Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Händler-Frust auf den Weihnachtsmärkten: „Es ist zum Heulen“

Festliche Stimmung kommt auf dem Weihnachtsmarkt am Wasserturm kaum noch auf.
Festliche Stimmung kommt auf dem Weihnachtsmarkt am Wasserturm kaum noch auf.

Die Nachricht von Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann, die Weihnachtsmärkte zu beenden, hat viele Aussteller in Mannheim in einen Schockzustand versetzt. Einige lassen ihrer Enttäuschung freien Lauf.

Fröhlich dröhnen die Weihnachtslieder des historischen Karussells über den Weihnachtsmarkt am Wasserturm. Sie passen gar nicht zu den Mienen der Aussteller. Die orientieren sich am voraussichtlich vorletzten Veranstaltungstag eher am trüben Wetter. Auf den Kapuzinerplanken und im Mannheimer Märchenwald auf dem Paradeplatz sieht es da kaum besser aus.

Aus Sicht von Markus Rick ist das letzte Wort zur Schließung der Weihnachtsmärkte noch nicht gesprochen: „Wir haben bis jetzt noch immer nichts Offizielles in der Hand“, sagt er am Mittwochnachmittag. Wie alle anderen habe auch er lediglich die Absichtserklärung des Ministerpräsidenten vernommen, Weihnachtsmärkte zu schließen, Fußball und Kulturveranstaltungen rigoros einzuschränken. „Aber die Erfahrung der letzten Monate hat gezeigt, dass Ankündigungen das eine sind, aber in den beschlossenen Verordnungen dann etwas ganz anderes steht“, so der Veranstalter des Märchenwaldes. So sieht das auch Christine Igel, Veranstalterin des Marktes auf den Kapuzinerplanken: „Wir brauchen die Verordnung schriftlich. Gerade habe ich gehört, dass jetzt Samstag der letzte Tag sein soll.“ Für viele Standbetreiber ist diese Situation eine unerträgliche Hängepartie.

Ein erster Nackenschlag

Der Märchenwald ist wieder mit sehr viel Liebe zum Detail aufgebaut. „Wir sind davon ausgegangen, dass wir hier die volle Zeit bis zum 28. Dezember geöffnet haben. Mit Beschränkungen hatten wir natürlich gerechnet“, sagt Rick. Die größte sei dabei der erste Nackenschlag gewesen, denn nur an den beiden ersten Tagen galt auf dem Platz die „2G“-Regelung, also ein Zugang für Geimpfte und Genesene. „Da war der Platz noch gut besucht. Wir lagen im Schnitt etwa acht bis zehn Prozent unter den Umsätzen von 2019.“ Aber schon die Begrenzung auf 2GPlus, also einem zusätzlichen negativen Schnelltest, sei ein Todesstoß gewesen. „Damit konnte man nicht mehr wirtschaftlich arbeiten.“

Eine Klage, die sowohl am Wasserturm als auch von den Beschickern auf den Kapuzinerplanken zu hören ist. Wolfgang Gerst zeigt zum Beweis Fotos, die er an den unterschiedlichen Tagen von seinem Stand aus aufgenommen hat: „Das hier war am Sonntag. Da hat es zwar geregnet, aber da war auch kein Mensch hier.“ Der zusätzliche Test habe die Leute abgeschreckt, zumal die dafür nötige Infrastruktur in ganz Mannheim nicht aufgebaut gewesen sei. „Die Leute, die sich eine Stunde für einen Test anstellen, kommen dann nicht rüber, um einen Glühwein zu trinken.“

Vollbremsung das Schlimmste

Dabei habe er es mit seinen Metallskulpturen noch einigermaßen gut, meint der Schausteller aus dem Schwarzwald. „Andere haben für die Märkte verderbliche Waren eingekauft und sitzen jetzt darauf.“ Zudem sitzen auswärtige Händler noch auf ganz anderen Kosten. „Ich selbst habe mir für die komplette Weihnachtsmarktzeit eine Unterkunft gemietet. Mal sehen, wie mein Vermieter reagiert, wenn ich ihm sage, dass ich schon nach anderthalb Wochen wieder abreise.“

Verständnis für den Schritt der Landesregierung bringen die Schausteller nicht auf. „Ich habe noch den Bundesgesundheitsminister im Ohr, der vor ein paar Wochen das Ende der Pandemie verkündet hat“, sagt Thomas Schmidt. Die plötzliche Absage sei ein Spiel mit Existenzen: „Da war sogar 2020 noch ein besseres Jahr, weil die Weihnachtsmärkte da gar nicht erst stattgefunden hatten.“ Eine Vollbremsung nach dem Erwerb der Ware, der Anwerbung von Personal und der Anmietung von Unterkünften für die Leute sei da weitaus schlimmer. Und der Blick über den Rhein sei noch bitterer: „In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen finden die Märkte weiter unter 2G-Bedingungen statt.“ Damit verursache man einen „Vor-Weihnachtstourismus“, den man doch angeblich gerade verhindern wolle.

Andreas und Christiane Kübler wollen sich die Stimmung davon nicht vermiesen lassen. „Wir wollten heute noch einmal einen Glühwein trinken“, sagen die beiden Mannheimer in ihrer Mittagspause. Sie haben Verständnis für den Ärger der Schausteller. „Man nimmt den Menschen die Existenzgrundlage.“ Wirkliche Weihnachtsstimmung komme dabei nicht auf. Einer der Händler sagt, dass wieder ein paar mehr Besucher kommen würden, seitdem klar sei, dass die Märkte früher schließen. Die Situation fasst er dennoch in wenigen Worten zusammen: „Es ist einfach nur zum Heulen.“

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