Rheinpfalz Problemviertel soll attraktiver werden

„Extreme Mischung der Kulturen“: Blick in die Mittelstraße in der Neckarstadt-West.
»Extreme Mischung der Kulturen«: Blick in die Mittelstraße in der Neckarstadt-West.

«Mannheim.» Die Mannheimer Neckarstadt-West ist kein einfaches Pflaster. Zumindest, wenn es darum geht, die ein oder anderen Problemzonen, die es im Stadtteil gibt, zu beheben. Unter anderem sind Themen wie Sicherheit, Sauberkeit, Bildungsinfrastruktur oder die städtebauliche Weiterentwicklung immer wieder im Gespräch und beschäftigen nicht nur die Stadtverwaltung. Die Neckarstadt-West ist vielfältig, und sie soll attraktiver werden. Es klingt nach viel Arbeit.

„Die Neckarstadt wird nicht als Problem gesehen, sondern als Herausforderung“, formuliert es Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD). Es sei ein Stadtteil, in den es zu investieren gelte. Unlängst hat sich dazu eine Steuerungsgruppe „Neckarstadt-West“ gebildet, die sich den unterschiedlichen Themen annehmen will. Darunter fallen etwa auch die sogenannten Problemimmobilien, in denen vielfach Migranten aus Südosteuropa zu Wucherpreise und unter schäbigen Bedingungen wohnen. Auch das Neckarvorland – in jüngerer Zeit wegen verstärkter Dealeraktivitäten im Fokus – rühmt sich derzeit nicht mit dem Prädikat eines angenehmen Aufenthaltsorts. Und blickt man ins Herz der Neckarstadt-West – auf den Neumarkt – fällt auf, dass der große Platz nicht wirklich ein Ort der Begegnung ist wie eigentlich angedacht. Es hat bereits eine Vielzahl an Netzwerktreffen stattgefunden, und Initiativen haben sich gegründet, um den rund 22.000 Einwohner starken Stadtteil aufzupeppen. Und genau das hat sich auch die Steuerungsgruppe unter der Leitung der Entwicklungsgesellschaft MWSP seit März zur Aufgabe gemacht. Vor allem sei im Fall Neckarstadt-West eines wichtig, so Kurz: „Ideen müssen schnell umgesetzt werden.“ Einige Konzepte stehen laut MWSP-Geschäftsführer Achim Judt bereits. So plane die Stadt etwa, Problemimmobilien aufzukaufen. Eine Aufwertung solle zudem dadurch erzielt werden, dass die Verwaltung steuere, welche Geschäfte und Einrichtungen sich im Stadtteil ansiedeln. Das Neckarvorland erhält laut Judt eine bessere Beleuchtung und soll umgestaltet werden, um die Drogenszene zu verdrängen und gleichzeitig neue Naherholungsflächen zu schaffen. Auch dem aktuell ziemlich zerklüfteten Neumarkt werde Beachtung geschenkt. Er solle unter anderem familienfreundlicher werden. Die Bevölkerung der Neckarstadt wachse stärker als die Bevölkerung in der Gesamtstadt, so Konrad Hummel, einst Konversionsbeauftragter der Stadt Mannheim, nun externer Berater der Steuerungsgruppe. „Darum müssen wir bei den Planungen darauf achten, mit welchen Menschen wir es zu tun haben.“ Genau hinschauen, auch mit all denjenigen sprechen, die bereits Aktionen im Stadtteil gestartet haben, das sei notwendig und sinnvoll, so Hummel weiter. Schließlich habe man es in der Neckarstadt-West mit einer extremen Mischung der Kulturen zu tun. Vier, die Neckarstadt prägende Kulturgruppen seien dabei die Südosteuropäer, die Erstzuwanderergeneration, die alteingesessenen Neckarstädter und diejenigen, die etwa von den Jugendstilhäusern angelockt in die Neckarstadt ziehen. Was dem Stadtteil daher nicht helfe, sei ein Einheitsprogramm. Ein Weg sei, öffentliche Einrichtungen wie etwa die Bücherei zu stärken. Ein eklatanter Mangel ist laut Hummel hingegen, dass die Neckarstadt keinen echten Sportverein für Jugendliche hat. Man müsse daher an den Strukturen in der Jugendarbeit arbeiten, so der Berater beispielhaft. Auch Kurz ist davon überzeugt, dass es keinen Masterplan für die Neckarstadt-West gebe. „Es geht uns vielmehr um eine Rahmenstrategie.“ Es ist also ein Flickenteppich aus Maßnahmen, die nun angegangen werden und zu einem großen Ganzen zusammenwachsen sollen. Um besser handeln zu können, erklärt die Verwaltung laut Judt den Stadtteil Ende 2018 zum Sanierungsgebiet. Damit hätte die Stadt dann etwa ein Vorkaufsrecht bei Immobilienverkäufen. Eines ist sicher: Den „Sanierern“ steht ohne Zweifel ein langer Prozess bevor, dessen Ausgang offen ist. Bei allen Problemen ist aber auch klar, dass die Neckarstadt-West Potenzial hat.

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