Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Mannheim: Unverpackt-Wagen macht samstags auf dem Hauptmarkt Station

Marktfrau aus Leidenschaft: Andrea Ilchmann betreibt den zweiten mobilen Unverpackt-Laden in ganz Deutschland.
Marktfrau aus Leidenschaft: Andrea Ilchmann betreibt den zweiten mobilen Unverpackt-Laden in ganz Deutschland.

Ein paar wenige Lorbeerblätter, 130 Gramm rote Linsen, 150 Milliliter Balsamico und spontan noch ein kleines Glas vom aktuellen Tagesangebot „Kokos-Chips naggisch“ – will heißen lose und unverpackt, wie alles, das Andrea Ilchmann an ihrem Verkaufswagen „sell & ebbes“ samstags auf dem Mannheimer Wochenmarkt anbietet.

Die schützende Hülle bringen die Kunden in Form von Stoff- und Papiertüten, Glasdosen und -flaschen oder Mehrwegbechern mit. Wer den Wagen zufällig entdeckt und sich von der Idee und der Auswahl direkt angesprochen fühlt, aber keinen Behälter dabei hat, für den bietet Ilchmann Vorratsbeutel oder Gläser zum Verkauf an.

Seit 12. Dezember 2019 ist die Mutter dreier Söhne Marktfrau aus Leidenschaft. Eine Verfechterin des Unverpackt-Einkaufens ist sie schon länger. Wenn gerade mal kein Kunde da ist, findet man sie daher auch vor dem Wagen, um mit denjenigen ins Gespräch zu kommen, die mit dem „Naggisch-Einkaufen“ noch nicht so vertraut sind. „Die Leute sind sehr aufgeschlossen“, sagt sie und hat festgestellt, dass sich alle Generationen angesprochen fühlen: die jüngere Generation, weil sie das entsprechende Bewusstsein von zuhause aus mitbringt, ältere Menschen, die erfreut feststellen, dass man hier Mehl und Zucker „wie früher im Tante-Emma-Laden“ einkaufen und zugleich Verpackungsmüll vermeiden kann.

Alles aus kontrolliert biologischem Anbau

Und im Gespräch mit der Kundschaft werden schnell weitere Pluspunkte kundgetan: „Ich kann genau die Menge abwiegen lassen, die ich brauche“, sagt eine junge Frau aus der Neckarstadt. Sie ist zum vierten Mal zum Einkaufen hier. „Und damit eine meiner Stammkundinnen“, sagt Ilchmann und lacht. Die Stammkundin betont, dass sie grundsätzlich Wert auf „bio“ lege. „Unverpackt ohne bio passt für mich nicht zusammen“, sagt sie – und ist auch unter diesem Aspekt bei Ilchmann an der richtigen Adresse. Denn Mehl, Getreide, Samen und Saaten, Gries, Müsli, Flocken, Nüsse, Kerne, Trockenfrüchte, Nudeln, Reis und Hülsenfrüchte sowie Tee und Gewürze stammen allesamt aus kontrolliert biologischem Anbau.

Auch Ilchmanns eigene Einkaufsliste wächst. Grünkern, Rübenzucker, ganze Pfefferkörner hat sie sich als Kundenwünsche notiert. Erfüllt werden sie jedoch erst, wenn sie den passenden Lieferanten gefunden hat. Doch auch so ist die Auswahl am fahrbaren Marktwagen beachtlich. Und das Auge „kauft mit“. Der umgebaute ehemalige Bäckerwagen wurde von Ilchmann sehr appetitanregend hergerichtet. Es handelt sich dabei um den zweiten mobilen Unverpackt-Laden in ganz Deutschland überhaupt. „Ursprünglich hatte ich ein stationäres Geschäft bei mir in Waghäusel/Wiesental geplant, mir dann aber überlegt, dass die Kunden nicht alle zu mir fahren müssen, sondern es besser ist, wenn ich zu ihnen komme“, sagt sie. Im Internet stieß ihr Mann zufällig auf einen Unverpackt-Marktwagen in der Eifel, und das Ehepaar setzte sich mit der Betreiberin in Verbindung.

Sauberkeit und Hygiene an erster Stelle

„Wir haben uns eingehend informiert, gerade auch im Hinblick auf die Anforderungen durch die Lebensmittelüberwachung“, erzählt sie. „Sauberkeit und Hygiene stehen auf dem Wochenmarkt an erster Stelle“, betont auch Christine Igel, Geschäftsführerin von Event & Promotion als Veranstalter sämtlicher Mannheimer Wochenmärkte. Zugleich seien die Themen Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit bei den Markthändlern längst angekommen. „Vieles gibt es ja bereits unverpackt. Auch die Metzger würden gerne, aber die Vorgaben sind hoch“, sagt Igel. Über die Bewerbung von Ilchmann habe man nicht lange nachdenken müssen. „Wir freuen uns, dass der zweite Unverpackt-Wagen Deutschlands und der einzige in der Metropolregion samstags auch bei uns auf dem Mannheimer Hauptmarkt Station macht“, so Igel.

Die Neu-Markthändlerin ist mittlerweile wieder hinter der Theke ihres Wagens verschwunden, um aus einem der Zapfbehälter Jasminreis abzufüllen. „So ist’s gut“, sagt der Kunde. Nach Abzug des Eigengewichtes sind 354 Gramm im Glas. „So ist das bei mir. Ich verkaufe alle möglichen Mengen und Portionen. Nur 100 Gramm – die gibt es bei mir so gut wie nicht“, sagt Ilchmann fröhlich.

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