Neustadt Über den Kirchturm hinaus: Nur Geduld

Judith Geib
Judith Geib

Ich sitze am Schreibtisch. Gleich beginnt meine nächste Online-Besprechung. Mein Blick geht hinaus in den Garten: Regen fällt, der Wind peitscht durch die kahlen Äste des Kirschbaums. Alles sieht grau aus, trostlos. Ich spüre die Kälte, obwohl ich im warmen Zimmer sitze. Ein Schlager aus Kindertagen kommt mir in den Sinn: „Wann wird es mal wieder richtig Sommer?“ Da könnte ich noch ergänzen: Wann ist endlich wieder alles gut? Wann sind die Begegnungen wieder möglich, die ich so sehr vermisse? Wann ist Corona endlich wieder vorbei?

Es braucht noch ein bisschen Geduld. Gar nicht so einfach umzusetzen. Die Geduld wird auf eine harte Probe gestellt. Kein Wunder, wenn da der Geduldsfaden reißt. Was kann uns helfen, nicht die Geduld zu verlieren?

Projekt mit Edenkobener Kita

Vor einiger Zeit konnten wir mit der protestantischen Kindertagesstätte „Himmelsleiter“ in Edenkoben an einer hervorragenden Schulung teilnehmen zum Thema „Kinder stärken – Förderung von Resilienz“. Am Anfang wusste ich gar nicht so genau, was denn damit gemeint ist. Das hat sich bald geändert und mich begeistert. Es geht darum, dass Menschen lernen, mit Krisen in ihrem Leben umzugehen, in dem sie auf Erlerntes und positiv Erlebtes zurückgreifen. Mit einem Schatz an guten Erfahrungen und bestärkenden Begegnungen gelingt es, Krisen im Leben zu bewältigen.

Auch wenn wir zu keiner Zeit in einer solch herausfordernden Situation waren, wie wir sie gerade jetzt erleben, so können wir doch auch jetzt positive Erfahrungen machen. Manch einer entdeckt die Schönheit unserer Landschaft bei ausgedehnten Spaziergängen. Oder einen Brief oder eine Postkarte im Briefkasten – wie schön, wer hat da an mich gedacht? Ein Telefonanruf bei lieben Freunden mit Erinnerungen an positive Erlebnisse und Pläne für die Zeit, wenn Begegnung wieder möglich ist. Trotz Kontaktbeschränkung wird mir schnell klar: Ich bin nicht allein. Wir stärken und ermutigen uns gegenseitig. Wir tun das, was gerade geht.

Unterstützung von Gott

Nicht von Beschränkungen betroffen ist der Kontakt zu Gott. Das Beten, Klagen, Flehen, das Herz ausschütten, ehrlich sein, sich die eigene Ungeduld bewusst machen. „Gott, das Warten fällt mir so schwer!“

Wir brauchen noch Geduld. Geduldig sein heißt weitermachen im Vertrauen darauf, dass Gott da ist und uns unterstützt. Daraus kann Hoffnung entstehen, dass es tatsächlich besser wird. Nur wenn ich die Hoffnung habe, dass sich etwas zum Guten ändert, kann ich geduldig sein.

Auch das ist ein Gedanke, den es schon zu biblischen Zeiten gab. Da schreibt der Apostel Paulus an die Christen in Rom: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ Als hätten die sich auch schon mit Corona rumärgern müssen. Nur Geduld, es kann nur besser werden!

Die Autorin

Pfarrerin Judith Geib, Edenkoben, Seniorin im Dekanat Neustadt

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