Ludwigshafen Zur Sache: 50 Jahre BMW Oster – viele Umbrüche

Blutjunge 23 Jahre alt war Rosalinde Oster, als sie und ihr Mann Friedrich (Fritz) Oster kurz nach der Hochzeit beschlossen, sich selbstständig zu machen. Zunächst waren sie Tankstellen-Pächter mit Werkstatt. Ab 1969 zog das Unternehmen in die Gartenstraße nach Mutterstadt und das Paar entschied sich, BMW-Vertragshändler zu werden. „Damals war BMW ein absolutes Nischenprodukt“, erzählt Tochter Beate Oster. Warum denn nicht Opel oder VW, sei das Paar immer wieder gefragt worden. Doch Friedrich Oster war als Kfz-Meister begeistert von der Marke. Damals habe das bayerische Unternehmen seine künftigen Vertriebshändler noch hofiert. Er erinnert sich noch: Als sich die „hohen Herren aus München“ ankündigten, habe er noch schnell die Fassade der Werkstatt in den blau-weißen BMW-Farben gestrichen. „Da halfen sogar die Kunden mit“, erzählt er. Große Anfangsschwierigkeiten gab es nicht, denn das junge Unternehmen profitierte von den Wirtschaftswunderjahren und der wachsenden Beliebtheit der Automarke. Eine Expansion lag nah. So war BMW-Oster 1974 einer der ersten Betriebe im frisch erschlossenen Gewerbegebiet Fohlenweide in Mutterstadt. Mit den Jahren wuchs das Unternehmen weiter: 1982 wurde der Ausstellungsraum vergrößert und verglast und 1993 die Werkstatt und die Büroräume erweitert. Damit waren die „Direktannahme“ der Autos und eine transparente Werkstatt möglich. Die Hebebühne stand fortan nur durch eine Glaswand getrennt im Bürobereich. Zwei Jahre später übernahm BMW die Marken Land Rover , Rover und MG. „Ein großer Umbruch für uns“, sagt Beate Oster, die just zu diesem Zeitpunkt ihr BWL-Studium mit Schwerpunkt Automobil-Wirtschaft erfolgreich beendet hatte. Die neuen Marken in den bestehenden Betrieb zu integrieren, wurde ihr Einstiegsprojekt ins elterliche Unternehmen. „Zusammen mit einem Kollegen habe ich die Autos anfangs aus einem Baucontainer raus mit einer Land Rover-Fahne drauf verkauft“, erinnert sich die 47-Jährige. Ein großer Einschnitt war im Jahr 2000, als sich BMW von den englischen Automarken trennte. „Wir hatten aber unser Herz an diese verloren und behielten sie“, erzählt sie. Es wurde weiter auf Luxusmarken gesetzt – seit 2012 ist Oster auch autorisierter Servicepartner von Jaguar. Vor zehn Jahren, 2009, übergaben Rosalinde und Friedrich Oster das Zepter an ihre Tochter Beate Oster. Sie wurde Betriebsleiterin und mit ihr das Firmenkonzept geändert: „Den Schwerpunkt habe ich auf qualitativ exzellente Serviceleistungen gelegt“, erklärt sie. Oster verkauft weiterhin Autos, aber Beate Oster habe damit auf den veränderten Automobilmarkt reagiert (siehe Interview). Die Strategie: Neben dem bestehenden Geschäft – der Vermittlung von Neuwagen -, agiert das Oster-Team verstärkt im Gebrauchtwagen-und Jahreswagen Bereich. Und bietet seit 2019 zudem Wartungs- und Reparaturservice mit dem Bosch Service auch für alle Automobil-Fabrikate an. Rosalinde Oster ist heute 80, ihr Mann Friedrich 83 Jahre alt. „Trotz mancher Schwierigkeiten war es eine schöne Zeit und jeder Tag war ein schöner Tag“, sagt Rosalinde Oster. Beide sind gesund und helfen immer noch täglich mit Erfahrung und Leidenschaft im Betrieb mit.
