Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Aufregung im Sperrbezirk: Rotlicht brennt weiter

Vor allem Frauen aus Südosteuropa bieten in der Mannheimer Lupinenstraße ihre Dienste an.
Vor allem Frauen aus Südosteuropa bieten in der Mannheimer Lupinenstraße ihre Dienste an.

Die Prostituiertenmeile in der Mannheimer Neckarstadt ist der Stadt ein Dorn im Auge. Mit ihren Plänen kommt sie dort aber nicht voran.

Die Lichter in Mannheims alteingesessenem Bordellbezirk werden sobald nicht ausgehen. Die ehrgeizigen Pläne der Stadt, im sozialen Brennpunkt Neckarstadt-West die Etablissements in der Lupinenstraße als Sanierungsgebiet auszuweisen und zu verbannen, liegen wieder auf Eis, wie es aus dem Rathaus heißt. Seit 60 Jahren gilt die „Rote Meile“ in der Quadratestadt, im Volksmund „die Neunzehnte“ genannt, als Sperrgebiet für Prostitution. Sie liegt als westlichste und damit als neunzehnte und letzte Querstraße der Mittelstraße am Rande des Stadtteils.

Schon in der Zeit des Nationalsozialismus war sie eine Bordellgasse und wurde selbst während des Krieges für die Prostitution genutzt. Bei einem Bombenangriff im April 1943 wurden die Häuser schwer beschädigt. Die Zukunft der etwa 100 Frauen, die hinter den geöffneten Fenstern der Häuserzeile sitzen und auf Freier warten, bleibt weiterhin offen. Der Besitzer fast aller Häuser in dem Areal würde nur dann weichen, wenn die Stadt einen geeigneten Ausweichort für seinen Saunaclub oder ähnliches anbieten kann.

Das Rathaus steckt nun in einer Zwickmühle. Einerseits will Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) das Problemviertel aufwerten – am liebsten ohne horizontales Gewerbe. „Doch im angrenzenden Prostitutionsbezirk kommen wir nicht weiter“, sagt sein Sprecher. Das Vorkaufsrecht wolle man nicht nutzen, weil der gute Ruf einer Kommune und der Ankauf von Freudenhäusern nicht gut zusammenpassten.

Keine zweite Reeperbahn

Die Stadt engagiert sich bereits stark in der Neckarstadt-West. Wesentliches Ziel ist es, den Kiez dort kinder- und familienfreundlicher zu gestalten und Bildungschancen zu verbessern. In der Lupinenstraße Wohnraum zu schaffen, würde zu diesen Plänen passen. In erster Linie leben Migranten in dem Viertel. Konkrete Verhandlungen über Voraussetzungen für einen Umzug des horizontalen Gewerbes stehen laut Stadt aber weiterhin aus.

Eine Mannheimer Immobiliengesellschaft hatte geplant, eine Art Amüsiermeile aus der Taufe zu heben. Sie blitzte im Rathaus aber ab. Eine Mannheimer Reeperbahn sei unerwünscht, so die Stadtverwaltung. Aktuell besitzt die Interessengemeinschaft knapp 80 Prozent der Lupinenstraße. Fünf Eigentümer haben für ihre Etablissements Bestandsschutz und sind juristisch „unantastbar“.

Daraufhin präsentierte das Unternehmen ein neues, millionenschweres Konzept. Das sah vor, alle Prostituierten umzusiedeln. Zugunsten von Neubauwohnungen waren die Investoren bereit, das älteste Gewerbe der Welt auf eine Ausweichfläche jenseits des dicht bevölkerten Stadtteils zu verlagern.

Alternativstandort am Neckar?

Grundstücke und Liegenschaften in der Nähe, die auf eine Tauglichkeit als Alternativstandort zum Beispiel als Laufhaus hindeuteten, waren im Gespräch. Darunter auch eine Verlagerung um wenige 100 Meter auf ein möglicherweise passendes Areal am Neckar. „Die Prüfung ergab kein positives Ergebnis“, heißt es dazu von offizieller Seite.

Anders als die Nachbarstadt Heidelberg, der es gelungen ist, das innerstädtische Eroscenter zu schließen und aus der City zu verbannen, hat es Mannheim also noch nicht geschafft, den Prostituierten den Weg für eine alternative Arbeitsstätte zu ebnen.

x