Adventskalender Zeit für mehr Zeit
Die Zeit drängt – heißt es oft, wenn es um die Sanierung der Ludwigshafener Hochstraßen geht. Denn die Nordtrasse hält nicht mehr lange durch. Der Zeitplan muss eingehalten werden, fordern Politiker, denn Zeit ist Geld. Haben Sie, hast du mal einen Moment Zeit? Das werde ich tagaus, tagein am Telefon von Gesprächspartnern, Lesern oder im Büro von Kollegen gefragt. Die wachsende und immer dichter getaktete Anzahl von Konferenzen frisst Zeit. Zweifellos zu viel Zeit hängt man am Handy, sei es das private oder das dienstliche. Lässt sich ablenken, berieseln. Vergisst dabei häufig den Blick fürs Wesentliche.
Es gibt ziemlich viele schlaue und ja, wahre Sprüche zum Thema Zeit. Sei es von Mark Twain („Die Zeit mag Wunden heilen, aber sie ist eine miserable Kosmetikerin“), von Arthur Schopenhauer („Gewöhnliche Menschen überlegen nur, wie sie ihre Zeit verbringen. Ein intelligenter Mensch versucht, sie auszunutzen“), Charlie Chaplin („Die Jugend wäre eine schönere Zeit, wenn sie erst später im Leben käme“) oder – mein Favorit – von der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach („Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann“).
Erst denken, dann reden
All diese Weisheiten drücken mehr oder weniger eins aus: Zeit ist wertvoll und sollte nicht sinnlos verplempert werden. John Lennons Einschätzung („Zeit, die man zu verschwenden genießt, ist nicht verschwendet“) ist da kein Widerspruch.
Was ich eigentlich sagen will, etwa mit Blick auf Vorsätze fürs neue Jahr: Schenken Sie (sich) und anderen etwas mehr Zeit – und verbunden damit mehr Aufmerksamkeit. Versuchen Sie es zumindest. Keine flüchtige Konversation mehr zwischen Tür und Angel. Weniger lapidare Floskeln. Erst denken, dann reden. Und: besser zuhören.
Nehmen Sie sich mehr Zeit für Freunde, die Familie oder die Kollegen. Für den Besuch eines Weihnachtsmarkts. Eines Museums. Einer Ausstellung. Eines Kinofilms. Für ausführliche Gespräche. Einen Spaziergang am Rhein. Eine Wanderung im Pfälzerwald.
Und: Legen Sie die Zeit unter den Weihnachtsbaum. Symbolisch: In Form einer Uhr oder eines Gutscheins. Machen Sie es rechtzeitig und gewissenhaft, bevor es Fünf vor Zwölf ist, denn: „Die Zeit vergeht nicht schneller als früher, aber wir laufen eiliger an ihr vorbei.“ George Orwell lässt grüßen.