Idar-Oberstein
Die Kirche hält dem Felsen stand
Eigentlich war nur geplant, die Felswand um die Kirche von losem Gestein zu befreien und mit einem Schutznetz zu bedecken, berichtet Stadtsprecher Michael Brill. Dabei sollte auch der alte Schutzzaun durch eine moderne Schutzeinrichtung ersetzt werden. „Im Zuge der Arbeiten stellte sich jedoch heraus, dass der Felsen weitaus maroder war, als im geologischen Gutachten festgestellt.“
Sicherungsarbeiten am Fels begannen bereits im November 2018. Doch mussten die notwendigen Arbeiten erheblich ausgeweitet werden. Unter anderem waren zusätzliche Fangzäune und Schutznetze notwendig. Es waren auch Felsstücke auf Häuser am Marktplatz unterhalb der Kirche gefallen. Aus Sicherheitsgründen wurde daraufhin der Fußweg unterhalb der Felsenkirche gesperrt. „Da das Gebäude nur über diesen Fußweg erreichbar ist, ist die Felsenkirche seither geschlossen“, berichtet Brill. Die Stadt ist Bauherr über die Felssicherung.
Meterlange Stahlanker
Konkret wurde der Fels um die Kirche in mehreren Bauabschnitten mit vier bis zwölf Meter langen Stahlankern gesichert. Dazu wurden Bohrlöcher im Fels hergestellt und darin die Anker mit einem speziellen, zementgebundenen Ankermörtel verpresst. Anschließend wurde ein Fangnetz aus Stahlgeflecht im Fels verankert, um den Abgang von kleineren Gesteinsausbrüchen zu verhindern. Außerdem muss auch die Spritzbetonschale oberhalb der Felsenkirche mit einem Netzvorhang gesichert werden. Zur Verankerung der Netzvorhänge müssen Felsnägel von mehreren Metern Länge gesetzt werden.
Die Felsenkirche wurde in den Jahren 1482 bis 1484 von Wyrich IV. von Daun-Oberstein erbaut. In das Gotteshaus gelangt man nur durch einen Stollen.
Schon in der Vergangenheit hat es nach Angaben der Stadt Felsberäumungen und Felssicherungsarbeiten gegeben. „Da sich der Felsen jedoch bisher nicht in einem so schlechten Zustand befand, hatten diese nie den Umfang der aktuellen Maßnahme“, schildert Brill.
Zerstörung bereits 1742
Wie aus dem Band 11 der „Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz“ zu lesen ist, verursachte die außergewöhnliche Lage der Kirche gleichzeitig eine schwerwiegende Gefährdung durch Steinschlag: 1742 wurde das gotische Gewölbe zerstört und durch eine Tonnendecke ersetzt. Eine Veränderung des Turmdaches von 1858 gehe ebenfalls auf Beschädigung durch Felsbrocken zurück. Um die zunehmende Zahl der Besucher gefahrlos in die Kirche zu leiten, wurde 1981 ein Tunnel gebohrt, nachdem bereits 1978/79 der Felsen oberhalb der Kirche gesichert werden musste.
Nach derzeitigem Planungsstand sollen die Arbeiten bis März 2022 abgeschlossen sein. Die Herrichtung des Weges zu dem spätgotischen Gewölbebau kann erst im Anschluss an die Felssicherungsarbeiten ausgeführt werden.
Knapp vier Millionen Euro Kosten
Die Kosten für die Gesamtmaßnahme kalkuliert Brill auf 3,96 Millionen Euro. Weil die Eigentumsverhältnisse an einem solchen Felsen komplex seien, haben das Land Rheinland-Pfalz, die Stadt Idar-Oberstein und die evangelische Kirchengemeinde Oberstein bereits vor Jahren einen Vertrag abgeschlossen, der bei derartigen Maßnahmen eine Kostenverteilung regelt. Danach zahlen Land und Stadt jeweils 40 Prozent, die restlichen 20 Prozent kommen auf die Kirchengemeinde zu. Dies entspreche den jeweiligen Eigentumsanteilen an dem Felsen, erläutert Brill.
Die Kirche an sich ist nach Angaben von Timo Risch vom Verwaltungsamt des Kirchenkreises Obere Nahe in gutem Zustand. Ob der angefallene Staub durch einen Hochdruckreiniger oder doch durch einen Anstrich entfernt werden kann, müsse noch geklärt werden. Zuletzt fand eine Sanierung im Jahr 2000 statt.