Ludwigshafen Zwischen Stress und Besinnung

Zur Einstimmung auf den Advent hat die Protestantische Bezirkskantorei Ludwigshafen in der Friedenskirche christliche Musik zum Advent angestimmt. Unter anderen Bach und Händel verbreiteten eine andächtige Stimmung.
Die Adventszeit ist für viele eine Zeit der Besinnung und der Reflexion. Es ist aber auch eine Zeit, die Unruhe und Stress bedeutet. Kaum eine andere Jahreszeit ist so geprägt von den Gegensätzen christlicher Einkehr und Nächstenliebe auf der einen, Kaufrausch und Angespanntheit auf der anderen Seite. Pfarrerin Cornelia Zeißig übernahm mit Gebeten und Lesungen die liturgischen Teile des musikalischen Gottesdienstes und entzündete zur Begrüßung die erste Kerze zum Advent. Denn Advent bedeutet Ankunft, und das Licht weist auf das Kommende hin. Der Gottesdienst lud zum Innehalten ein, bevor die oftmals stressigen Verpflichtungen der Vorweihnachtszeit beginnen. Untermalt wurde er von musikalischen Schätzen, die den Zuhörern eine festliche Stimmung mit auf den Weg geben sollten. Unter der Leitung von Bezirkskantor Tobias Martin brachte der Chor diese Schätze zum Erklingen. Begleitet wurde er von Harald Hoeren aus Köln an der Truhenorgel. Im Gegensatz zur großen Kirchenorgel ist dieses kleine kammermusikalische Instrument sehr viel sanfter und zurückhaltender im Klang und passt sich somit einfühlsam an die besinnliche Musik an. Pfarrerin Cornelia Zeißig stellte in ihren Ansprachen viele Bezüge zur Musik her und begrüßte den Advent als eine Zeit der Erwartung und Erneuerung, zu der das Wort aus dem Propheten Sacharja ermutigt: „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze. Dazu erklang Händels feierliches „Tochter Zion“, volltönend und glorreich im Chor. Neben weiteren Lobpreisungen wie „Herr, erbarme Dich“ und „Ehre sei Gott in der Höhe“ von Gottfried Heinrich Stölzel oder „Ein deutsches Gloria Patri“ von Heinrich Schütz stimmte Chorleiter Tobias Martin auch eine solistische Choralpartita über „Nun komm der Heiden Heiland“ auf der Truhenorgel an. Psalm 24 „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch“, Gebete und Gemeindelieder vervollständigten den konzertanten Gottesdienst. Bei letzteren sang der Chor kräftig mit und gab so den Gemeindemitgliedern eine gute Stütze zum Einstieg. Den Sängerinnen und Sängern der Bezirkskantorei merkte man die Freude am gemeinsamen Musizieren an. Mit vollem Klang und Stimmgewalt erfüllten sie die Kirche mit Adventsstimmung. Besonders als sich in Wolfgang Carl Briegels „Lobet Gott in seinen Reichen“ die jeweiligen Stimmen mit ihrem „Lobet“ in die Höhe schwangen, war die preisende Atmosphäre auf ihrem Höhepunkt. Bezirkskantor Tobias Martin arbeitete die einzelnen Einsätze dabei schön heraus und achtete auf eine sehr gute Balance. Zu Beginn und zum Abschluss erklangen außerdem zwei Werke von Bach. Die kunstvolle Orgelpartie wurde dabei immer wieder mit kurzen Einwürfen des Chors ergänzt, die zum Teil jedoch etwas leiser und dynamischer hätten sein können, um sich in die andächtige Stimmung besser einzufügen. Dennoch brachten die Musiker einen gefühlvollen Einstieg in den Advent zu Gehör, der von den bekräftigenden Worten der Pfarrerin ergänzt wurde, die niemals genug betont werden können und nicht nur in der Weihnachtszeit an Aktualität gewinnen: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.