Handball
Zweite Liga: Eulen Ludwigshafen gegen HSG Nordhorn-Lingen unter Druck
Seine Jugend hat er noch in guter Erinnerung. Die Zeit an der Sportschule in Saarbrücken sorgte für den Grundstein, dass er den Handball zu seinem Beruf machen durfte. Nicht anders ist es bei Kian Schwarzer und Tim Schaller. Sie waren damals auch an der Sportschule in der saarländischen Landeshauptstadt. Nicht nur das vereint sie mit Björn Zintel. Es ist mehr. Sie stammen alle aus Niederwürzbach, dem 3400 Einwohner zählenden Stadtteil von Blieskastel im Saarland. Ein Ort mit einer großen Handball-Historie. So freut sich Zintel, der inzwischen 29 Jahre alte Saarpfälzer, auf ein Wiedersehen mit seinen früheren Kameraden, mit denen er einst an der Schule in einer Trainingsgruppe weilte.
Der Spielmacher ist in der Region kein Unbekannter, denn er spielte einst beim SV 64 Zweibrücken unter Trainer Stefan Bullacher mit den beiden Ex-Eulen Jerome Müller und Robin Egelhoff. „Friesenheim ist mir immer noch ein Begriff, auch wenn sie zwischenzeitlich Eulen heißen.“ Die Zeit in der Dritten Liga hat bei ihm dazu geführt, dass er höhere sportliche Aufgaben angehen konnte. Nach Stationen beim ASV Hamm-Westfalen, TV Hüttenberg und HBW Balingen-Weilstetten und erneut in Hamm ist er im Sommer 2024 bei der HSG Nordhorn-Lingen gelandet. Mit seiner Erfahrung soll er die Mannschaft, die einen großen personellen Umbruch erlebte, „weiterentwickeln“. Nach einem schwachen Start hat sich das Team von der Ems inzwischen stabilisiert und kassierte seit dem 23. Oktober 2024 in den bisherigen 17 Spielen nur zwei Niederlagen beim Bergischen HC (35:26) und beim TV Großwallstadt (24:23).
Gast hat einen Lauf
Die Eulen erwartet ein dicker Brocken im Kampf um den Klassenverbleib. Die Emsländer um Cheftrainer Mark Bult wollen ihren Trend dagegen in Ludwigshafen fortsetzen. „Ich glaube, der Prozess ist da und man sieht auch die Weiterentwicklung“, erklärt Zintel. „Wir wollen einfach die nächsten Schritte gehen, dazu gehört, dass wir weitere Punkte holen.“ Der Spielmacher verdeutlicht, dass der Blick auf die Tabelle nicht Priorität genießt. Von einem Aufstieg ins Oberhaus der Bundesliga will er (noch) nicht reden. Ein Fernziel bleibt es trotzdem. Dafür hat er auch bei dem Klub in der Grenzregion zu den Niederlanden für drei Spielzeiten seine Zusage gegeben. „Nordhorn hat eine große Handball-Historie, es ist einen Standort, wo der Handball an erster Stelle steht“, erklärt der nur 1,81 Meter große Rückraumspieler. Dabei erinnert er noch an Zeiten, als beim TV Niederwürzbach die Lichter ausgingen, die HSG Nordhorn-Lingen den Europapokal holte und danach ebenfalls von der Insolvenz betroffen war. „Das sind unschöne Vergleiche, aber wir wollen wieder an bessere Zeiten anknüpfen“, erzählt Zintel, der wie kaum ein anderer die Geschichten aus der Vergangenheit kennt. „Da war ich noch klein, aber ich habe mich über die Historie informiert“.
Sein Fokus liegt jetzt auf der Partie bei den Eulen. „Das Spiel in Friesenheim wird ein sehr schweres Spiel. Dort zu spielen ist sehr unangenehm, sie investieren mit ihrem Publikum im Rücken sehr viel. Ich erwarte ein intensives Spiel“, sagt Zintel. „Wichtig, dass wir eine gute Deckung stellen, ein gutes Tempospiel zeigen und unsere technischen Fehler so gering wie möglich halten.“
Bangen um Eisel
Ob die Eulen in Bestbesetzung antreten können, steht in den Sternen. Spielmacher Marc Robin Eisel hat sich in den letzten Minuten der Partie gegen den Dessau Rosslauer HV einen Riss des Außenbandes und eine Absplitterung des Knochens zugezogen. Eine Verletzung, die zum ungünstigsten Zeitpunkt kommt. Es stehen entscheidende Wochen aus Sicht der Eulen an. Es werde aktuell keine Trainerdiskussion geführt, betont Geschäftsführer Domenico Marinese ausdrücklich.
Mit solchen Gedanken muss sich Björn Zintel nicht beschäftigen. Er freut sich auf die Partie und das Wiedersehen mit einigen Freunden. „Ich bin ein sehr heimatverbundener Mensch, auch wenn in den nächsten Jahren in Neuenhaus nur einen Katzensprung von Holland mit meiner Frau lebe“, erzählt Zintel, der gerade mit seinem Studium der Wirtschaftspsychologie die Weichen für die Karriere nach der Karriere stellt. Dabei hat er auch eine klare Meinung zum kommenden Gegner: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Eulen Ludwigshafen am Ende der Saison absteigen. Aber man muss auch so ehrlich sein, neben der HSG Konstanz könnte es leider auch einen der traditionellen Klubs von Lübeck-Bad Schwartau über Hamm-Westfalen bis hin zum TV Großwallstadt treffen.“ Die Lage bei den Eulen bleibt bedrohlich.