Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Projekt am Neckar: Ein Neubau mit vielen Funktionen

Siegerentwurf eines Architekten-Wettbewerbs: Auffällig ist vor allem die gläserne Fassade.
Siegerentwurf eines Architekten-Wettbewerbs: Auffällig ist vor allem die gläserne Fassade.

Das Areal an der Kurpfalzbrücke in Neckarstadt-Ost fristete lange ein Schattendasein. Ein spektakulärer Neubau könnte das bald ändern. Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache hat sich an einem zweiten Standort in Mannheim einiges vorgenommen.

Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) ist seit vielen Jahren in den Mannheimer Quadraten ansässig. Die Forschungseinrichtung soll einen weiteren Standort bekommen – in einem Neubau auf dem Alten Messplatz am Neckar. Das neue Gebäude, das auch ein Ort für Ausstellungen und Begegnungen werden soll, ist gedacht als Geschenk der Stiftung des SAP-Mitbegründers Klaus Tschira. Mittlerweile ist ein Architektur-Wettbewerb abgeschlossen. Ein Berliner Büro hat sich mit seinem Entwurf in einem Wettbewerb gegen 16 Konkurrenten durchgesetzt. Welcher der Entwürfe verwirklicht wird, ist damit noch nicht gefallen. Zunächst muss geprüft werden, was umsetzbar und wirtschaftlich ist. Eröffnet werden könnte das Haus Ende 2026, Anfang 2027.

Das Gebäude im Siegerentwurf sieht fünf Geschosse vor. Auffällig ist die geplante gläserne Fassade hin zum Alten Messplatz. Die tragenden Elemente für die Geschossdecken befinden sich im Inneren des Gebäudes, so dass in den einzelnen Etagen eine sehr flexible Raumgestaltung möglich wäre. Im vierten Obergeschoss ist eine große Dachterrasse zum Neckar hin geplant. Die Stadt beteiligt sich am Projekt, indem sie das Grundstück auf der südlichen Platzhälfte des Alten Meßplatzes in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Discounter-Markt unentgeltlich in Erbpacht zur Verfügung stellt.

Zugang zum Fluss

„Ich bin sehr glücklich über die Entwicklung und die großzügige Schenkung der Tschira-Stiftung an das IDS. Wir wollten an dieser Stelle einen Ort der Bildung haben wie etwa eine Bibliothek. Wir haben das Grundstück immer dafür vorgehalten“, sagt Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD). Für die restliche Fläche des Platzes kündigt er ebenfalls einen Gestaltungswettbewerb an. Die Platzmitte soll einen freien Zugang zum Neckarufer ermöglichen. Auf dem östlichen Teil, wo sich einst die Gaststätte Alter Bahnhof befunden hat, sollen zwei Initiativen ihren Platz finden. Das Einraumhaus ist ein Ort der Auseinandersetzung mit junger Kunst. Das Projekt „Alter“ bietet kostenlose Sport- und Kulturangebote.

Mit dem Neubau soll ein gläsernes, einladendes Haus entstehen, ein Forum, wo Wissenschaft für die Menschen greifbar wird, sagt Henning Lobin, Wissenschaftlicher Direktor und IDS-Vorstandsvorsitzender. Das Forum sei konzipiert als offenes Museum, bürgerwissenschaftliches Forschungslabor und Dokumentationszentrum für die deutsche Sprache. Wie das IDS ankündigt, soll die Dauerausstellung die individuellen Entwicklungsstufen der Sprache im Laufe eines Lebens nachzeichnen. Sie soll zeigen, wie der Mensch in und mit der Sprache lebt, vom Spracherwerb eines Säuglings bis zum vielfältigen Umgang mit Sprache im Alter. Daneben sollen besondere Themen erschlossen werden, etwa wie soziale Medien die Sprache prägen, wie vielseitig deutsche Dialekte sind und wie Kunst und Literatur ihre eigenen Ausdrucksformen in gesprochener und geschriebener Sprache finden. Ein Erlebnisbereich für Kinder im Alter zwischen eins und sieben soll auch die Jüngsten an Sprache heranführen.

Im Neubau vorgesehen sind neben Ausstellungsräumen Bereiche für Veranstaltungen und Forschung. Es soll ein Begegnungsort geschaffen werden. „Die Menschen sollen ganz aktiv an der Forschung beteiligt werden“, sagt Beate Spiegel, Geschäftsführerin der Klaus Tschira Stiftung. Mit dem Forum Deutsche Sprache verbinde die Klaus Tschira Stiftung das Anliegen, die Linguistik als eine moderne datengetriebene Wissenschaft zu fördern. Ausgegangen wird von einer dreijährigen Bauzeit nach Ende der Planung.

Noch Fragen?

Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache mit Sitz in Mannheim wurde 1964 gegründet und ist eine zentrale Forschungseinrichtung zur deutschen Sprache. Seit 1992 ist das Institut mit 227 Mitarbeitern im Quadrat R 5 ansässig. Als eines von 90 Forschungseinrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft wird das Institut von Land und Bund getragen. Die Klaus Tschira Stiftung wurde 1995 von dem Physiker und SAP-Mitgründer Klaus Tschira (1940–2015) ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist die Förderung von Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik. Dazu möchte sie für die Wertschätzung dieser Fächer in der Bevölkerung werben.

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