Mannheim
Einkaufswelt: Große Vorfreude auf volle Stadt
„Verkaufsoffene Sonntage bringen Lebendigkeit. Und Innenstädte brauchen Lebendigkeit“, sagte Andreas Hilgenstock. Der Geschäftsführer der Engelhorn-Kaufhäuser freute sich daher, dass es in diesem Jahr wieder gelungen ist, den besonderen Einkaufstag in den Quadraten auf die Beine zu stellen. Eine Entscheidung, die erst sehr kurzfristig gefallen sei: „Die letzte Genehmigung haben wir jetzt am Freitag erhalten“, erklärte Lutz Pauels, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Mannheim-City. Bis dahin sei es ein zähes Ringen gewesen. Größter Knackpunkt dabei war der „Besondere Anlass“, den das Land Baden-Württemberg für die Sondergenehmigung zwingend vorschreibt. Und bis zuletzt stand die „Verleihung der Marktrechte“ im Jahr 1613 auf tönernen Füßen, war durch die Pandemie-Auflagen nicht sicher, ob Märkte im geforderten Ausmaß in der Innenstadt stattfinden können.
Die klassische Oktobermess als Aufhänger musste in diesem Jahr schließlich ebenfalls eine andere juristische Grundlage finden, firmiert sie doch nicht als Jahrmarkt, sondern als „mobiler Freizeitpark“, womit eigentlich die Grundlage für die Marktmeile fehlte. Trotzdem war es kurzfristig gelungen, genügend Märkte zu organisieren, die den Status als „Marktmeile Mannheim“ juristisch festigen, um einen verkaufsoffenen Sonntag zu rechtfertigen.
Französisches Flair mit Chansons und Lesung
Los geht es dabei auf dem Marktplatz, wobei der dort eigentlich gewohnte Stoffmarkt so kurzfristig nicht mehr reagieren konnte und stattdessen nun ein kleiner Ableger des Wochenmarktes stattfindet. „Wir hoffen außerdem, dass wir dort für diesen Tag auch noch einen Impfbus organisieren können“, sagte Christine Igel, Geschäftsführerin der städtischen Tochter Event&Promotion, Marktveranstalterin und damit Schlüsselfigur der gesamten Veranstaltung. Auf dem Paradeplatz sind wieder die Kunsthandwerker zu Hause und auf den Kapuzinerplanken findet der Herbstmarkt statt, auch der allerdings in abgespeckter Form, wie Organisator Jürgen Kleine-Wilde mitteilte. Zudem ist der Herbstmarkt am Sonntag zweigeteilt. „Auf der einen Seite findet der gewohnte Handel ohne Kontrollen statt, auf der anderen Seite ist das gastronomische Angebot mit den mittlerweile bekannten Zugangsbeschränkungen“, erläuterte Kleine-Wilde.
Zweigeteilt ist auch der Veranstaltungstag selbst ein wenig, denn der Sonntag beginnt zumindest auf den Kapuzinerplanken bereits einen Tag vorher. Auf der Jazz-Bühne dort verpasst das Katia Belley-Duo den Quadraten mit französischen Chansons ab 14 Uhr ebenso einen frankophilen Anstrich wie Murielle Rousseau, die im benachbarten Lokal Coq au Vin aus ihrem Buch „Die Cafés von Paris“ liest. Musik sei generell ein wichtiger Beitrag, befand Bürgermeister Michael Grötsch (CDU). „Kultur und Erlebnis machen die Lebensqualität einer Stadt aus.“ Eine Sonderveranstaltung wie der verkaufsoffene Sonntag könne diese Kombination nur unterstreichen. Er freue sich deshalb auch auf das Jazzkonzert am Sonntag, das ab 14 Uhr auf den Kapuzinerplanken stattfindet und von Thomas Siffling organisiert wurde. „Es gibt dort umgänglichen Jazz von einer herausragenden Band“, warb der Trompeter selbst. Es ist also alles für einen erlebnisreichen Sonntag in der Mannheimer Innenstadt gerichtet.
„Handel braucht diesen Tag dringend“
Darüber freute sich auch Swen Rubel, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordbaden. „Gerade der Handel kann diesen Tag ganz dringend gebrauchen.“ Immerhin sei es ein Signal, dass die Mannheimer Innenstadt nach wie vor lebendig ist. „Ja, es gibt auch hier Leerstände, aber Mannheim bleibt das Handelszentrum der Region“, unterstrich Pauels. Und gemeinsam hoffen alle Verantwortlichen für den Sonntag auf viele Besucher – selbstverständlich unter Einhaltung der aktuellen Vorgaben. Und auch die Fahrt in Richtung Mannheim wollte niemand der Organisatoren kommentieren. Immerhin: „Für Sonntag sind mit keinen weiteren Einschränkungen im Verkehr zu rechnen“, betonte Grötsch.