Mannheim
Am Paradeplatz tut sich was
Lange tat sich nichts an der westlichen Flanke des Paradeplatzes. Eisdiele und Dönerbude waren verschwunden, und die Durchgangspassage zwischen Planken und Stadthaus wirkte im vergangenen Sommer ziemlich sich selbst überlassen. Jetzt ist der Bereich eingezäunt, stehen Bauschutt-Container bereit, wuseln Bauarbeiter hin und her und wirbeln Staub auf. Das alte Postgebäude wird gerade von innen entkernt. Nach dem Umbau soll dort unter anderem ein Motel One mit über 300 Zimmern einziehen.
Auf dem Dach des 1957 errichteten Gebäudes thront noch das Telekom-Logo. Es wird mit dem Umbau verschwinden, die granitgraue Fassade mit den blauen Mosaikfliesen und grünen Stahlfenstern sowie der Blattgold-Post-Adler werden aber auch nach der Sanierung erhalten bleiben. „Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, werden optisch kaum Veränderungen vorgenommen“, erklärt der beauftragte Projektsteuerer und Bauherren-Vertreter Walter Wiese auf Nachfrage.
Gastronomie im Gespräch
Verschwunden ist bereits der Glasvorbau am Paradeplatz. Im Gespräch ist, dass anstelle des in den 1990er-Jahren errichteten Glasbaus mit Eisdiele und Dönerbude ein neues gastronomisches Angebot in den Komplex einziehen wird. Die ursprüngliche Fassade werde nach denkmalpflegerischen Auflagen „weitestgehend wiederhergestellt“, teilt der Aachener Unternehmer mit. Auf einem Bauschild ist bereits zu erkennen, wie das „Hotel mit Einzelhandelsnutzung“ einmal aussehen soll.
Die aktuellen Bestandsmieter an den Planken – wie Bäckerei, Tabakladen und Confiserie – bleiben von dem Projekt weitgehend unberührt. „Es wird nur geringfügige Änderungen ihrer Fläche geben“, betont Wiese. So blieben die Wendeltreppe im Inneren des Süßwaren-Fachgeschäfts „Hussel“ oder die alte Postschalter-Halle baulich unangetastet. „Die Verkaufsfläche wird nicht verändert. Und es gibt neue Mieter, die bereits vertraglich gebunden sind“, erklärt der Projektleiter.
Aus Büroflächen werden Hotels
Das Motel One wird zum Großteil die schon lange leerstehenden, ehemaligen Büroflächen des Gebäudes beziehen und in Hotelzimmer umwandeln. Deutschlandweit betreibt die Münchner Hotelmarke knapp 75 Gästehäuser. Bereits vor drei Jahren wurde ein Vertrag für das Gebäude im Quadrat O 2 unterzeichnet. Doch das Verfahren zog sich in die Länge, erst im Spätsommer 2020 wurde eine Baugenehmigung erteilt. 2018 zogen mit der Landesbausparkasse die letzten Büromieter aus dem Gebäude. Wie eine Sprecherin mitteilt, liegt der angestrebte Fertigstellungstermin im April 2022.
Auch für die Post gibt es Veränderungen. „Post und Postbank verbleiben bis Frühjahr 2022 auf der jetzigen Fläche und erhalten zusätzlich eine Interimsfläche“, verrät Architekt Wiese. Die Container stehen bereits und dienen während der Bauphase der Postfachanlage. Nach dem Umbau werde ein neuer Haupteingang auf der Kunststraße erfolgen. Die anschließende neue Post-Fläche sei größer als die aktuelle und werde den gesamten ehemaligen Innenhof einnehmen.
Die Geschichte des Postamts
Seit 1837 hat das Postamt seinen Sitz an den Planken. Zunächst in einem Eckhaus in den O2-Quadraten. In den 1880er-Jahren wurde dieses durch ein neues, größeres Gebäude ersetzt. Nach schwerer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde im Jahre 1949 der heutige Bau geplant, aber erst 1957 fertiggestellt. Optisch orientierte sich dieser am gegenüberliegenden C&A-Gebäude auf der anderen Seite des Paradeplatzes. Nun rechnet das Architekturbüro bis Mitte oder Ende 2022 mit dem Abschluss des großen Umbauprojekts. Wenig später wird sich der Paradeplatz aufs Neue zur Baustelle verwandeln. Das erst 1991 eröffnete Stadthaus im N1-Quadrat soll abgerissen werden und vermutlich nach der Bundesgartenschau 2023 einem Neubau mit Wohnungen, Gewerbe und Büros Platz machen.