Ludwigshafen „Zaubertricks gibt es nicht“
„Sei kein Opfer“ – so oder so ähnlich heißen die teils kostenlosen Selbstverteidigungskurse für Frauen. Das Gefühl der Unsicherheit, das viele nach den Ausschreitungen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht verspüren, ist wohl ein ausschlaggebender Grund für die wachsende Nachfrage. Doch welchen Nutzen hat ein Kurs von wenigen Stunden oder Tagen in Notsituationen? Darüber haben wir mit Anbietern und Trainern solcher Kurse in Ludwigshafen gesprochen.
„Grundsätzlich ist es so, dass die Menschen eher einen mehrstündigen Kurs besuchen, als langfristig an einem Kampfsporttraining teilzunehmen. Sie glauben an Zaubertricks, die ich ihnen zeigen kann, die gibt es jedoch nicht. Nur langfristiges Üben gibt Sicherheit“, sagt Trainer Alex Metzger von der Tzu-Jan Kampfkunstschule. Er wird am Sonntag ein Seminar in Ludwigshafen geben, für das sich bereits zirka 100 Frauen angemeldet haben. Das Studio American Fitness in der Orffstraße (Stadtteil Süd) stellt für vier Stunden seine Räume für den Kurs zur Verfügung. Trainer Metzger möchte Verhaltensmuster und Kniffe zeigen, wie man sich als Frau bei Übergriffen verhält. So sollten Opfer einer Attacke nicht versuchen, den Täter zu überwältigen. Ratsamer wäre es, den Gegner beispielsweise zu überraschen und zu flüchten. Metzger bietet den Kurs an, da er nach den Vorfällen in Köln oft auf das Thema Selbstschutz angesprochen worden war. Er habe sich dann kurzfristig dazu entschieden, vor den Faschingstagen den Kurs anzubieten und damit Frauen ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Werbung für Kampfsportkurse sei nicht der Grund gewesen. Man müsse unterscheiden zwischen dem Sportler, der aus Interesse trainiert, und denjenigen, die nur lernen möchten, sich in brenzligen Situationen richtig zu verhalten. Trainer Metzger ergänzt, dass auch eine der Schulen in der Nachbarschaft des Fitnessstudios wegen eines Kurses für Schüler nachgefragt habe. Auch die Studioleiterin von American Fitness, Corinna Meyer, sagt, das kostenlose Seminar sei eine Reaktion auf die Ereignisse in Köln. Schließlich sei so etwas bis jetzt noch nie in solchen Ausmaßen passiert. „Der Besuch eines Selbstverteidigungskurses ergibt prinzipiell immer Sinn, auch wenn kein aktuelles Ereignis dazu anregt“, sagt Swen Harz, Abteilungsleiter des SV Friesenheim im Bereich Ju-Jutsu. Auch er gibt einen entsprechenden Kurs für Frauen am 6. Februar. Grund sei die hohe Nachfrage, die seit den Vorkommnissen in Köln deutlich gesteigen sei. Um gegen eine große Gruppe körperlich zu bestehen, reiche aber ein Kurs wohl nicht aus, meint der 33-Jährige. Auch der stellvertretende Abteilungsleiter des Bereiches Ju-Jutsu im ESV Ludwigshafen, Joachim Mahlke, hat ähnliche Bedenken. Selbst vier bis fünf Abende in einem Kurs könnten nicht wirklich helfen, eine bedrohliche Situation zu meistern. Beim Ju-Jutsu-Training des ESV gebe es trotz der Ereignisse in Köln bisher keinen merklichen Zuwachs. In Köln sind Selbstverteidigungskurse seit ein paar Wochen stark nachgefragt. Dort werben Sportvereine sogar offensiv mit neuen Kursen, die den Teilnehmern das richtige Verhalten bei Ausschreitungen in größeren Menschenmengen vermitteln sollen. Opfer der Übergriffe der Silvesternacht in Köln dürfen die Lehrgänge in der Regel sogar umsonst besuchen. Termine — Kostenloses Selbstverteidigungs-Seminar für Frauen am Sonntag, 11 bis 15 Uhr, bei American Fitness, Orffstraße 6. Info und Anmeldung unter Mail@rikzujan.de oder im Studio, Telefon 0621/563590. —Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurs für Frauen ab 14 Jahre am Samstag, 6. Februar, 10 bis 15 Uhr, beim SVF in der Teichgasse 31. Kosten: 45 Euro (Gruppenermäßigung möglich). Info und Anmeldung per E-Mail: swen.harz@t-online.de, Telefon 0151/22946685.