Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Ölspur: Schreck in der Morgenstunde

Das defekte Müllfahrzeug gegen 7.30 Uhr. Wegen des Ölunfalls wird sich laut Stadt die Abfuhr von Papier- und Biomüll verzögern.
Das defekte Müllfahrzeug gegen 7.30 Uhr. Wegen des Ölunfalls wird sich laut Stadt die Abfuhr von Papier- und Biomüll verzögern.

Das Entsetzen steht Passanten ins Gesicht geschrieben. Eine hässliche, schwarze Ölspur zieht sich am Mittwoch durch weite Teile der Fußgängerzone. Trotz schneller Reinigung wird der Schaden Neustadt noch geraume Zeit begleiten.

Fahrzeuge des städtischen Bauhofs und von Reinigungsfirmen riegeln die Zufahrt zur unteren Hauptstraße und zum Klemmhof ab. Bauhof-Mitarbeiter sorgen dafür, dass Fußgänger nicht in die Ölspur treten und den Schaden noch zusätzlich vergrößern. Kurz nach 8 Uhr am Mittwoch herrscht in der Fußgängerzone ungewöhnlich viel Auftrieb. Dafür gesorgt hat ein Fahrzeug des Entsorgungsunternehmens Jakob Becker, das Altpapier abfahren sollte und dabei Öl verloren hat. Die Spur zieht sich von der RHEINPFALZ-Geschäftsstelle zum Kriegerdenkmal und von dort durch die untere Hauptstraße bis zur Maximilianstraße. Laut Bauhof geht es weiter bis zur Autobahn, dort habe das Fahrzeug dann gestreikt.

Wieder Baustelle?

„Unglaublich“, kommentieren Passanten, die alles live miterleben. Passanten waren es auch, die über die Feuerwehr den Bauhof in Bewegung gesetzt hatten, als sie die Bescherung sahen. Die beiden Spezialfirmen zur Ölspur-Beseitigung hatte das Entsorgungsunternehmen selbst geordert, als sein Fahrer über den Schaden informiert hatte. Eine Klemmhof-Anwohnerin befürchtet das Schlimmste: Dass das Pflaster nicht mehr sauber wird, die Steine ausgetauscht werden müssen und die Anwohner von „Wasser in die Stadt“ wieder eine Baustelle vor der Nase haben.

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Das Wasser von „Wasser in die Stadt“ wurde vorsichtshalber abgelassen.
Kommentar

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Bitte nass reinigen

Apropos „Wasser in die Stadt“: In den Rinnen war das Wasser vorsichtshalber abgelassen worden, ausnahmsweise nicht, um die Steine von Algen zu befreien. Zwar sei kein Öl ins Wasser gelangt, doch wolle die Stadt auf Nummer sicher gehen, beschreibt es Martina Annawald von der Bauverwaltung.

Christopher Papp von der Firma Grünenwald aus Edenkoben streut das frische Öl mit einem pulvrigen Bindemittel ab. Später wird es aufgekehrt, bevor die Fahrzeuge zur Ölspurbeseitigung der Firma Bissinger aus Karlsruhe langsam darüber rollen – zweimal insgesamt. Bis 11.30 Uhr ist alles Öl aufgenommen. Das Problem: Die Fußgängerzone ist mit Naturstein gepflastert. In dessen poröse Oberfläche ist Öl eingesickert.

Vielleicht biologisch

Ob diese Verschmutzung, die von größeren, dunklen Flecken über Streifen bis zu Spitzern reicht, durch ein biologisches Verfahren oder auf andere Art beseitigt werden kann, wird die Stadtverwaltung prüfen. Im schlimmsten Fall muss das Pflaster ausgetauscht werden, so Annawald. Die Stadt geht davon aus, dass das Abfallunternehmen beziehungsweise dessen Versicherung für den Schaden aufkommt.

Der Fahrer des Mülllasters soll den Schaden schon am Kriegerdenkmal bemerkt, seinen Weg aber trotzdem fortgesetzt haben. Dazu und zu allem anderen läuft jetzt die Analyse, wie Markus Lutz von der Firma Becker auf Anfrage erklärt. Sobald Ergebnisse vorlägen, werde sich das Unternehmen äußern, vermutlich am Donnerstag.

Innenstadtbeirat: Alte Forderung

Auch Norbert Schied, Vorsitzender des Innenstadtbeirats (ISB), ist am Ort des Geschehens. Für ihn hat diese neue Verschmutzung nur einen positiven Aspekt: Zwar habe die Nassreinigung durch die Spezialfahrzeuge kaum etwas gegen die Ölspur bewirkt. „Dafür aber glänzt die untere Hauptstraße an allen anderen Stellen vor Sauberkeit.“ Ein Beleg dafür, dass der Beirat nicht ohne Grund gebetsmühlenartig fordere, die Fußgängerzone nass zu reinigen.

Schon einige Tage zuvor hatte sich Schied wegen der für Mitte September von der Stadt geplanten Aktion „Neustadt glänzt“ zu Wort gemeldet. Dabei sollen Schulen, Kitas, Vereine und jeder interessierte Bürger mithelfen, Neustadt sauberer zu machen, vor allem in Sachen Müll. Im Prinzip nicht falsch und der Beirat wäre auch bereit, sich zu engagieren. Aber die Stadt müsse auch endlich einmal jene Forderungen erfüllen, die der ISB-Arbeitskreis Sauberkeit aufgelistet habe, sagt Schied.

„Laufen gegen eine Wand“

Vorsitzender dieses Arbeitskreises ist Paul-Walter Erdelt. Er hat sich andernorts informiert: in Mannheim, Landau und auch in der Partnerstadt Wernigerode. Dort werde überall auf eine regelmäßige nasse Grundreinigung der Fußgängerzone gesetzt, und das sehr erfolgreich. Außerdem sei er überall sehr freundlich aufgenommen worden. In Neustadt indes laufe man beim Bauhof nur gegen eine Wand. „Wenn wir keine Antwort erhalten auf unsere Fragen, können wir uns auch nicht dafür einsetzen, dass besser gearbeitet werden kann“, so Erdelt. Zum Beispiel durch mehr Personal.

Hochdruckreiniger, um kleinere Flächen wie unter Mülleimern sauberzubekommen, habe der städtische Bauhof schon jetzt, sagt Erdelt. Gleiches gelte für Geräte, um die Kaugummiflecken zu entfernen. „Aber es tut sich einfach nichts.“ Dabei sei der Belag in der Fußgängerzone sehr schön, vorausgesetzt, er werde regelmäßig gereinigt.

Forderung: Härter bestrafen

Viele hielten sich an die Regeln, müssten aber dafür büßen, dass sich einige wenige nicht daran hielten, sagt Norbert Schied. Deshalb fordert er, hart gegen Umweltsünder durchzugreifen. Das Land habe erst Ende 2020 höhere Bußgelder ermöglicht, so Erdelt. Aber dann müsste eben auch kontrolliert werden. In Wernigerode mit seinen 33.000 Einwohner und unzähligen Touristen seien 20 Ordnungskräfte immer unterwegs. Neustadt zähle gerade mal zehn für die Kernstadt und die neun Weindörfer. Ohne mehr Kontrollen sei das Thema Sauberkeit aber nicht in den Griff zu bekommen.

Zweimal setzte ein Spezialfahrzeug über die Ölspur.
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Direkt am Wasser nahm das Unglück seinen Lauf.
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Als erstes wurde das Öl mit Bindemittel abgestreut.
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