Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Große Party in kleinen Clubs

Auf Gin spezialisiert: Blick ins „Maria“ im Jungbusch.
Auf Gin spezialisiert: Blick ins »Maria« im Jungbusch.

Auf und zu, 3G, 2G, Komplett-Lockdown: Kaum eine andere Branche erlebte während der Corona-Pandemie so ein Hin und Her wie die Club- und Barszene. Seit einem halben Jahr darf wieder ohne Einschränkungen gefeiert werden, nun erwachte am Samstag „Mannheims Lange Nacht der Clubs und Bars“ wieder zum Leben. Mit freiem Eintritt für viele Clubs und Vergünstigungen oder Freigetränken an der Theke. Doch wie hat sich die Ausgehkultur nach zwei Jahren Pandemie verwandelt? Ist alles so wie früher? Ein Rundgang durch das Mannheimer Nachtleben.

Lachen vorm Rhodos, herzliche Begrüßungen und Jubelschreie. Am Eingang zum Jungbusch sind schon um 22 Uhr viele Besucher trotz Regens und Kälte in bester Ausgehstimmung. Jedes Wochenende wird in Mannheims kultigem Hafenviertel gefeiert. Eine trendige Bar mit schickem Interieur folgt auf die nächste. Doch diesmal wird durch die Lange Nacht mit freien Shots von Ouzo bis Mexikaner die Partylaune noch etwas angekurbelt.

„Offen und vielfältig“

Auch Zoe aus Bad Dürkheim geht gerne im Jungbusch feiern. „Wir sind fast jedes Wochenende hier. Es ist cool, man trifft Leute im selben Alter, es ist offen und vielfältig“, sagt die 19-Jährige, als sie mit ihrer Clique aus dem „Maria“ kommt – einer hippen Bar, die sich auf Gin-Sorten spezialisiert hat. „Alles beim Alten, so wie früher“, schätzt Freundin Luca (ebenfalls 19) die Lage ein, obwohl sie „früher“ – also vor Corona – noch viel zu jung zum Feiern war. Den Jungbusch lernten die Mädels ausgerechnet in einer Zeit kennen, als die Bars und Clubs geschlossen waren. Im berühmten Sommer 2020, als sich gefühlt die halbe Jugend aus der Vorderpfalz am Verbindungskanal zusammenfand, um trotz Pandemie das Nachtleben zu genießen.

Rosa Bändchen am Handgelenk

„Das ist das Schöne am Ausgehen, man lernt neue Menschen kennen, hat soziale Kontakte, setzt sich irgendwo dazu und verbringt vielleicht den ganzen Abend zusammen“, erklärt Zoe, was sie in der Pandemie-Zeit vermisst hat. Schon aus finanzieller Sicht beschränken sich die „Feier“-Abende meist auf eine Bar zum Vorglühen und einen Clubbesuch. Diesmal jedoch können sie dank ihres rosa Bändchens am Handgelenk mehr herumtingeln, in anderen Locations hineinschnuppern und ein Gratis-Getränk abstauben, ehe sie zu den Clubs in den Quadraten weiterziehen.

Pandemie abgeschüttelt

Disco Zwei, One, Soho: Die Nachtschuppen haben die Pandemie inzwischen abgeschüttelt. Vom Clubsterben ist oft die Rede, die meisten aber haben überlebt, mit dem Sin-Club hinter dem Engelhorn-Sport hat im September 2021, also mitten zwischen den Lockdowns, sogar ein neuer Laden eröffnet. Die Adresse ist Nachtschwärmern bekannt, zuvor lud hier das Koi zum Feiern ein. „Wir haben alles renoviert, vor Corona sind wir nicht zurückgeschreckt“, sagt Barkeeper Lavdim. Und doch habe man seit der zweiten Wiedereröffnung im Mai eine gewisse Zurückhaltung gespürt. „Es hat etwas gedauert, bis es angelaufen ist. Amüsement kostet Geld“, weiß er, dass auch die jungen Leute sparen.

Gut gefüllt und mit Discokugel: das St. James in der Hafenstraße.
Gut gefüllt und mit Discokugel: das St. James in der Hafenstraße.

„Kleinere Clubs ziehen besser“

Auch die Ausgehkultur habe sich gewandelt. „Die Leute kommen nicht mehr so wegen der großen DJ-Namen, die kommerziellen Clubs sind längst verschwunden“, sagt er. Das kann Moritz Biedenbach, Organisator der Langen Nacht, nur bestätigen: „Der Trend geht schon lange weg von der Großraumdisco, wie ich sie noch aus meiner Jugend kannte. Kleinere Clubs ziehen besser, aber auch die Eventgastronomie wird immer beliebter.“ Aus gutem Grund hat man daher die 2017 ins Leben gerufene „Lange der Nacht der Clubs“ bei ihrem Post-Corona-Revival um die aufblühende Barszene erweitert. „Auch in Bars tritt mittlerweile ein DJ auf, gerade kleine Partys können ihren Charme haben,“ weiß er.

Ausgehkultur ist vielfältiger geworden

Insgesamt sei die Ausgehkultur in Mannheim schon vor Corona vielfältiger geworden. Dank der Langen Nacht werden die Möglichkeiten zusammengeführt, werden Clubs und Bars entdeckt, zu denen man sonst vielleicht keinen Abstecher unternommen hätte. „Es ist die Gelegenheit, gerade jungen Leuten von außerhalb die Qualitäten des Mannheimer Nachtlebens zu zeigen“, verdeutlicht Biedenbach. Insgesamt 30 Locations nehmen teil, vor allem vor dem Soho, der Filmriss-Bar oder dem Club One bilden sich schon um Mitternacht lange Warteschlangen.

„Schöne Entwicklung“

Etwas ab vom nächtlichen Party-Hopping gelegen ist das „Juicy Cube“. Eine neue Cocktail-Bar in der Neckarstadt-West, die mit Events von Live-Musik bis Stand-Up-Comedy die Zeichen der Zeit erkannt hat. Fabian Kruse, selbst aus der Neckarstadt, hat sich mit dem Lokal gemeinsam mit zwei Kindheitsfreunden einen Jugendtraum erfüllt. Jetzt haben er und sein Team auch dank einer Geburtstagsgesellschaft bis spät in die Nacht hinein alle Hände voll zu tun. Draußen sieht man junge Menschen trotz Kälte knapp über Null Grad im T-Shirt herumlaufen, doch drinnen in den Bars ist es mollig warm. „Die Stimmung macht es, die Leute, die man trifft. Im Gegensatz zu den lauten Clubs kann man sich entspannt unterhalten und einfach weiterziehen. Das ist ja keine neue Erfindung, aber ich finde diese Entwicklung hin zu kleineren Locations eigentlich ganz schön“, erklärt er.

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