Neustadt Über den Kirchturm hinaus: Warum Musik uns oft besser kennt als andere Menschen

Melanie Müller
Melanie Müller

Musik kann Erinnerungen wecken, Trost spenden und Menschen verbinden. Melanie Müller erzählt, warum sie ihr Leben auf fast allen Wegen begleitet.

Haben Sie schon einmal eine Kassette oder eine CD mit Liedern bespielt bekommen? In meinem Regal liegt eine. Erinnerungen an längst vergangene Zeiten und doch bringt mich das Hören sofort woanders hin. Ich liebe Musik. Nicht nur, weil ich gerne tanze und den Bass fühle, sondern weil sie eine Kraft hat, die es schafft, wie kaum etwas anderes Stimmungen und Gefühle auszudrücken. Sie kann durch die schönsten und schwersten Zeiten im Leben tragen.

Wenn wir Filme schauen, dann wird genau dieses mächtige Instrument eingesetzt, um uns noch tiefer mit hineinzunehmen in die aufgebaute Spannung einer Story oder in die Leidenschaft, der beiden Hauptfiguren. Auch wir platzieren in unseren Gottesdiensten Musik und Lieder ganz gezielt. Bei Beerdigungen werden Lieder bewusst gewählt, die dem oder der Verstorbenen gefallen hätten und erlaubt sind sie natürlich auch dann, wenn es keine Lieder aus dem Gesangbuch sind. Auch die Bibel kennt Lieder, denn wenn Worte allein nicht reichen, dann tut es gut, zu singen, allein oder auch gemeinsam. Es ist eine unsichtbare Verbindung, die zwischen Menschen entsteht.

Musik begleitet mich auf fast allen Wegen. Oft, wenn ich zu Fuß irgendwohin unterwegs bin und im Auto sowieso. Kürzlich konnte ich im Auto vor mir eine junge Frau singen sehen. Darüber habe ich mich sehr gefreut, weil ich gesehen habe, wie sie sich freut und voll in diesem Lied ist. Gleichzeitig wurde ich ganz neugierig und hab mich gefragt, was sie gerade hört. So geht es mir auch, wenn ich Menschen mit Kopfhörern sehe. Ihre Wege verändern sich, weil da Musik dabei ist, wie im Film. Was läuft da gerade wohl? Welche Musikrichtung – welche Interpretin hört diese Person in diesem Moment? Was gibt ihr Kraft und macht ihr Freude? Zu gerne würde ich unter den Kopfhörer schlüpfen und einen kurzen Moment eintauchen in das, was dort zu hören ist. Vielleicht kennt uns die Musik, die wir gerne hören, manchmal besser als irgendjemand anderes.

Und auf einer Kassette, die man für jemanden aufnimmt, ist immer auch ein bisschen mehr als nur die Musik zu hören, da schwingen wir selbst mit. Auf meiner Kassette wäre heute Pizzera und Jaus zu hören, die singen „Und i wü dass du so fühlst, das du ohne mi kannst aber ned ohne mi wüst“.

Die Autorin

Melanie Müller, Pastoralreferentin in der Pfarrei Heilige Theresia von Avila in Neustadt.

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