Mannheim
Kultkneipe im Überlebenskampf
Die Pandemie hat der Gastronomie großen Schaden zugefügt. Auch das „Vienna“ ringt um seine Existenz und hat vor diesem Hintergrund nun schon zum zweiten Mal eine Spendenkampagne gestartet, um diese Zeit zu überstehen.
Die Kneipe wurde 2006 im S-Quadrat eröffnet, nachdem es – damals noch unter dem Namen „Old Vienna“ – ein Vierteljahrhundert lang am heutigen Standort der Abendakademie in U1 zu finden war. Sein Inhaber Hans Peter Christoph Adomeit übernahm es 1984 mit zwei Kompagnons. Seit zehn Jahren führt er das gute alte „Vienna“ nunmehr alleine. In dem Café haben Generationen von Nachtschwärmern, Studenten und Reisende aus aller Herren Länder eine gute Zeit verbracht.
„Als im letzten Frühjahr die erste Schließung kam, haben wir relativ schnell einen Lieferservice auf die Beine gestellt“, erzählt Madlen Steger (24), die im „Café Vienna“ die Chefin an der Bar ist. Davor seien Bestellungen von zu Hause aus eher selten der Fall gewesen. Mit dem ersten Lockdown und dessen Folgen für die Gastronomie habe man sich aber umstellen müssen, um zu überleben. Das habe dann „schon ein wenig gedauert“, weil man bis dato noch keine echte Erfahrung mit einem Lieferservice hatte.
Eine erste Spendenkampagne
Darüber hinaus wurde damals eine erste Spendenkampagne für den Erhalt des „Café Vienna“ auf der populären Internetplattform „GoFundMe“ ins Leben gerufen, deren Erfolg dazu beigetragen hat, die Finanzen der beliebten Studentenkneipe wieder ins Lot zu bringen. Im Oktober hatte sich – nicht zuletzt im Zuge einer zwischenzeitlichen Öffnung der Gastronomie – die Lage sogar so weit entschärft, dass man den Lieferservice einstellen konnte.
„Der Laden war richtig gut besucht, und trotz der geregelten Beschränkung auf die Hälfte der möglichen Sitzplätze, fühlte sich das Ambiente wieder mehr wie vor der Pandemie an“, bemerkt Steger dazu. Die Freude hielt jedoch nicht lange an. Mit dem erneuten Anstieg der Infektionszahlen im Winter musste die Gastronomie ihre Türen wieder schließen, was auch die überlebenswichtigen Umsätze nach unten drückte. Einmal mehr stand „Vienna“-Betreiber Hans Peter Christoph Adomeit, den die treue Stammkundschaft unter seinem Spitznamen „Ado“ kennt, vor der Frage, wie man das angeschlagene Kneipenschiff durch die zweite Welle der Pandemie steuern könnte.
Auf die Gäste ist Verlass
Zum Glück war auf die große Solidarität im Umfeld Verlass. Viele, die einen Beitrag zum Erhalt ihrer Lieblingskneipe leisten wollten, hatten auch schon im ersten Lockdown den einen oder anderen Euro mehr springen lassen. Entweder holten sie ihre Speisen und Getränke vor einem der Fenster am geschlossenen „Vienna“ ab, oder sie bemühten den Lieferservice, der die Bestellungen auf dem Drahtesel überbringt. Doch das reichte nicht aus, wie unsere Gesprächspartnerin zu bedenken gibt: „Unsere Einnahmen sind trotz allem weiterhin gesunken.“
Wenige Monate später stand das „Vienna“ einmal mehr mit dem Rücken zur Wand, wie es in einer Verlautbarung von Hans Peter Christoph Adomeit dazu heißt. „Es sieht nicht gut aus“, stellte er bei einem Treffen mit seinen jungen Mitarbeitern nüchtern fest. Daraufhin organisierte Madlen Steger mit ihrem Teamkollegen Cornelius Bonfert eine Neuauflage der Aktion bei „GoFundMe“. Am 16. April wurde der Aufruf gestartet, der von einem Video auf der offiziellen Facebook-Seite der Kneipe begleitet wurde. Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.
Grüße aus Kanada
Mit dem Video auf dem sozialen Netzwerk wurden bis dato mehr als 13.000 Nutzer erreicht. Das angestrebte Spendenziel in Höhe von 10.000 Euro war nach nicht einmal einer Woche geschafft. Sogar aus Kanada ging eine Spende von einem Absolventen der Mannheimer Universität ein, der sich an so manch stimmungsvolle Nacht mit Freunden im S-Quadrat erinnern konnte. „Ein anderer Spender hat 325 Euro überwiesen, weil er dadurch auch einem beliebten Mitarbeiter des Vienna gedenken möchte, der 2019 leider verstorben ist“, greift Steger ein besonders rührendes Beispiel auf.
Die Welle der Hilfsbereitschaft ist überwältigend und hat die zweite Spendenkampagne schon jetzt zu einem Erfolg gemacht. Der Stand lag zuletzt bei mehr als 12.700 Euro, so dass die Hoffnung wieder Nahrung bekommen hat, dass das „Café Vienna“ weitermachen kann, sobald die Inzidenzen das wieder zulassen sollten. Ein Wunsch, der sich auch in den vielen Kommentaren auf der Seite des Spendenportals widerspiegelt.