Pfälzische Geschichte
Schlafkultur im Mittelalter: Der öffentliche Schlummer
Jammern auf hohem Niveau: „(…) ich schlief mit verkrümmten Gliedmaßen, mein Bett war zu kurz (...)“, so Baldassare Cossa alias (Gegen-)Papst Johannes XXIII. im September 1419. Der abgesetzte (und später aus der Zählung genommene) Papst sitzt auf der kurpfälzischen Zollburg Eichelsheim auf heutigem Mannheimer Gebiet ein, festgesetzt nach der Flucht vom Konstanzer Konzil. Sein Bett ist nicht kommod. Aber wenigstens hat er eins. Und das auch noch zur alleinigen Nutzung.
An Privatsphäre im modernen Sinn ist im Mittelalter auch beim Schlafen nicht zu denken: Der Italiener Antonio de Beatis vermerkt um 1518 auf einer Tour durchs Reich, in die Herbergszimmer stelle man „so viele Betten, als deren Platz haben, was unbequem und unlöblich ist“. Schlafen ist eine Gemeinschaftserfahrung: In Bauernhäusern teilt sich die ganze Familie ein Lager, in einfachster Form auf Strohschütten oder -säcken. Kleine Schlafkammern oder -lauben gibt es in manchen städtischen Häusern etwa seit dem späten 13. Jahrhundert – durch mehrgeschossigen Ausbau hat man mehr Platz für die funktionale Trennung der Lebensbereiche. Und in den Schlafräumen steht wohl meist schon ein Bett, Grundform: Bettkasten mit Strohschütte, darüber eine Matratze mit Stroh, Woll- oder vielleicht sogar Daunenfüllung. „An Federn ist ja kein Mangel, da die Gänse so massenhaft gezogen werden“, schreibt de Beatis.
Zu zweit in einem Herbergsbett
Von modernen Hygienevorstellungen muss man sich dabei verabschieden. Der Konstanzer Ulrich Richental beschreibt in seiner Chronik des von 1414 bis 1418 tagenden Konzils unter anderem die Vorschriften für die Herbergen: „Und solt aber der hußwirt linlachen (Leinenlaken) geben, pfulwen (Polster), küssi (Kissen), allweg zum monat nüw gewäschen.“ Pro Monat zahlt man im Übrigen eineinhalb Gulden für ein Bett, in dem „zwen mit eren wol ligen möchten“. Viel Privates gibt es eben nicht, im Mittelalter. Da sollte man als Ex-Papst aufhören zu mäkeln.