Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Mannheim: Klärwerk filtert Mikroplastik aus Abwasser

Das Mannheimer Klärwerk war das erste In Deutschland mit einer Pulveraktivkohleanlage. Diese Anlage leistet einen wesentlichen B
Das Mannheimer Klärwerk war das erste In Deutschland mit einer Pulveraktivkohleanlage. Diese Anlage leistet einen wesentlichen Beitrag zur Sauberkeit des Wassers.

Städte und Gemeinden stromabwärts von Mannheim profitieren von neuer Technik im Klärwerk Mannheim. Seit 2016 arbeitet dort nördlich von Sandhofen eine Reinigungsanlage mit dem Einsatz von Pulveraktivkohle. Ziel ist es, Spuren von Arzneimitteln und chemischen Stoffen aus dem Abwasser zu entfernen.

Seit die Diskussion über Mikroplastik im Wasser aufgekommen ist, widmet sich auch das Mannheimer Klärwerk dieser neuen Thematik. Dort sorgen bereits vorhandene Filteranlagen für Verbesserung. Im Jahr 2010 wurde im Mannheimer Klärwerk die bundesweit erste Pulveraktivkohleanlage (PAK) als Pilotversuch mit wissenschaftlicher Begleitung der Hochschule Biberach gestartet. Zugrunde lag die Erkenntnis, dass trotz Verbesserungen der Wasserqualität in den Abwässern noch immer bedeutende Mengen von Arzneimittelrückständen, darunter Schmerzmittel, Antibiotika, Hormone oder chemische Stoffe wie Korrosionsschutzmittel in die Flüsse und bis ins Meer gelangten. „Nach dem Vollausbau der PAK-Anlage können wir seit 2016 rund 90 Prozent des Mannheimer Abwassers behandeln und dabei 80 Prozent dieser Rückstände entfernen“, berichtet Jürgen Schönung, der zuständige Fachmann für Abwasserchemie im Mannheimer Klärwerk über die Fortschritte. Nur wenige Klärwerke verfügen bisher über diese Technik.

Die fehlenden zehn Prozent des Abwassers fallen bei starkem Regen an und übersteigen die Kapazitäten. Diese sollen künftig mit zusätzlicher granulierter Aktivkohle gereinigt werden, kündigt er an. Ein weiteres Thema ist jüngst in den Fokus geraten: das sogenannte Mikroplastik. Es beginnt laut Definition bereits ab fünf Millimetern Größe. Bei einer ersten Messung des gereinigten Mannheimer Abwassers seien 35 Mikrogramm (millionstel Gramm) pro Liter ermittelt worden, sagt Schönung. Darunter befinden sich auch kleinste Kunststoffteilchen von wenigen Mikrometern Größe, die mit bloßem Auge nicht mehr erkennbar sind.

Im Alltag sind solche Mikroplastikpartikel zum Beispiel in Zahnpasta und verschiedenen Kosmetikprodukten wie Hautcremes, Peelings, Duschgels und Shampoos enthalten. Außerdem können sie beim Waschen synthetischer Textilien entstehen. Größere Mengen gelangen durch den Abrieb von Autoreifen auf den Straßen mit dem Regen ins Abwasser.

Mannheim mit positivem Wert

Der Gehalt von Mikroplastik im Wasser sei nicht einfach zu bestimmen, entsprechende Messverfahren müssten noch entwickelt werden. Ebenso noch am Anfang sei die Forschung bei den Auswirkungen von Mikroplastik auf den Menschen, sagt Schönung. Es gebe noch keine Grenzwerte. Doch schon heute wird im Mannheimer Klärwerk einiges an Mikroplastik aus dem Abwasser gefiltert. Im Unterschied zu anderen Kläranlagen im Land gibt es hier zur notwendigen Filterung der verbrauchten Pulveraktivkohle bereits eine umfangreiche Filteranlage, wie Stefan Minich, Leiter für Verfahrenstechnik im Klärwerk deutlich macht. Dazu stehen 32 Filterbecken mit 2800 Quadratmetern Fläche zur Verfügung.

„16 Filterbecken mit Schichten von Anthrazit-Steinkohle und Quarzsand reichen zur Filterung unserer gesamten Abwassermenge“, erläutert Minich. Die restlichen Becken würden derzeit für weitere Filterversuche genutzt. Die Filterschichten halten neben der Aktivkohle auch das vorhandene Mikroplastik weitgehend zurück. „Mannheim ist hier weit vorne“, stellt Minich fest.

So betrachtet sind die gemessenen 35 Mikrogramm Mikroplastik pro Liter Abwasser ein sehr guter Wert. Wirklich einordnen lässt sich diese erste Zahl aber auch von Fachleuten noch nicht. Die Forschung steht noch am Anfang.

Zur Sache: BASF reinigt nicht nur eigene Abwässer

In Ludwigshafen werden die Abwässer, die in der Stadt anfallen, von der Kläranlage der BASF SE mitgereinigt. Die BASF verfügt über eine der größten Kläranlagen in Europa. Außerdem ist die Anlage die größte am Rhein. Sie reinigt jährlich nahezu 100 Millionen Kubikmeter Produktionsabwässer der BASF, zudem übernimmt die Anlage die Reinigung von 20 Millionen Kubikmeter Abwässer, die aus Ludwigshafen, Frankenthal und kleineren Gemeinden kommen.

Die Abwässer passieren dabei eine mechanische und eine biologische Reinigungsstufe. Die Anlage ist außerdem besonders für den Abbau von Nitrat ausgelegt. Der am Ende verbleibende Klärschlamm wird verbrannt. Dabei entsteht Dampf, der wiederum zur Erzeugung von Strom und Fernwärme genutzt wird. Nach jüngsten Erkenntnissen von Schweizer Forschern in Laborversuchen setzen sich 98 Prozent des Mikroplastiks im Klärschlamm ab und können damit verbrannt werden.

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