Ludwigshafen Zum Lachen in die Kirche gehen

Keller war gestern. Moderne Spaßvögel gehen in die Kirche, wenn sie sich amüsieren wollen. Ja, auch da darf gelacht werden. Glauben Sie nicht? Dann sollten Sie am Sonntag in Mutterstadt in der protestantischen Kirche vorbeischauen. Da steht Pfarrer Knut Trautwein nämlich wieder in der Bütt, äh, am Altar – und feiert mit den Besuchern einen besonderen Gottesdienst. Vor vier Jahren hat die Kirchengemeinde den Versuchsballon „Fasnachtsgottesdienst“ gestartet. Mit Erfolg. Denn die Kirchenbänke sind an diesem Vormittag doch etwas besser gefüllt als gewöhnlich, erzählt der Pfarrer. „Ich bin vor den Gottesdiensten immer etwas aufgeregt“, gibt er zu. Anfangs wurde noch im Gemeindehaus gefeiert – „zum Ausprobieren“, sagt Trautwein. Das närrische Potenzial der Pfarreimitglieder musste ja erst mal ausgelotet werden. Vergangenes Jahr ist man dann in die Kirche umgezogen. „Wir haben seit letztem Jahr immer am ersten Sonntag im Monat einen besonderen Gottesdienst“, sagt der Pfarrer. „In diese Reihe passt der Fasnachtsgottesdienst gut rein.“ Dabei sind Protestanten, schenkt man dem Mutterstadter Glauben, von Hause aus gar nicht mal so lustige Zeitgenossen. „Die Katholiken feiern eher Fasnacht als die Protestanten“, berichtet er. Vermutlich gehe die Ernsthaftigkeit noch auf die Reformation zurück. Denn weder das Fasten noch das ausgelassene Treiben vorher sei von großer Bedeutung gewesen. „Die Protestanten entdecken das erst seit einigen Jahren für sich.“ Gut so. Schließlich sollte man das Leben nicht immer bierernst nehmen. Damit am Sonntag alles ein wenig ausgelassener ist als sonst, sind nicht nur die Gäste eingeladen, sich zu verkleiden, sondern auch der Pfarrer wird kostümiert am Altar stehen. Versprochen. Im vergangenen Jahr beispielsweise als Clown. „So ist es einfach, etwas anders zu machen“, findet Trautwein. „Der Talar passt da nicht so.“ Recht hat er. Wer schon mit einem Schmunzeln über den Herrn am Altar in den Kirchenbänken sitzt, dem fällt das Lachen aus vollem Halse später auch leichter. Um etwaige Kritiker zu überzeugen: Ganz so arg wie bei einer Karnevalssitzung wird es dann doch nicht werden. Die Messdiener werden nicht zum Elferrat, und Funkenmariechen hüpfen auch nicht durchs Kirchenschiff. Und entweiht wird das Gotteshaus auch nicht. „Wir machen das ja nur zur Faschingszeit“, sagt Trautwein. „Der Gottesdienst hat einen klassischen Ablauf, es wird gesungen und gebetet und es gibt auch eine Predigt.“ Die war in den vergangenen Jahren meist gereimt. Diesmal hat sich Trautwein was anderes einfallen lassen. Die Putzfrau spricht. Ja, richtig gelesen. Die Putzfrau. Sogar über den offiziell vorgegebenen Bibeltext. Um genau zu sein, hält sie den ganzen Gottesdienst. Denn Knut Trautwein tauscht Talar gegen Kittelschürze. Und wenn der Pfarrer dann als Staubwedel schwingende Raumpflegerin – natürlich nicht nur mit Schürze, sondern auch mit Kopftuch – am Altar steht und zwischendurch mal einen Witz erzählt, sollte auch dem letzten Zweifler klar sein: Kirche darf lustig sein. Gott hat seinen Schäfchen das Lachen ja nicht ohne Grund mitgegeben. Termin Der Fasnachtsgottesdienst unter dem Motto „Das wäre doch gelacht“ findet am Sonntag, 5. Februar, um 10 Uhr in der protestantische Kirche Mutterstadt statt. Wer möchte, kann verkleidet zum Gottesdienst kommen. Im Anschluss ist ein Kirchencafé im Gemeindehaus geplant – zum Kennenlernen, Plaudern und natürlich auch zum Weiterlachen.