Neustadt Öko-Möbel für Streuobstgelände
Die ökologische „Möblierung“ der Meckenheimer Streuobstwiese am Schleitgraben wächst und gedeiht. Igelhäuschen, zwei Insektenhotels, einen Kasten für Mauswiesel und Hermelin sowie zahlreichen Nisthöhlen für Fledermäuse und Vögel, darunter Steinkauz, Feldsperling und Gartenrotschwanz gibt es bereits. Nun soll auch der Steinschmätzer eine Heimat dort finden.
Die ehrenamtlich tätige Gruppe Aktive Meckenheimer hat eine Gabione, einen Drahtkorb mit Sandsteinen, auf der Obstwiese platziert. Auslöser der Aktion war die Sichtung eines Steinschmätzer-Männchens auf der Streuobstwiese bei der Vogelstimmenexkursion Neustadter Naturschutzverbände im Frühjahr (wir berichteten). Die Ornithologen Bernd Hoos (Mußbach) und Volker Platz (Gimmeldingen) empfahlen damals die Anschaffung einer Gabione für Meckenheim. Steinschmätzer sind außer in Europa auch in Alaska, Kanada, Grönland und Sibirien anzutreffen. In Deutschland gelten sie als vom Aussterben bedroht. In Rheinland-Pfalz kommt der von März bis Oktober präsente Zugvogel überwiegend an den Weinbergshängen in Rheinhessen und an der Deutschen Weinstraße, im Flachland dagegen bislang eher weniger vor – was auch an der kargen Ausstattung dieser Landschaft mit Steinhaufen liegen könnte. Charakteristisch für die Art sind eine schwarze Augenmaske, ein weißer Bauch, ein grauer Rücken und Scheitel, schnelles Laufen auf dem Boden und ruckartiges Knicksen. Der Singvogel aus der Familie der Fliegenschnäpper besitzt eine starke Bindung an Offenland mit Felsen, Geröll und Steinblöcken. In Deidesheim kann er östlich der Bahnlinie beobachtet werden. Dort sitzt er gerne auf auch für ihn am Mitfahrerparkplatz aufgebauten Steinhaufen. Mit der Anschaffung einer Gabione durch die Gemeinde hofft Bürgermeister Heiner Dopp (FWG), dem Steinschmätzer auch in Meckenheim künftig eine Lebensmöglichkeit bieten zu können. Der Kauf des Steinkorbes gestaltete sich dabei ebenso günstig wie die Bestückung und der Aufbau. Die Bruchsandsteine für das Projekt spendete ein Meckenheimer Bürger aus seinem Garten. In zweistündiger Arbeit setzten Friedrich Deuschel, Hans Dumencic, Gunter Kästner und Armin Freche von den Aktiven Meckenheimern die einen Meter hohe und 60 Zentimeter tiefe Gabione zusammen und befüllten sie anschließend mit den Sandsteinen, die sie zuvor etwas zerkleinert hatten. Berücksichtigt wurden dabei auch die Wohnungsansprüche des Steinschmätzers: „Wir haben darauf geachtet, eine Bruthöhle aus größeren Steinplatten für ihn zu schaffen. Natürlich mardersicher“, erklärt Freche. Möglicherweise ist der neue Steinhaufen aber auch für ganz andere Tiere interessant: Mauereidechsen, die sich in den letzten Jahren von der Weinstraße her kommend zunehmend in Richtung Osten aufgemacht haben, könnten hier ebenfalls einziehen. Und das ökologische Inventar der Streuobstwiese weiter bereichern. Termin Am Freitag, 4. November, Pflanzaktion auf der Streuobstwiese Meckenheim. Treffpunkt 16 Uhr, Flakhalle, Böhler Straße. |ain