Mannheim
Eine lange Durststrecke: Taxifahrer am Limit
Schwierig ist die Situation im Taxigewerbe schon lange. Mittlerweile geht es aber für viele ans Eingemachte. Die katastrophalen Folgen der Lockdowns sind noch allgegenwärtig, jetzt müssen die Unternehmen mit den explodierenden Spritpreisen einen weiteren Tiefschlag hinnehmen. „Die Lage ist sehr angespannt – bei mir und meinem Betrieb ebenso wie bei der gesamten Branche“, sagt Jürgen Schwarz, Geschäftsführer der seit 2018 zusammengeschlossenen beiden Taxizentralen in Mannheim. Der Kurpfälzer hat viel erlebt in dem Geschäft, Taxi fährt er seit 37 Jahren. Doch so schlecht wie jetzt waren die Bedingungen noch nie.
Die Verluste infolge der Corona-Politik beziffert der 62-Jährige auf ungefähr 30 bis 40 Prozent. Und diese Angabe bezieht sich nur auf die Fahrten, die über die Taxizentrale gebucht worden sind. Etwa 500.000 Fahrten im Jahr gab es laut Schwarz vor der Pandemie. Jetzt seien es weniger als 350.000. „Wahrscheinlich sind die Verluste insgesamt noch größer.“ Pendler-Fahrten seien komplett wegfallen, weil viele im Homeoffice arbeiteten. Das Mannheimer Nachtleben an Wochenenden – in Vor-Corona-Zeiten kein unbedeutender Faktor für Taxifahrer – ist seiner Beobachtung nach trotz Lockerungen noch immer tot. Als „maximal kostendeckend“ beschreibt Schwarz das derzeitige Geschäft, was dann streng genommen ja gar keins mehr ist. Staatliche Hilfen und das Instrument des Kurzarbeitergeldes gab es für das Taxigewerbe zwar auch, „aber der Zeitraum ist ja begrenzt“.
Hilfe vom Staat gefragt
Und jetzt noch die infolge des Ukraine-Krieges gestiegenen Spritpreise – mit ihnen sei es im Prinzip nicht mehr möglich, wirtschaftlich zu fahren. Die Situation an den Tankstellen könnte jetzt der Tropfen sein, der das Fass für die Branche zum Überlaufen bringt. Gewerbliche Spriteinkäufe zu subventionieren, hält Schwarz für ein Mittel, um die Entwicklung etwas abzufedern. Und er erinnert an die Ölkrise, als die Kunden für eine gewisse Zeit einen Mineralölzuschlag von einer Mark pro Fahrt gezahlt haben. Der Bundesverband Taxi und Mietwagen brachte in diesem Zusammenhang schon einen „Putin-Preisaufschlag“ beziehungsweise eine „Kreml-Zulage“ ins Spiel. Im Durchschnitt ist derzeit bei einer Fahrt von Mehrkosten von etwa zehn Euro auf 100 Kilometer die Rede.
Wenn es doch nur das Thema Benzin beziehungsweise Diesel wäre, das auf der Branche lastet, mag sich der Chef der Mannheimer Taxizentrale manchmal denken. Hinzu kommt ja noch die geplante schrittweise Erhöhung des Mindestlohns, die den Unternehmen Kopfzerbrechen bereitet. Und die grundsätzliche Richtung, in die die Politik beim Thema Mobilität gerade geht, ist wohl ebenso wenig ein Grund, in Begeisterungsstürme auszubrechen. Eher im Gegenteil. Zum Beispiel wird der Öffentliche Personennahverkehr mehr und mehr ausgebaut. „In Städten wie Mannheim ist die Straßenbahn-Haltestelle ja für viele direkt vor der Haustür“, sagt Schwarz. Und das ist nicht die einzige Konkurrenz. Ein Schreckgespenst ist für viele Taxiunternehmer das amerikanische Dienstleistungsunternehmen Uber. Es bietet in vielen Städten der Welt Online-Vermittlungsdienste zur Personenbeförderung an, ist aber auch in anderen Feldern aktiv. „Die wollen auch in Deutschland verstärkt auf den Markt drängen. Wenn die sich breit machen, befürchten viele, sind wir völlig platt“, sagt Schwarz.
Taxifahren soll ab August teurer werden
Dass die Taxifahrer 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche am Steuer sitzen, mitten in der Nacht oft aufrecht im Auto sitzend und schlafend auf Kundschaft warten – all das betont Thomas Laschuk, im Taxiverband Deutschland der Vorsitzende im Land Baden-Württemberg. „Wir sind doch wer. Wir machen gute Arbeit. Wir bekommen aber nicht die Wertschätzung, die wir verdienen“, kritisiert er. Die Verbände haben nun in vielen Regionen Deutschlands dazu ermuntert, die Tarife zu erhöhen. In Mannheim, berichtet Schwarz, seien die Tarife letztmals vor sieben Jahren erhöht worden. Nun sollen sie zum August um zehn Prozent steigen. „Viel zu wenig“, findet Laschuk vom Verband. „Wenn die Oma mit dem Taxi zum Friseur fährt und dort 70 Euro zahlt, zahlt sie auch 12,50 statt zehn Euro fürs Taxi.“ In Städten wie Mannheim oder Karlsruhe, wo die Tarife vergleichsweise niedrig sind, hält Laschuk eine Erhöhung von 25 Prozent für angemessen. Schwarz weiß selbst, dass die zehn Prozent in Mannheim nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. „Das ist gerade mal die Inflation. Die gestiegenen Spritpreise gleicht das noch nicht mal aus“, sagt er.
Etwa 300 Taxis sind in Mannheim unterwegs, 275 von ihnen sind laut Schwarz der Zentrale angeschlossen. Er schätzt die Betriebsaufgaben während der Pandemie auf zehn Prozent. Andere hätten aber auch Betriebe übernommen, in der Hoffnung, dass es doch wieder besser wird. Das Fünkchen Hoffnung also ist bei vielen das eine, das andere jedoch ist die Ungewissheit, wohin der Weg gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch noch führt.
Kontakt
Die Taxizentrale ist unter den Nummern 0621 21818 oder 0621 444044 zu erreichen. Kontakt per E-Mail: info@taxi-mannheim.de.