Mannheim
Prunkstück vor der Verschrottung?
„Die ,Mainz’ sollte am Rhein erhalten bleiben. Dabei will ich mich gar nicht auf Mannheim fokussieren, auch wenn es schön und lobenswert ist, dass das Schiff damals dort landen konnte“, sagt Armin Hummel. Von Badenweiler im Markgräfler Land aus beobachtet der 85-Jährige sehr genau die Meldungen über das Mannheimer Museumsschiff. Er ist beunruhigt, dass es verschrottet werden könnte. Denn es war sein Vater Adolf Hermann Hummel, der den Schnelldampfer Ende der 1920er-Jahre für die von seinem Großvater gegründete Ruthof-Werft in Mainz-Kastel konstruierte.
Am 4. Juni 1929 trat der letzte für die Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrts AG (KD) gebaute Raddampfer seine Jungfernfahrt an. Als die Firmengeschichte der Werft 1975 endete, stand das größte Personenschiff auf dem Rhein noch voll unter Dampf und fuhr bis 1980 zwischen Mainz und Köln hin und her. Ein Jahr später wurde die „Mainz“ offiziell ausrangiert. Die KD schenkte es der „Gesellschaft zur Förderung des Deutschen Rheinschifffahrtsmuseums“ in Mannheim – unter der Voraussetzung, das Schiff für museale Zwecke zu verwenden. Am 17. Oktober 1986 gab diese es nach einer Überholung an das Landesmuseum für Technik und Arbeit (heute Technoseum) weiter.
Daumen runter aus Mainz
In Binnenschifffahrtskreisen sah man dies gern. Die „Dampferzeitung“ berichtete, dass das Prunkstück „nach einem bewegten Schiffsleben nun am Neckarsteiger an der Mannheimer Kurpfalzbrücke seinen letzten Liegeplatz gefunden hat“. Ob das auch in Zukunft so bleibt, ist ungewiss. Der Tüv ist ebenso ausgelaufen wie die Liegegenehmigung. Die Stadt Mannheim und das Land sind als Eigentümer die notwendige Generalsanierung aus Kostengründen seit der Stilllegung am 31. Dezember 2018 bisher nicht angegangen. Überlegungen, den Schaufelraddampfer mittels Betonfundament unweit des Stadtarchivs in der Neckarstadt-West fest an Land zu holen, wurden aus technischen Gründen verworfen.
Dass Düsseldorf sich nun für das Schiff interessiert, gehört für Armin Hummel zu den guten Nachrichten. Denn seine Anfrage an die Stadt Mainz nach einem Liegeplatz, um das Schiff wieder heim zu holen, sei negativ beschieden worden. Ein Telefonat mit Harald Lüdtke, Leiter des Mannheimer Technoseums, hat ihn auch nicht allzu optimistisch gestimmt. Doch der Senior, der in Hamburg und Hannover Schiffsbau studierte und als Dozent bei der Marine tätig war, bevor er zu einem großen Softwareentwickler ging, wirbt weiter unermüdlich für den Erhalt des Schiffs. „Es handelt sich um den letzten noch existierenden der großen Personendampfer, die für viele Generationen von Einheimischen und Touristen das Bild der Rheinschifffahrt prägten“, sagt Hummel.
Stiftungsrat hat letztes Wort
Die Kessel würden funktionieren, die Dampfmaschine sei gar im Original erhalten. „Echte Publikumsmagnete“ seien derartige Schiffe in der Schweiz und in Sachsen, wo man die historischen Stücke laut Hummel mit viel Enthusiasmus und Aufwand erhalte und betreibe. Die „Mainz“ sei charakteristisch für die Rheinlandschaft und einfach zu schade, um von der Bildfläche zu verschwinden.
Doch nun gibt es ja Hoffnung. Düsseldorf hat Interesse an dem Raddampfer, denn dort sucht man schon lange nach einer Präsentationsfläche für ein 300 Jahre altes Plattenbodenschiff, das 2009 bei Deichbauarbeiten im dortigen Stadtteil Kaiserwerth entdeckt wurde und von Fachleuten als wichtiges Kulturgut und Sensationsfund bezeichnet wird. Das Museumsschiff bliebe also Museumsschiff, wenn auch anderer Stelle am Rhein, und immer unter dem Vorbehalt, dass die Sache spruchreif wird.
Zwar prüft Technoseumschef Lüdtke im Auftrag von Stadt und Land eine andere Trägerschaft. Doch wie es mit dem Museumsschiff weitergeht, darüber wird schließlich der Stiftungsrat entscheiden. In dessen nächsten Sitzung im Juli wird Gegenstand der Beratung ein weiteres Gutachten sein, das dem Technoseum seit wenigen Wochen vorliegt. Zum Einholen erneuter Expertise entschloss man sich, nachdem der Mannheimer Unternehmer und Schiffsexperte Rolf Götz den bisherigen Kostenvoranschlag angezweifelt hatte und auf eigene Rechnung einen anerkannten Schiffbausachverständigen mit einem Gutachten beauftragt hatte und dieser zu einer wesentlich niedrigeren Summe gelangte. Nach Auskunft von Lüdtke bestätigt das mittlerweile dritte Gutachten des Technoseums, erstellt von einem auf Traditionsschiffe spezialisierten Fachmann, den ursprünglichen Kostenvoranschlag. Dabei hatte das Technoseum stets von „über zwei Millionen Euro“ gesprochen. Mittlerweile hat sich ein Bündnis aus mehreren Vereinen bereiterklärt, ehrenamtlich die Trägerschaft des Mannheimer Museumsschiffs zu übernehmen.