Neustadt
SC Neustadt will Endrunde um deutsche U16-Wasserball-Meisterschaft ausrichten
Interview: Die U16-Wasserballer des SC Neustadt stehen in der Finalrunde um die deutsche Meisterschaft. In der Zwischenrunde in Potsdam holten die Jungs mit dem Trainerteam Peter Jacqué, Lars Ananias, Peter Kuhn und Jens Schwarzkopf zwei Siege und wurden Turniersieger. Der 72-jährigeTeamsprecher Peter Jacqué war am Tag danach bereits wieder im Trainermodus.
Herr Jacqué, wie hart war denn die Heimfahrt für Sie?
Wir waren vier Erwachsene und auf zwei Busse aufgeteilt. Während die Hinfahrt in 5,5 Stunden perfekt verlief, benötigten wir zurück neun Stunden und fuhren einfach nur von einem Stau in den anderen. Die Jungs waren lustig, sie spielten und sangen „ihre“ Lieder, meist Rapsongs, die zwar nicht unbedingt für mich altersgerecht waren, aber das habe ich gut überstanden. Die Buben sollen ruhig ihre Musik abspielen. Zwischendrin haben sie immer mal wieder eine Stunde geschlafen, dann ging es wieder lustig weiter.
Gehen wir mal kurz auf den Turnierverlauf ein. Das erste Spiel gegen Krefeld verlief zunächst nach einem 2:5-Rückstand bis zur Pause nicht optimal. Was haben Sie den Jungs in der Halbzeit gesagt?
Wir mussten gegen Krefeld erst die richtige Zuordnung zu den Gegenspielern finden und die starken Spieler der Westdeutschen entsprechend ins Auge fassen. In den Auszeiten der ersten beiden Viertel konnten wir das noch nicht so gut kommunizieren, da unsere Spieler sich auf das Spiel konzentrierten. Dazu kam, dass wir nach der Pause unsere Konter besser ausführten und viel Druck ausübten.
Gegen Gastgeber Potsdam gab es einen guten Start und eine 4:2-Führung zur Pause. Was ist dann passiert?
Wir konnten die Gastgeber im ersten Spiel gegen Bochum gut beobachten, hatten aber nur eine Stunde Zeit, uns nach dem Krefeld-Spiel zu regenerieren. Wir analysierten die Stärken und Schwächen von Potsdam und setzten das bis zur Halbzeit auch nahezu perfekt um. Dann verloren wir die Kontrolle in der Abwehr beim Zurückschwimmen bei Potsdamer Kontern. Hier machten sich die Müdigkeit und der Kräfteverlust bemerkbar. Es kam zu Fouls, Hinausstellungen bei uns und so zu Toren für Potsdam.
Es folgte die Nacht in Berlin. Wann war es wirklich ruhig auf den Zimmern?
Wir übernachteten im Jugendgästehaus St. Michaelis-Heim. Ein wunderschönes Anwesen mit Hotel und Jugendzimmern. Die Jungs waren jeweils zu acht auf einem Zimmer. Aber spätestens um 22.30 Uhr war es ruhig. Das Frühstück gab es am Sonntag bereits um sieben Uhr.
Gegen Blau-Weiß Bochum lief das Spiel perfekt. Mit zwei Siegen im Gepäck war für den SCN alles klar. Dennoch wurde es noch eine spannende Heimfahrt mit viel Rechnerei. Es ging noch um den Gruppensieg. Wie haben Sie das erlebt?
Potsdam verlor mit 7:9 gegen Krefeld, damit hatte eigentlich niemand gerechnet. Daher waren drei Mannschaften punktgleich mit 4:2 Punkten. Auf der DSV-Homepage ist der Tabellenstand momentan noch nicht korrekt, weil das Rechnerprogramm die genaue Regel nicht verarbeiten kann. Dort steht noch Potsdam als Turniersieger. Aber wir haben tatsächlich das Turnier gewonnen, weil das Torverhältnis in den direkten Begegnungen eine Rolle spielt. Das ist jetzt zu kompliziert, es hier zu erklären. Aber die Jungs haben sich auf der Heimfahrt schon intensiv damit beschäftigt und die Regeln gegoogelt. So sind wir mit einem Tor mehr aus den direkten Begegnungen Turniersieger geworden. Das spielt aber letztlich keine Rolle, bei der Endrunde werden die Karten neu gemischt.
Und wie geht es jetzt weiter?
Im Finale stehen White Sharks Hannover, SSV Esslingen, Potsdam und der SC Neustadt. SCN-Manager Michael Heinz hat noch am Sonntag die Stadtwerke Neustadt kontaktiert und gefragt, ob wir für die Endrunde vom 9. bis zum 10. November das Stadionbad nutzen könnten. Das wird jetzt abgeklärt, da wir für die Endrunde auch einen Teil der öffentlichen Badezeit nutzen müssten. Grundsätzlich, so war die erste Antwort der Stadtwerke-Verantwortlichen, stehe man unserem Ansinnen positiv gegenüber. Gibt es grünes Licht, geht die Bewerbung an den Deutschen Schwimmverband sofort raus.
Und diese Woche ist nun komplett trainingsfrei oder gehen die Jungs gleich wieder ins Wasser?
Die Jungs hatten sich stark engagiert, diese Woche ist jetzt frei. Aber die meisten wollen zum Krafttraining am Dienstag und Donnerstag kommen, und auf freiwilliger Basis geht es auch am Freitag und Samstag zu den normalen Trainingszeiten für diejenigen ins Wasser, die kommen wollen. Danach haben wir noch drei Wochen Vorbereitungszeit auf die Endrunde. Hier sind auch Trainingsspiele geplant.
Wie ist Ihr Gemütszustand? Hatten Sie tatsächlich mit dem Erfolg gerechnet, sieht man mal vom Zweckoptimismus ab, den man als Trainer immer vorleben muss?
Ich habe schon im Stillen darauf spekuliert. Wir sind komplett mit dem stärkeren Jahrgang 2003 besetzt, die anderen Teams wie Krefeld oder Potsdam haben eine Mischung mit jüngeren Jahrgängen. Von daher sahen wir schon einige Vorteile bei uns. Tobias Bauer wurde zudem mit 15 Treffern bester Torschütze des Turniers, auf Rang sieben landeten Luis Ananias und Lukas Schwarzkopf mit sechs Toren.
Interview: Heike Klein
So spielten sie
SCN – SV Krefeld 10:7 (0:1, 2:4, 3:2, 5:0). Hummel – Vagts, Hrvic (1 Tor), Bauer (4), Baaden, Erasmy, Tim Schwarzkopf, Lukas Schwarzkopf (1), Guth, Ananias (3); Schäder (1);
SCN – OSC Potsdam 8:10 (2:1, 2:1, 0:4, 4:4). Hummel – Vagts (3), Hrvic, Bauer (3), Baaden, Erasmy, Tim Schwarzkopf, Lukas Schwarzkopf (1), Guth (1), Mrodzinsky, Ananias, Schädler, Stedler;
SCN – SV Bochum 22:8 (3:3, 7:1, 6:3, 6:1). Hummel – Vagts (1), Hrvic (1), Bauer (8), Baaden, Erasmy, Tim Schwarzkopf (1), Lukas Schwarzkopf (4), Guth (1), Mrodzinsky (1) Ananias (3), Schädler (2), Stedler. (kle)