IDAR-OBERSTEIN / BAUMHOLDER RHEINPFALZ Plus Artikel Offenes Ohr für Soldaten: Reinhold Kötter ist Militärpfarrer in Idar-Oberstein

Reinhold Kötter ist als Militärpfarrer in Idar-Oberstein tätig.
Reinhold Kötter ist als Militärpfarrer in Idar-Oberstein tätig.

Nach einer unruhigen Phase mit Personalwechsel und längerer Vakanz fasst die evangelische Militärseelsorge am Standort Idar-Oberstein wieder Tritt. In Militärpfarrer Reinhold Kötter gibt es wieder einen Ansprechpartner für die Soldaten in Idar-Oberstein, Baumholder und am Erbeskopf.

Nein, die Region an der oberen Nahe habe er bis zu seinem Amtsantritt nicht gekannt, bekennt der Geistliche. Erste Eindrücke sammelt er nun seit mehr als einem Jahr. Denn im September 2019 trat Kötter, zunächst für eine Probezeit, seinen Dienst als evangelischer Standortpfarrer in Idar-Oberstein an. Die Natur der Naheregion sei wunderschön, und die Menschen seien sehr freundlich, lautet sein bisheriges Fazit.

Einführung in voller Kirche mit Gesang

Offiziell eingeführt wurde der Theologe Anfang März in der Lutherkirche auf dem Rilchenberg vom damaligen evangelischen Militärbischof Sigurd Rinck. Und der Einführungsgottesdienst konnte noch ohne Coronaeinschränkungen und mit Gesang in der voll besetzten Kirche gefeiert werden. Der Bischof riet dem rheinischen Pfarrer, der drei Fremdsprachen spricht, er solle in seinem Amt zum Übersetzer des Evangeliums für die Gegenwart werden.

Kötter (Jahrgang 1962) stammt aus Leverkusen. Nach einem Studium der Volkswirtschaftslehre studierte er in Bonn und Göttingen Evangelische Theologie. Das Vikariat führte ihn in die Kirchengemeinde Cochem an der Mosel. In Koblenz wurde er nach dem zweiten Theologischen Examen 1991 zum Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland ordiniert. Anschließend wirkte er als Gemeindepfarrer in der Kirchenkreisen Wetzlar und Braunfels. Seit 2001 war der Theologe Berufsschulpfarrer am Bergischen Berufskolleg Wipperfürth in Nordrhein-Westfalen.

Bestand seine Berufsschulgemeinde aus den evangelischen unter den 1700 Schülern, so ist er als Militärpfarrer für die seelsorgerliche Betreuung der knapp 1000 Soldaten des Artillerielehrbataillons 345 in der Klotzbergkaserne sowie der Offiziere, Anwärter und Unteroffiziere zuständig, die für drei Monate zu Lehrgängen an die Artillerieschule nach Idar-Oberstein kommen.

Überdies gehören zu seinem Sprengel die Bundeswehr-Präsenz in Baumholder mit dem Lager Aulenbach samt Truppenübungsplatz und dem Lager Wilhelmswald, sowie die Radarstation der Bundeswehr am Erbeskopf. Im Kraftfahrausbildungszentrum in Lager Wilhelmswald musste Kötter die theoretischen Prüfung ablegen, um auch ein Dienstfahrzeug der Bundeswehr lenken zu können.

Ansprechpartner für berufliche und private Anliegen

Seelsorge, Andachten, Predigt im Feldgottesdienst gehören zu den Aufgaben des Militärgeistlichen, der sein Büro in der Artillerieschule hat und von einer Pfarrhelferin unterstützt wird. Wegen der Pandemie sei die Planung allerdings erschwert.

Soldaten wenden sich mit beruflichen und privaten Anliegen an den Pfarrer, weiß Kötter. In diesen Gesprächen, die dem Seelsorgegeheimnis unterliegen, könne es um persönliche Rückschläge, Beziehungsprobleme, um Krankheit oder Schwierigkeiten im Beruf gehen. Ein weiteres Angebot der Militärpfarrer beider Konfessionen in Idar-Oberstein, dort ist neben Kötter seit 2015 Andreas Bronder katholischer Militärseelsorger, sind mehrtägige Freizeiten für Soldaten mit ihren Familien sowie Rüstzeiten, die wegen der Coronapandemie nur eingeschränkt organisiert werden konnten.

Lebenskundlicher Unterricht ist Pflicht

Eine weitere wichtige Säule der Militärseelsorge ist der Lebenskundliche Unterricht, der Orientierung für die Soldaten in berufsethischen Fragen bietet. in dem es in erster Linie um ethische Fragen des Soldatenberufs geht. Fälle von moralischem Fehlverhalten in der Truppe haben dazu geführt, dass der Lebenskundliche Unterricht seit 2010 für die Soldaten eine Pflichtveranstaltung ist.

Wie alle rund 100 evangelischen Militärpfarrer bundesweit ist Kötter für die regulär sechsjährige Dienstzeit von seiner Landeskirche freigestellt und Bundesbeamter auf Zeit. Zugeordnet ist er ebenso wie sein Kollege Alexander Beck am Standort Zweibrücken dem Evangelischen Militärdekanat Köln, das für Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland zuständig ist. Im Predigtplan der Kirchengemeinde Idarbachtal sei er nur deshalb nicht aufgeführt, weil er an den Wochenenden in Köln bei seiner Familie weilt, erläutert der 58-jährige Militärpfarrer.

x