Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Museum in einer Minute: Max Beckmann in der Kunsthalle

Max Beckmanns „Große liegende Frau mit Papagei“ aus dem Jahr 1940.
Max Beckmanns »Große liegende Frau mit Papagei« aus dem Jahr 1940.

Seit der Schließung infolge der Corona-Epidemie stellen Mitarbeiter der Mannheimer Kunsthalle in Videos auf Social Media-Kanälen Werke aus der Sammlung des Museums vor. Dorothee Höfert, Leiterin der Kunstvermittlung des Museums, hat sich für ihre Präsentation auf Facebook für Max Beckmanns Gemälde „Große liegende Frau mit Papagei“ entschieden.

Einen Tag nach Hitlers Rede zur Eröffnung der ersten „Großen Deutschen Kunstausstellung“ verließ Max Beckmann am 19. Juli 1937 Deutschland. An diesem Tag wurde kontrastierend die Propagandaausstellung „Entartete Kunst“ in München eröffnet, auf der auch Beckmanns „Selbstbildnis im Smoking“ aus dem Jahr 1927 an den Pranger gestellt wurde. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 hatte der expressionistische Maler schon seinen Lehrauftrag an der Städelschule in Frankfurt verloren und war nach Berlin gezogen. Nun blies der Führer zu einem „unerbittlichen Säuberungskrieg gegen die letzten Elemente unserer Kulturzersetzung“. Bilder und Hausrat wurden dem Maler ins Exil nach Amsterdam nachgeschickt. Der Papagei aber, den er mit seiner Frau Mathilde von Kaulbach, Quappi genannt, schon 1936 auf dem Gemälde „Quappi mit Papagei“ verewigt hatte, blieb in Deutschland zurück.

Vielleicht war es eine schmerzliche Erinnerung an das zurückgelassene Tier, die ihn dazu brachte, es erneut in einem Bild, das ein Frauenporträt zeigt, aufzunehmen. „Quappi mit Papagei“ war ein hochformatiges, 110,5x65 Zentimeter messendes Ölgemälde, auf dem seine Frau den auf ihrem rechten Arm sitzenden Vogel füttert. Das in Amsterdam bald nach der Ausreise entstandene „Große liegende Frau mit Papagei“ ist ein Querformat, 82,5 x 160,5 Zentimeter groß, und es stellt wohl eine käufliche Dame der Halbwelt dar.

Überall Erotik

Das Bild ist erotisch aufgeladen und lässt der Dirne ihre Würde. Halbnackt, mit blankem Busen und kurzem Kleid, das kaum die Oberschenkel bedeckt, wird die offenbar erschöpfte oder gar schlafende Frau dem Blick des Betrachters ausgesetzt. Auch der grüne Papagei am linken Bildrand, meint Dorothee Höfert, ließe sich als sinnliches Symbol interpretieren. Und selbst das eher unscheinbare Buch neben einer Obstschale, einer Blumenvase und einer Weinflasche auf dem Tisch vor der Halbweltdame wird zu einem weiteren erotischen Hinweis. Beckmann legt hier vor die Schöne Stendhals Buch „Über die Liebe“, in dem der französische Schriftsteller sich über die Anziehung der Geschlechter auslässt.

Wie Dorothee Höfert ausführt, zeigt das Ölbild die typische Handschrift des Malers Max Beckmann. Der ausgestreckte Frauenkörper ist von kräftigen schwarzen Konturen umgeben, die Szene selbst von einer intensiven Farbigkeit. Die räumliche Situation und die Perspektive scheinen aufgelöst und nur schwer bestimmbar.

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Die Serie

Egal, ob „Mona Lisa“ von Leonardo da Vinci oder der konservierte Tigerhai von Damien Hirst: Museumsbesucher bleiben im Schnitt 11 Sekunden vor einem Kunstwerk stehen, um es zu betrachten, aber bis zu 30 Sekunden, falls sie ergriffen sind. Wenn sich unsere Leser eine Minute Zeit nehmen, lernen sie in unserer Serie einzelne Werke genauer kennen, die von den Museen der Rhein-Neckar-Region jetzt online in Videos präsentiert werden.

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