Ludwigshafen Zuzug sogar aus Heidelberg

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Wie die Wohnwünsche, der Wohnraumbedarf und die Wohnsituation in Ludwigshafen aussehen, hat eine Studie des Instituts Empirica ermittelt. Sie wurde gestern in der Hauptstelle der Sparkasse Vorderpfalz vorgestellt und enthält überraschende Erkenntnisse.


Ludwigshafen

ist eine Schwarmstadt. So lautet ein Schluss aus der Empirica-Studie. Das kommt von Schwarm und nicht von schwärmen und bedeutet, dass Menschen nicht nur aus dem Umkreis, sondern aus ganz Deutschland und dem Ausland in Scharen hierher strömen. Besonders die Gruppe der 18- bis 30-Jährigen ist von der Stadt angetan. Das Fazit, das die Macher daraus ziehen: Was das Bevölkerungswachstum angeht, stehen Ludwigshafen noch ein paar rosige Jahre bevor. Zu einer Stagnation wird es wohl erst um 2030 herum kommen. Das ist eine gute Nachricht, mit der so nicht einmal die Auftraggeber der Studie von LBS, Sparkasse, Stadt, dem Immobilienunternehmen GAG und BASF Wohnen und Bauen (früher Luwoge) gerechnet haben. „Schwarmstadt“ sei in berufenen Kreisen seit Jahren ein beliebtes Schlagwort, erklärte Matthias Hensel von BASF Bauen und Wohnen. „Jeder möchte das sein, denn es bedeutet Bevölkerungswachstum und keine sterbenden Städte.“ Dass in Ludwigshafen von „Sterben“ eh nicht die Rede sein kann, belegte Marie-Therese Krings-Heckmeier von Empirica anhand der Studie. Das Institut stellt sowohl für die Wohnsituation in der Stadt als auch für die Entwicklung der Wirtschaft gute Prognosen: Seit 2010 sei die Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter stärker gestiegen als im Landesdurchschnitt, die Arbeitslosenquote sei gesunken, es pendelten mehr Menschen ein und die Bevölkerung sei gewachsen. Mittlerweile würden vermehrt auch Menschen aus den gefühlt attraktiveren Städten Mannheim und Heidelberg nach Ludwigshafen ziehen. Einige Gründe dafür liegen auf der Hand: Sowohl Wohneigentum als auch Mieten sind in Ludwigshafen günstiger als in anderen Städten der Region. Hinzu kommt laut Baudezernent Klaus Dillinger (CDU), dass die Infrastruktur in der Stadt besser ist als in den Landkreisen, dass es Arbeit, Ausbildungsplätze und eine gut beleumundete Hochschule gebe. All das sowie qualitativ hochwertige neuere Wohngebiete in Süd und auf der Parkinsel wertet auch Krings-Heckmeier als Argumente für den Standort. Handlungsbedarf sieht sie dennoch. Laut ihrer Aussage betrifft der vor allem das schlechte Image der Stadt und die Tatsache, dass es nicht genug Angebote bei mittel- und hochpreisigen Wohnungen gebe. In dem Bereich müsse nachgebessert werden, und zwar ohne Angst vor Nachteilen für niedrigere Einkommensschichten. Durch den sogenannten Sickereffekt – also weil durch Umzüge in teurere Wohnungen wieder Platz in günstigeren entstehe – sei nicht zu befürchten, dass Ludwigshafen zu einem teuren Pflaster gerate. Außerdem würden Wohngebiete mit hochwertigen Häusern wie am Rheinufer erwiesenermaßen für ein besseres Image und für Zuzug von außen sorgen. Eine weitere Baustelle sei die Innenstadt, für die es ein konsequentes Gesamtkonzept mit Raum für Wohnungen und Dienstleister geben müsse – also jenseits der Wiederansiedlung von Einzelhändlern. Die lasse sich wegen mangelnder Nachfrage eben nicht mehr sinnvoll bewerkstelligen. Wenn die Stadt und Wohnungsbaugesellschaften diese und ähnliche Anregungen bei ihren Planungen berücksichtigen würden, könnte das auch einen positiven Nebeneffekt für die Zielgruppe haben, die bei der Studie mit dem Titel „Wohnen im Alter in Ludwigshafen“ im Mittelpunkt stand: Menschen zwischen 50 und 70 Jahren. Welche Ansprüche die an ihr Wohnumfeld stellen, wurde in einer Umfrage gesondert erhoben. Als bevorzugte Wohngegenden nannten die 50- bis 70-Jährigen die Stadtteile Süd, Friesenheim und Gartenstadt. Etwa die Hälfte von ihnen würden lieber in einem Eigenheim als zur Miete wohnen und zwei Drittel lieber im Grünen als in der Innenstadt. Da diese Bevölkerungsgruppe 40 Prozent der Ludwigshafener ausmacht, ein Drittel davon zum Umzug bereit wäre und rund zwei Drittel gern in der Stadt bleiben würden, lässt sich aus den Aussagen durchaus so etwas wie ein Handlungsauftrag herauslesen. Laut eigener Angaben ist der bei der Stadt und den Wohnungsbaugesellschaften angekommen. Mit Interesse haben die Verantwortlichen zudem zur Kenntnis genommen, dass 85 Prozent der Befragten gemeinschaftliche Wohnformen bevorzugen – ob nun in der Familie, mit Gleichgesinnten oder generationsübergreifend. Krings-Heckmeier hob das „Haus Noah“ als Beispiel hervor und erklärte, dass die Förderchancen für vergleichbare Wohnprojekte in Rheinland-Pfalz besonders gut stünden. Ohne Unterstützung vom Land und private Investoren wird sich das Gesicht Ludwigshafens laut Dillinger ohnehin nicht im gewünschten Maß verändern. Die Studie zeige aber, dass es um die Stadt nicht so schlecht stehe, wie es oft behauptet wird, und dass Ludwigshafen auf einem guten Weg sei. Der müsse nun mit Elan weiter verfolgt werden.

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