Idar-Oberstein
Auch Pendler können über Klimaschutzmaßnahmen abstimmen
Die Stadtverwaltung habe in den vergangenen Jahren etliche Projekte realisiert und so Energie gespart und ihre Treibhausgasbilanz verbessert, sagt Bürgermeister Friedrich Marx. „Nunmehr gilt es jedoch, ein Klimaschutzkonzept für die Gesamtstadt und all ihre Akteure – also sowohl kommunale Einrichtungen als auch private Haushalte, Gewerbe, Industrie und Verkehr – zu erstellen.“
Ein solches Konzept hat die Stadt bei der in Lampertheim ansässigen Energy Effizienz GmbH in Auftrag gegeben. Nach den Worten von Daniel Jung, Geschäftsführer und Projektleiter Kommunalberatung, hat die Analyse der Ist-Daten die Privathaushalte und den Verkehr als die Bereiche identifiziert, die in Idar-Oberstein die Energie- und die Treibhausgasbilanz am stärksten belasten. Anhand verschiedener Szenarien seien daraus in einem zweiten Schritt die mögliche Entwicklung der Verbräuche und Emissionen abgeleitet worden.
Unverpacktläden und Wärmedämmung
34 Maßnahmen waren von Jung und seinem Team erarbeitet worden, 31 befand der Arbeitskreis Klimaschutz der Stadt für gut und stellte sie in einem Katalog zusammen. Alle sollen dem Klima, der Stadt und den Menschen gleichermaßen dienen. Manche, wie mehr Grün und weniger versiegelte Flächen, sind kurzfristig umzusetzen. Andere, etwa die Effizienzsteigerung der Kläranlage und die energetische Sanierung von Privathäusern, werden sich erst mittel- bis langfristig auswirken.
In der Stadt könnten beispielsweise Wohnquartiere entstehen, die mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen. An den Industriestandorten und in den Gewerbegebieten müsste die Abwärme nicht mehr verpuffen. Man will über die Stadtgrenzen hinaus netzwerken, eine „Fotovoltaikoffensive“ beginnen, öffentliche Liegenschaften sollen ihr Energiemanagement digitalisieren und Betriebe ein Mobilitätsmanagement betreiben. Die Vorschläge reichen von mehr Mitfahrerparkplätzen über Dienstradleasing und Betriebsfahrräder bis zu Klimasparbüchern, Unverpacktläden, Tauschbörsen und einem Pfandsystem auf Kaffeebecher.
Bürger sollen Ideen bewerten
Ob all dies festgeschrieben wird, obliegt dem Stadtrat. Noch befindet sich das Konzept in der Vorstellungsphase, in der die Öffentlichkeit gehört und beteiligt wird. Pandemie-bedingt geschieht dies online.
Klar ist auf jeden Fall, dass nicht alle Maßnahmen gleichzeitig realisiert werden können. „Wir wollen deshalb diejenigen Punkte identifizieren, die aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger am dringendsten sind und daher als erste angegangen werden sollten“, formuliert Stadtsprecher Michael Brill. „Das Konzept mit dem Maßnahmenkatalog ist im Internet veröffentlicht. Dort können die Menschen bis Sonntag, 16. Mai, die vorgeschlagenen Maßnahmen bewerten und mit einer Priorität versehen.“
Wer sich beteiligen will muss nicht in Idar-Oberstein wohnen. Die Umfrage richtet sich an alle, die regelmäßig in der Stadt zu tun haben, etwa Arbeits- und Freizeitpendler.
Info
Fragen und Anregungen können auch an die städtische Klimaschutzmanagerin Julia Besand gerichtet werden, Telefon 06781 64412, E-Mail julia.besand@idar-oberstein.de.