Mannheim
15 Jahre Kinderhospizdienst: Hilfe bei der Trauer
Die beiden Hauptamtlichen, aber auch die aktuell 15 Ehrenamtlichen, zu denen Wiltrud Arnold gehört, leisten einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft. „Die Schicksale sind unfassbar. Es ist wichtig, dass es Menschen gibt, die sich in dieser Form um andere kümmern“, sagt Jürgen Wassow. Er hat den Blick von außen. Seine Mannheimer Motorradfahrer-Vereinigung ist einer von drei dauerhaften Unterstützern des Hospizdienstes und kann sich an den Anfang der Zusammenarbeit erinnern.
„Wir haben zusammen den Film „Ungeküsst zurück“ angeschaut und da sind bei uns Rockern nur noch die Tränen geflossen.“ Im Auftrag des Caritasverbandes hat der Mannheimer Regisseur Stefan Hillebrand einen Dokumentarfilm gedreht, in dem sich Schülerinnen und Schüler zwischen zehn und 18 Jahren mit dem Themenfeld Sterben, Tod und Trauer auseinandersetzten – es ist das Arbeitsfeld der Ehrenamtlichen von Clara.
So viel zu Hause wie möglich
„Wir haben uns damals bewusst für einen ambulanten Hospizdienst entschieden“, erklärt Kirsten de Vos, Pressesprecherin des Caritasverbandes, in Erinnerung an die Anfänge vor 15 Jahren. Credo sei: „So viel Krankenhaus wie nötig, so viel zu Hause wie möglich.“ Das galt damals, das gelte auch noch heute, bekräftigt Margret Stein-Geib, zuständige Abteilungsleiterin im Diakonischen Werk. Denn nach der umfassenden Ausbildung sind die Ehrenamtlichen vor allem in den Familien tätig, begleiten Kinder, die Elternteile verloren haben in der Trauer, sind Ansprechpartner für Geschwisterkinder, die in der Pflege eines erkrankten Kindes in der Aufmerksamkeit häufiger zu kurz kommen, oder sind ganz einfach da.
„Wir helfen dabei, den Pflegealltag der erschöpften Familien zu gestalten, schauen nach Kurmöglichkeiten, unterstützen bei der Suche nach ambulanten Palliativteams“, zählt Arnold auf. „Und wir verlieren dabei nicht den Blick auf das gesunde Kind.“ Sie erinnert sich dabei an einen Jungen, dessen Zwillingsbruder tödlich erkrankt ist. Seit drei Jahren spielt, lacht und singt sie gemeinsam mit dem Jungen, der damit Kraft sammeln kann, um wieder in sein trauerndes Umfeld zurückzukehren. Das wissen auch die Eltern zu schätzen: „Für die Mutter ist diese Zeit ein Geschenk.“
Eine Brücke zur Normalität
Dabei haben die Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendhospizarbeit einen entscheidenden Vorteil gegenüber Hospizdiensten für Erwachsene: „Wir dürfen die Familien ab der Diagnosestellung begleiten.“ Bei Erwachsenen greife die Hospizarbeit erst ab der Diagnose „austherapiert“. „Auf diese Weise bekommen wir Jahre geschenkt“, so die aktuelle Clara-Koordinatorin Stefanie Schnitzler. Eine wichtige, eine wertvolle Zeit. Sterbe- und Lebensbegleitung sowie die Begleitung während der Trauerbewältigung seien für die betroffenen Familien nicht nur eine Brücke zur Normalität, sondern vor allem christliche Kernaufgabe, erklärt Stein-Geib.
Eine Arbeit, die allerdings nicht immer auskömmlich finanziert ist. Denn während die Sterbebegleitung teilweise noch durch die Krankenkassen getragen werde, ist die Trauerbegleitung auf Unterstützung angewiesen. Stefanie Schnitzler ist froh, dass Clara mit dem Rotary-Club Mannheim-Brücke, der Mannheimer Motorrad-Vereinigung und der Daum- und Riedle-Stiftung drei langjährige kontinuierliche Partner an der Seite hat. Denn der Bedarf sei unglaublich groß. So werden aktuell 13 Familien von den 15 Ehrenamtlichen begleitet. „Wir haben eine Warteliste“, sagt Schnitzler. Immerhin sechs neue Ehrenamtliche durchlaufen gerade die Ausbildung. Genug Arbeit in der Begleitung ist auch für sie sicher vorhanden.
Kontakt und Infos
Ökumenischer Kinder- und Jugendhospizdienst Clara, Telefon: 0621 28000351, E-Mail: oek.kinderhospizdienst@diakonie-mannheim.de.