Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Nächster Halt Franklin“ – Neue Stadtbahnstrecke entsteht

Wird an das Stadtbahnnetz angebunden: das Franklin-Gelände im Mannheimer Norden, auf dem ein neuer Stadtteil am Entstehen ist.
Wird an das Stadtbahnnetz angebunden: das Franklin-Gelände im Mannheimer Norden, auf dem ein neuer Stadtteil am Entstehen ist.

In Mannheim beginnt der Bau einer neuen Stadtbahnstrecke, die laut Verwaltung schon 2023 fertiggestellt sein und den Bewohnern des neuen Stadtteils „Franklin“ einen Straßenbahnanschluss an die City bieten wird.

Es soll 1,8 Kilometer lang werden, über eine Umsteigeverbindung zur vorbeiführenden Linie 5 verfügen und schon im zweiten Halbjahr 2023 realisiert sein: Das Teilstück der neuen Stadtbahnlinie 16, die den Stadtteil Franklin und die Mannheimer Innenstadt verbinden wird. Die Fertigstellung der gesamten Strecke der neuen Stadtbahnlinie 16 über die Innenstadt bis zur Endstelle in Rheinau soll bis 2027 folgen, wie die Stadt und das Unternehmen Rhein-Neckar-Verkehr (RNV) am Freitag mitteilten.

„Mit dieser neuen Stadtbahnlinie werden die Bewohner einen barrierefreien, komfortablen und ökologischen Anschluss an den öffentlichen Personennahverkehr erhalten“, freute sich Mannheims ÖPNV-Dezernent und Stadtkämmerer Christian Specht (CDU) über den nun erfolgten Baustart. Für das Ziel der Stadt, das Stadtbahnnetz weiter auszubauen und klimaneutral zu werden, sollen für den ÖPNV in den nächsten Jahren über 140 Millionen Euro investiert werden, davon 28 Millionen für die Stadtbahnstrecke in Franklin, erläuterte der Stadtkämmerer.

„Ein Meilenstein“

Dass ein attraktives ÖPNV-Angebot eine Schlüsselrolle bei der gewünschten Verkehrswende zur drastischen Senkung der CO2-Emissionen spielt, betonte Elke Zimmer (Grüne), Mannheimer Stadträtin und Staatssekretärin im Verkehrsministerium in Baden-Württemberg. Zwei Drittel des CO2-Ausstosses im Land werde vom Verkehr verursacht. Um das Ziel einer Reduktion um 65 Prozent bis 2030 zu erreichen und die Menschen zum Umstieg in den ÖPNV zu bewegen, brauche es attraktive Angebote, sagte Zimmer.

Die neue Linie sei hier ein „Meilenstein“. Sie wies darauf hin, dass die Förderung für ÖPNV-Projekte durch Bund und Länder bereits stark verbessert worden sei. Wie Specht am aktuellen Beispiel erläuterte, trägt von den 28 Millionen Euro Kosten für die neue Stadtbahnstrecke etwa 19 Millionen der Bund und fünf Millionen das Land, es verbleiben 4,5 Millionen Euro für die Stadt.

Die nun in Angriff genommene, 1,8 Kilometer lange Strecke der neuen Stadtbahnlinie 16 mit mehreren Haltestellen innerhalb von Franklin soll dabei nur ein erster Schritt sein. Sie werde zunächst als Pendelzug und Zubringer zur Linie 5 (OEG) fungieren, die schon am Rand des Stadtteils vorbeiführt, bis der Umbau und die Kapazitätserweiterung am Bahnhof Käfertal erfolgt sei, erklärte Specht. Im Endausbau soll die neue Linienstrecke nach der Fertigstellung im Jahr 2027 dann von Franklin über Käfertal, die Neckarstadt, Innenstadt und den Hauptbahnhof weiter zum neuen Glückstein-Quartier im Lindenhof und Neckarau bis zum südlichen Endpunkt im Stadtteil Rheinau führen.

„Auf das Auto verzichten“

Um die künftigen erhöhten Stadtbahnverkehre bewältigen zu können, müsse neben dem Bahnhof Käfertal auch die Kapazität des Knotens vor dem Mannheimer Hauptbahnhof mit einem zusätzlichen vierten Gleis erweitert werden. Hier haben die Bauarbeiten begonnen. Insgesamt sind für das Ausbaupaket Kosten von 140 Millionen Euro angesetzt, die zu rund 90 Prozent von Bund und Land finanziert werden.

Die städtische Entwicklungsgesellschaft MWSP widmet sich der Aufgabe, mit dem ehemaligen „Benjamin-Franklin-Village“ die einst größte US-Militärsiedlung in Süddeutschland in ein neues Mannheimer Wohnquartier zu verwandeln. Von Beginn an sei die Zielsetzung gewesen, mit Franklin einen Stadtteil mit Modellcharakter und zukunftsweisenden Lösungen im Bereich Mobilität und Energieeffizienz zu schaffen, sagte MWSP-Geschäftsführer Achim Judt. Im Quartier gelte Tempo 20 und die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer. „Wir wollen es ermöglichen, auf das Auto zu verzichten“, sagte Judt.

Im Endausbau bis etwa 2027 sollen in dem neuen Quartier rund 10.000 Menschen wohnen.

Schon jetzt übernehme das emissionsfreie Angebot der Buslinie 67, die ausschließlich elektrisch betrieben wird, bis zur Inbetriebnahme der Stadtbahn die Grundversorgung des ÖPNV. „Dazu wollen wir Ende dieses Jahres im Zuge des Projekts RABus mit dem Test autonom fahrender Busse im Stadtteil beginnen. Denn entscheidend für die Attraktivität des ÖPNV ist immer auch die Frage, wie wir die sogenannte ,letzte Meile’ zwischen Haustür und Stadtbahnhaltestelle schließen“, verweist Martin in der Beek, Technischer Geschäftsführer der RNV auf ein anderes innovatives Modellprojekt.

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