Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Zwei Türme mit langer Geschichte: Das ist der älteste römisch-katholische Kirchenbau in LU

Nach ihr hatten wir gesucht: die katholische Kirche St. Ludwig in der Innenstadt.
Nach ihr hatten wir gesucht: die katholische Kirche St. Ludwig in der Innenstadt.

Die St. Ludwigskirche in Ludwigshafen wird im 19. Jahrhundert erbaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgt ein Wiederaufbau. Bis heute sind die Türme ein Wahrzeichen der Stadt.

An der Ecke von Bismarck- und Wredestraße prägen zwei 55 Meter hohe Türme das Stadtbild: Die St.-Ludwigskirche, ältester römisch-katholischer Kirchenbau Ludwigshafens, seit 2016 geistliches Zentrum der Pfarrei Hl. Petrus und Paulus, steht für die enge Verbindung von Stadtgeschichte und Glauben. Nach ihr hatten wir in unserem Bilderrätsel „Wo isses?“ gesucht. Es gab knapp 300 richtige Einsendungen.

In der aufstrebenden Industriestadt des 19. Jahrhunderts wuchs früh der Wunsch nach einem eigenen katholischen Gotteshaus. Getragen wurde er von Albert von Jäger, Direktor der Pfälzischen Eisenbahnen und Vorsitzender des Verwaltungsrats der 1857 neu gegründeten Pfarrei St. Ludwig. Mit großem Engagement gewann er Regierung, Ordinariat und zahlreiche Spender und ebnete den Weg zum Bau.

Ähnlichkeiten zum Prachtbau in Florenz

Am 5. Juni 1858 legte der Speyerer Bischof Nikolaus von Weis in Anwesenheit König Ludwigs I. von Bayern den Grundstein. Der kunstsinnige Monarch förderte das Projekt großzügig und kehrte mit seiner Tochter Prinzessin Hildegard auch zur Weihe am 28. August 1862 zurück. Aus Dankbarkeit übernahm die Kirche das Patrozinium (Schutzherrschaft) des Heiligen Ludwig, Ludwig IX. von Frankreich.

Architektonisch steht St. Ludwig in der Tradition der Neuromanik. Entworfen vom großherzoglich-badischen Baudirektor Heinrich Hübsch, nimmt der dreischiffige Basilikabau mit Atrium und Querhaus Bezug auf die Basilica di San Lorenzo in Florenz. Massive Säulen aus Untersberger Marmor – eine Schenkung König Ludwigs I. – gliederten die Schiffe, während Fresken von Alois Süßmayr und Ornamentmalerei von Joseph Schwarzmann den historischen Innenraum prägten.

Diesen Ausschnitt hatten wir Anfang März gezeigt.
Diesen Ausschnitt hatten wir Anfang März gezeigt.

Zwischen 1858 und 1862 setzte der Ludwigshafener Unternehmer Joseph Hoffmann den Bau in Pfälzer Buntsandstein um, Richtfest wurde 1860 gefeiert. Hoffmann, als Baumeister und Kommunalpolitiker prägend für die Stadt, errichtete später auch die protestantische Lutherkirche. Die den Chor flankierenden Türme wurden 1883 vollendet. Sie überstanden zwei Weltkriege nahezu unversehrt und zählen bis heute zu den markantesten Wahrzeichen Ludwigshafens.

Neuaufbau nach dem Krieg

Am 5. Januar 1945 zerstörte eine Luftmine Fassade und Kirchenschiff. Die Chorseite mit den Türmen blieb weitgehend erhalten. Stadtpfarrer Prälat Martin Walzer sicherte die Ruine, richtete eine Notkirche ein und initiierte den Wiederaufbau, den die Architekten Karl Lochner und Philipp Blaumer von 1949 bis 1954 verantworteten. Am 22. August 1954 weihte Bischof Isidor Markus Emanuel die erneuerte Kirche. Der Wiederaufbau folgte dem alten Grundriss in vereinfachter Form und leitete den Wandel des Innenraums ein. Nach Kriegsschäden, dem Verlust von Glocken in beiden Weltkriegen, der BASF-Explosion 1921 und weiteren Erneuerungen wurde das Innere 1976/77 unter Walter Klumpp (Architektur) und Emil Wachter (Kunst) zeitgemäß neu gestaltet: Der Altar fand seinen Platz in der Vierung, Chorfenster und Betonreliefs setzen seither klare künstlerische Akzente.

Türme tragen sechsstimmiges Geläut

Aus dem Urbestand von 1862 sind bis heute eine große Mondsichelmadonna – ursprünglich Teil eines 1864 gestifteten Marienaltars – und der wieder zusammengesetzte marmorne Taufstein erhalten. Auch der Klang spielt eine tragende Rolle: Die beiden Türme tragen ein sechsstimmiges Geläut – eine kleine historische Andreas-Hamm-Glocke von 1854 erklingt meist solistisch bei Taufen. Die ursprüngliche Walcker-Orgel von 1876 fiel dem Krieg zum Opfer, doch 1957 schufen die Gebrüder Späth eine neue Orgel mit 41 Registern auf drei Manualen und Pedal, die seither das kirchenmusikalische Leben prägt. Heute bietet St. Ludwig 482 Sitzplätze und bildet die geistliche Mitte einer Pfarreiengemeinschaft, in der St. Ludwig, St. Sebastian, Heilig Geist und Herz Jesu zusammenwirken.

Die Gewinner

Aus den richtigen Einsendungen haben wir zwei Gewinner ausgelost, die von uns verständigt werden: Über je zwei RHEINPFALZ-Tassen freuen dürfen sich Stefan Oehmig und Horst Fischer, beide aus Ludwigshafen.

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