftig geäußert hatten, nicht einmal das Gespräch mit mir gesucht haben. Es ist immer gut, Urteile erst zu fällen, nachdem man Menschen kennengelernt hat und nicht vorher. Ich bin nicht sicher, ob die Kritiker nicht deshalb andere Kandidaten bevorzugt hätten, weil diese aus ihrer Sicht der richtigen Partei oder Wählergruppe angehören. Warum gerade Haßloch? Der Wunsch zur Veränderung ist sowieso dagewesen. Ich bin 35, meine Frau ist 30, wir haben zwei kleine Kinder. Jetzt war der richtige Zeitpunkt, sich nochmal zu verändern. Zudem haben wir familiäre Beziehungen in die Pfalz. Ich bin angesprochen worden, ob die Stelle in Haßloch nicht etwas für mich wäre, bin dann hierher gefahren, um mir den Ort anzuschauen und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Was mir gleich besonders gut gefallen hat, ist das Engagement und diese Vielzahl an Aktivitäten allein schon in den 120 Vereinen. Das ist es, was dieses Großdorf so besonders macht. Deshalb habe ich gesagt: Hier möchte ich mich mit meiner Familie niederlassen und ein Teil dieser Gemeinde werden. Haßloch ist ein Ort mit Zukunft, und ich möchte daran arbeiten, dass dies so bleibt. Gibt es denn hier auch etwas, das Ihnen nicht gefällt? Das kann ich gar nicht sagen. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen sehr offen auf mich zugehen und freundlich sind. Ich würde mir wünschen, dass man über Parteigrenzen hinweg zum Wohle des Dorfes arbeitet. Mein Eindruck aus der ersten Gemeinderatssitzung, an der ich teilgenommen habe, war, dass es doch sehr stark um parteipolitische Interessen ging. Geht es hier anders zu als in den Kommunalparlamenten, die Sie aus Ihrer Heimat kennen? Nein, die Strukturen scheinen mir sehr ähnlich zu sein. Was in der Ratssitzung gesagt wurde über die Stelle des Ersten Beigeordneten, nehme ich auch keineswegs persönlich, im Gegenteil. Als mir Vertreter aller Fraktionen nach der Wahl gratuliert haben, war mir wichtig, ihnen zu sagen: Ich möchte mit Ihnen ins Gespräch kommen. Interessant fand ich, was die Grünen gemacht haben ... Die Grünen haben vor der Wahl den Ratssaal verlassen... Das zeigt zweierlei: Sie wollten keinen hauptamtlichen Beigeordneten, aber stimmten nicht mit Nein, weil das nichts mit meiner Person zu tun hat. Deshalb haben sie den Saal verlassen. Das ist eigentlich ein ganz schöner Ansatz, wenn man zweimal drüber nachdenkt. Da muss man in der Tat zweimal drüber nachdenken, da gebe ich Ihnen Recht. Also haben sie das nicht als Affront verstanden? Überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Für mich ist es wichtig, mit allen ins Gespräch zu kommen und Schnittmengen zu suchen. Ich bin auf Kreisebene das Arbeiten mit zum Beispiel einer Jamaika-Koalition durchaus gewohnt und habe auch gewisse Sympathien dafür. Ich versuche, mich mit vielen unterschiedlichen Gruppierungen auseinanderzusetzen und da natürlich auch für meine Ziele zu werben. Wenn man zum Wohl einer Kommune arbeiten will, muss man auch über den eigenen Tellerrand hinausschauen und sich gemeinsam auf den Weg machen. Nur dann werden Projekte auch von der breiten Bevölkerung getragen. Ich lade alle herzlich ein, mich kennenzulernen. Sie werden ja jetzt schon regelmäßig die RHEINPFALZ lesen. Gibt es Themen, die Sie besonders spannend finden? Ich würde mir wünschen, dass es beim Badepark zu einem positiven Ergebnis kommt. Gerade für mich als junger Familienvater ist das wichtig: Ich will, dass meine Kinder schwimmen lernen, und dass sie das in Haßloch tun können. Ich werde alles dafür tun, dass der Badepark erhalten bleibt und saniert wird. Dafür sollte man alle Hebel in Bewegung setzen. Schulen haben Sie schon genannt als einen Bereich, der Sie interessiert. Wissen Sie denn schon, welche Dezernate Sie übernehmen werden? Ehrlich gesagt: Nein. Anders gefragt: Gibt es Dezernate, die Sie gerne übernehmen würden? Was mich sehr reizen würde, wäre der Bereich Tourismus und Veranstaltungen. War’s das für Sie mit dem Studienrat, oder können Sie sich vorstellen, nochmal als Lehrer zu arbeiten? Noch bin ich Lehrer, und ich bin gerne Lehrer. Jetzt suche ich eine neue Herausforderung. Was in acht Jahren ist, das sieht man dann. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Scheweiler-Würzburger hat ja gesagt, die CDU müsse weiterdenken ... Wie wird er das wohl gemeint haben? (lacht) Man kann sich ja ausrechnen, wie alt der Bürgermeister nach seiner jetzigen Amtsperiode ist und dass vermutlich keine zweite nachkommt. Die CDU wird also jemanden als Bürgermeister-Kandidaten aufbauen wollen. Wäre das eine Option für Sie? Wenn man sich in eine solche Position wählen lässt, liegt so ein Schluss nahe. Glaubwürdig kann man sich einer solchen Aufgabe aber nur stellen, wenn man vor Ort gewirkt und mit den Menschen auch in der eigenen Partei zusammengearbeitet hat. Auch ich kann 1 und 1 zusammenzählen und sehen, dass Herr Lorch 2021 vermutlich nicht mehr kandidieren wird. Aber das eine bedingt nicht das andere. Sondern das ist ein Prozess, in dem es möglicherweise so enden kann, wie Herr Scheweiler-Würzburger es angedeutet hat, aber das ist nicht sicher. Das sieht man dann. Es heißt in der Bibel: Alles hat seine Zeit. Drei Eigenschaften, die Sie an sich selbst gut finden. Ich glaube, ich kann gut zuhören. Ich habe Geduld, mit mir selbst und mit meinen Mitmenschen. Und mein Wort gilt: Ich würde nie Dinge sagen, die ich im Nachhinein nicht umsetzen kann. Und drei Dinge, die Sie an sich nicht leiden können? Manchmal bin ich zu genau. (überlegt) Schwere Frage: Man lernt, mit seinen Fehlern zu leben und verdrängt sie dann erfolgreich. Meine Schüler sagen: Meine Arbeiten sind zu schwer. Und mein Fahrstil. Das heißt? Eher zu offensiv. Ich bin kein Raser, aber manchmal muss es schnell gehen. Im Umgang mit Menschen habe ich große Geduld, aber auf der Autobahn fehlt die mir manchmal. Haben Sie ein Lebensmotto? Der Taufspruch unseres ältesten Sohnes: Du stellst unsere Füße auf weiten Raum. Das ist ein biblisches Motiv: Getragen von einer göttlichen Macht, hat man viele Freiheiten und kann sich frei bewegen.

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