Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Zentrales Rathaus am Berliner Platz: „Macht’s schnell, macht’s gut“

Großes Werbeplakat am Berliner Platz für das 70 Millionen Euro teure „Palatineo“-Projekt.
Großes Werbeplakat am Berliner Platz für das 70 Millionen Euro teure »Palatineo«-Projekt.

Ein zentrales Rathaus am Berliner Platz wird immer wahrscheinlicher. Der Stadtrat hat am Montag mit breiter Mehrheit einen entsprechenden Beschluss gefasst.

Alle Stadtratsfraktionen sind sich einig: Die 60 mal 60 Meter große Baugrube am Berliner Platz, im Volksmund als „das Loch“ verspottet, ist ein Schandfleck für Ludwigshafen. Dieser soll endlich verschwinden, die Lücke geschlossen werden. Mit ihrem „Palatineo“ getauften 70-Millionen-Euro-Projekt plant die Freiburger Unmüßig-Gruppe dort bis 2027/28 ein Büro- und Geschäftshaus: sieben Stockwerke hoch, 12.000 Quadratmeter Nutzfläche. 9000 davon, verteilt auf sechs Etagen, könnte die Stadtverwaltung beziehen, sagte zuletzt Firmenpatriarch Hans-Peter Unmüßig – falls sich die Politik dazu durchringt.

Ein erster Schritt in diese Richtung wurde jetzt getan. Der Nahverkehrsknotenpunkt mit im Schnitt 40.000 Passanten täglich wäre „ein idealer Standort für ein zentrales Rathaus“ – diese Formulierung war in der Sitzung im Pfalzbau häufiger zu hören. Ein entsprechender Grundsatzbeschluss wurde von einer breiten Mehrheit getragen. Die Stadtverwaltung soll nun prüfen, ob sich das „Palatineo“ dafür eignet, um dann – bei einem positiven Befund – konkrete Mietverhandlungen mit dem Unternehmen aus dem Breisgau aufzunehmen. Wegen des Abrisses des alten Rathauses, das für den Bau der ebenerdigen Helmut-Kohl-Allee weichen muss, sind derzeit viele Anlaufstellen der Verwaltung über die ganze Innenstadt verteilt. Am Berliner Platz könnte das Angebot gebündelt werden.

Investor Hans-Peter Unmüßig am Bauzaun.
Investor Hans-Peter Unmüßig am Bauzaun.

Wie viel Platz braucht die Verwaltung? Wie hoch sind die Kosten? Diese und andere Fragen sollen in einer Ist-Anlayse geklärt werden. Dazu werde eine Arbeitsgruppe einberufen, kündigte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) an. Die Ergebnisse sollen dann dem Bau- und Grundstücksausschuss vorgelegt werden. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Wir sind da schon eingeübt“, sagte die 62-Jährige mit Verweis auf die „Ludwigstürme“ in der Ernst-Boehe-Straße in Mundenheim. Für diese hat die Verwaltung bereits einen Mietvertrag mit einer Laufzeit von 20 Jahren unterschrieben. Der Freiburger Investor hat hier ebenfalls seine Finger im Spiel: Er baut das ehemalige Postbankgebäude für die Verwaltung um. 580 moderne Arbeitsplätze für weitere Dienststellen sollen hier entstehen. In das Gebäude – 16.000 Quadratmeter Bürofläche, verteilt auf acht Etagen – sollen erste Mitarbeiter im Herbst 2027 einziehen, Ideen aus dem Programm „Arbeitsplatz der Zukunft“ dort möglichst eins zu eins umgesetzt werden.

„Herz unserer Demokratie“

Diese Maßgabe gelte auch für den Standort Berliner Platz, betonten am Montag mehrere Fraktionssprecher. Peter Uebel (CDU) sagte: „Wir brauchen ein zentrales Rathaus als Herz unserer Demokratie.“ Das „Palatineo“ sei kein Protzbau und überzeuge durch schlichte Eleganz. Wie FWG-Sprecher Helge Moritz forderte er die Erstellung eines Plans, in dem neben dem präzisen Raumbedarf auch die exakten Kosten ermittelt werden. Der belebteste Platz in der City als zentrale Anlaufstelle für alle Bürger – damit kann sich auch die SPD anfreunden, wie Sylvia Weiler erklärte. Viele Menschen würden die unattraktiven Ausweichquartiere meiden.

Stadratssitzung am Montag im Konzertsaal des Pfalzbaus.
Stadratssitzung am Montag im Konzertsaal des Pfalzbaus.

Der Berliner Platz habe eine perfekte ÖPNV-Anbindung, für die Einwohner, die Mitarbeiter der Verwaltung, aber auch die politischen Gremien wäre ein zentrales Rathaus an dieser Stelle eine große Erleichterung und eine attraktive Adresse, meinte Heike Heß (Grüne). „Wir freuen uns auf das, was daraus wird“, sagte Johannes Thiedig (AfD). Von der „bestmöglichen Lösung“ sprach Petra Malik (BSW). „Ich wünsche der Verwaltung gutes Verhandlungsgeschick“, meinte Thomas Schell (FDP). Der Liberale widersprach allerdings energisch CDU-Mann Uebel, der gesagt hatte, der Stadtrat halte nun das Heft des Handelns selbst in der Hand. Der von der Finanzaufsicht ADD abgelehnte Haushalt beweise das Gegenteil, so Schell. „Wir haben gar nichts mehr selbst in der Hand“, zürnte er.

Die beiden Enthaltungen kamen aus dem Lager der Zweier-Fraktion Piraten/Die Linke – obwohl auch deren Sprecher Heinz Zell den Berliner Platz als idealen Standort pries. In der jüngeren Vergangenheit, monierte er, habe die Stadt indes nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen. Gegen diese pauschale Kritik wiederum wehrte sich OB Steinruck. Das letzte Wort hatte Süd-Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU). „Eine Schnitzeljagd durch die Stadt“ sei den Bürgern nicht weiter zuzumuten. Der Bürgerservice sollte zentral gebündelt werden. Der Verwaltung gab er für ihre Analyse mit auf den Weg. „Macht’s schnell, macht’s gut und packt alles rein, was wir brauchen.“ Applaus.

Das 60 mal 60 Meter große Bauloch am Berliner Platz.
Das 60 mal 60 Meter große Bauloch am Berliner Platz.

Der Entwurf des Schweizer Star-Architekten Max Dudler für das „Palatineo“ sieht drei abgestufte Flügel mit einmal fünf, einmal sechs und einmal sieben Stockwerken vor, die sich zum Berliner Platz hin öffnen und einen großen Innenhof mit begrünter Fassade umschließen sollen. Anders als der gescheiterte Investor Günther Tetzner (Timon-Bau, Ettlingen) will Hans-Peter Unmüßig ein Ensemble entwickeln, „das sich gut in die Umgebung einfügt und sich deren Architektur anpasst“. Gastronomie und Einzelhandel sollen die Erdgeschosslagen dominieren. Die Passage zum Ankerhof soll zur „Gasse der Zukunft“, das Areal am Haupteingang zum „Platz der Begegnung“ werden. Unterhalb des Innenhofs soll ein Supermarkt einziehen. Die Baugenehmigung soll im Idealfall bis September, spätestens aber bis Jahresende vorliegen, der Baustart in etwa einem Jahr sein, so Unmüßig.

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