Ludwigshafen
„Wort und Wein“ im Ludwigshafener Theater im Pfalzbau zum Thema Rhein
Nil ist der Name einer Parzelle, verriet Johannes Häge, Geschäftsführer und Kellermeister des Kallstadter Weinguts am Nil dem moderierenden Pfalzbau-Intendanten Tilman Gersch. Und wenn dort eine „Nilkreuzfahrt“ angeboten werde, dann sei darunter eine Wanderung über den Weinberg und eine Kellereibesichtigung zu verstehen. Das Weingut geht auf das Jahr 1841 zurück, 2010 gab die Familie Pohl ihm eine neue Ausrichtung. Seitdem hat sich das Weingut am Nil spezialisiert auf Weiß- und Grauburgunder und Riesling, und seitdem gehört zu ihm ein Restaurant mit Gästezimmern für Touristen.
Hugo und Hölderlin
Zu Wort kamen an dem Abend durch den Mund des Schauspielers Wolfgang Böhm Victor Hugo und Clemens Brantano mit ihrer romantischen Liebe zum Rhein, Hölderlin mit seinem Freiheitspathos in seinem Rhein-Hymnus und der 48er-Revolutionär Georg Herwegh mit seinem martialisch-nationalistischen Aufruf: „Und wär’s nur um den Wein, der Rhein soll deutsch verbleiben“. In seinem aggressiven Franzosenhass atmet es schon etwas von der kriegslüsternen „Wacht am Rhein“, der inoffiziellen Nationalhymne des Deutschen Kaiserreichs.
Musikalisch wurden die Wortbeiträge aufgelockert durch ein aus Florian Diem, Lucia Lips und Leonard Becker bestehendes Streichertrio der städtischen Musikschule und die Sängerin Giulia Scopelliti. Die Sopranistin von der Mannheimer Musikhochschule trug wenig bekannte Vertonungen von Heinrich Heines berühmtem „Loreley“-Gedicht vor, eine von Clara Schumann und eine von Franz Liszt, und heimste damit den heftigsten Applaus des Abends ein. Eine Parodie Wolfgang Böhms auf Heines Gedicht kontrastierte witzig die romantische Verklärung des Flusses mit Umweltverschmutzungen: „Ich weiß jetzt, was soll es bedeuten, dass ich so maulig bin. Als Mädchen aus uralten Zeiten muffle ich hier vor mich hin.“
Baden nicht empfohlen
Nach der Katastrophe von 1986, als von der Chemiefabrik Sandoz tonnenweise Gift in den Rhein geschwemmt wurde, sei der Rhein wieder sauber, erzählte der BASF-Arbeitsdirektor und Leiter des Ludwigshafener Standorts Michael Heinz. Er räumte auch die Abhängigkeit der BASF von einem intakten Fluss ein. Nach der Erfahrung mit dem anhaltenden Niedrigwasser infolge des Hitzesommers 2018 sei das Unternehmen nun dabei, sich Schiffe zu beschaffen, die auch bei niedrigem Wasserstand fahren könnten. Schließlich fertigt die BASF täglich 20 Schiffe ab, was 200 Lkw-Ladungen entspricht. Doch auch wenn der Rhein wieder sauber ist, riet Hafendirektor Franz Reindl nicht dazu, in dem Fluss zu baden. Die Fließgeschwindigkeit lasse sich nur schwer einschätzen, warnte er. „Man kommt in Worms oder Rotterdam wieder raus.“
Locker und humorig waren die Gespräche, amüsant zum Abschluss der Vortrag der Eingangsszene von Richard Wagners Oper „Das Rheingold“ mit verteilten Rollen. Michael Heinz, Franz Reindl und Tilman Gersch als Wellgunde, Floßhilde und Woglinde gaben nicht nur sehr gewöhnungsbedürftige Rheintöchter ab. Ihre Deklamation ohne jegliches opernhafte Pathos persiflierte auch nebenbei das gesucht altertümelnde Deutsch Wagners und seinen überreichen Gebrauch von Stabreimen. Wenn sich der Schauspieler Wolfgang Böhm dann als Zwerg Alberich an Floßhilde alias Michael Heinz heranmachte und sie beziehungsweise er ihm Haar und Bart kraulte, war das Publikum höchst amüsiert. Die Nummer ließe sich während der Fasnachtskampagne umstandslos wiederholen.