Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Zwei Gotteshäuser werden zu Kulturdenkmalen

Im Quadrat F3: die Mannheimer Synagoge.
Im Quadrat F3: die Mannheimer Synagoge.

Neben fast 30 Kirchen in Mannheim haben nun auch die Synagoge und die Yavuz-Sultan-Selim-Moschee diesen besondern Status. Wie die Denkmalpflege die Entscheidung begründet.

Mannheim hat zwei neue Kulturdenkmale. Die Synagoge in den Quadraten und die Yavuz-Sultan-Selim-Moschee im Jungbusch sind in die Liste des Landes aufgenommen worden. Beide Bauten seien wichtige Dokumente ihrer Zeit, heißt es aus dem beim Stuttgarter Regierungspräsidium angesiedelten Landesamt für Denkmalpflege. Fast 30 Kirchen in Mannheim seien bereits denkmalgeschützt.

„Die beiden neuen jungen Kulturdenkmale dokumentieren eindrucksvoll die Vielfalt und Qualität von Glaubensorten in einer multikonfessionellen Metropole. Mannheim hat nicht nur bedeutende profane Bauten der Nachkriegszeit, sondern auch erstaunliche Sakralbauten vorzuweisen, die charakteristische bauliche Zeugnisse des ausgehenden 20. Jahrhunderts darstellen“, so Claus Wolf, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege.

Eine Wunde soll sich schließen

Die Synagoge ist von 1982 bis 1987 vom Mannheimer Architekturbüro Karl Schmucker + Partner gebaut worden. Der würfelartige, überkuppelte Zentralbau der Synagoge, der von den Flügeln des Gemeindezentrums ehrenhofartig flankiert wird, ist laut der Fachbehörde für die Geschichte des jüdischen Kultbaus in Deutschland und für die Symbol- und Ausstattungskunst im jüdischen Kultverständnis von überregionaler Bedeutung. Die Synagoge stehe am Beginn einer neuen Generation jüdischer Kultbauten in deutschen Städten, die von Selbstbewusstsein, Repräsentation und Offenheit geprägt sei. Für die Mannheimer Religions- und Stadtbaugeschichte schließe sie „eine durch die Schändung und den Abbruch der Vorkriegssynagoge geschlagene Wunde“. Heute sei sie eine steingewordene Mahnung, dem drohenden Vergessen der Shoa dauerhaft entgegenzuwirken.

Außen westeuropäisch, innen osmanisch
Am Eingang zum Jungbusch: die Yavuz-Sultan-Selim-Moschee.
Am Eingang zum Jungbusch: die Yavuz-Sultan-Selim-Moschee.

Die Yavuz-Sultan-Selim-Moschee ist von 1993 bis 1995 im Auftrag der Türkisch-Islamischen-Gemeinde zu Mannheim (DITIB) nach Plänen von Hubert Geißler unter Mitarbeit von Mehmed Bedri Sevincoy verwirklicht worden. Sie befindet sich in städtebaulich repräsentativer Lage am Luisenring gegenüber der katholischen Liebfrauenkirche. Das Äußere sei geprägt von strenger Symmetrie, weißer Putzfront sowie zwei stämmigen Säulen und damit der westeuropäischen, postmodernen Architektur verpflichtet, so das Landesamt für Denkmalpflege. Das Innere greife dagegen traditionelle osmanische Bau- und Dekorationsformen auf. Der Bau der Moschee habe einen Bewusstseinswandel in der Mannheimer Stadtgesellschaft befördert, der zur Gründung und Förderung deutsch-türkischer Institutionen geführt habe. Sie engagierten sich bis heute für die Integration und die Bildung der Muslime und für den multikonfessionellen Diskurs, heißt es weiter.

Deborah Kämper, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mannheim, betont, dass sich die Synagoge als Symbol für ein lebendiges und selbstbewusstes Judentum etabliert habe. DITIB-Gemeindevorsitzender Hızır Oymak bekräftigt, dass die Yavuz-Sultan-Selim-Moschee im Herzen Mannheims Wurzeln geschlagen habe. Sie stehe für eine Gemeinschaft, die mit der Stadt weiterwachse.

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