Ludwigshafen Wo der Drachentöter herkommt
„Brot und Spiele“ gab es im Amphitheater, das in Xanten am Rhein steht. Der Ort war früher eine Römerstadt. Die Römer hatten vor ungefähr 2000 Jahren weite Teile Europas unterworfen und überall Städte gebaut.
Die Colonia Ulpia Traiana, das heutige Xanten, war eine der zentralen römischen Niederlassungen der Provinz Niedergermanien. Die Stadt umfasste etwa 73 Hektar und etwa 10.000 Einwohner lebten dort. Zum Vergleich: Ludwigshafen, das auch am Rhein liegt, gab es damals noch gar nicht. Heute hat Ludwigshafen ungefähr 170.000 Einwohner. In Xanten ist wahrscheinlich ein wichtiger Mann geboren, der später in der Gegend um Ludwigshafen in die Literatur einging. Der Drachentöter Siegfried, Königssohn aus Xanten ist ein Held der Nibelungensage, die zu weiten Teilen in der Nachbarstadt Worms und Umgebung spielt. Nach ihm und anderen Sagenfiguren sind auch Straßen in Edigheim benannt. Für damalige Verhältnisse war Xanten recht fortschrittlich. Im großen Hafen landeten Schiffe, die Soldaten und Waren aus Rom und anderen Städten brachten. Ein Aquädukt (eine Wasserleitung in Brückenform) sorgte für frisches Wasser, die Abwässer leitete man über ein unterirdisches Kanalisationssystem in den Rhein. Zum Baden gab es große Thermenanlagen, wo man sich im warmen Wasser entspannen konnte. Die Stadt hatte überdachte Bürgersteige, eine Herberge, einen Tempel am Hafen und das Amphitheater. Mit Brot und Spielen sollten die Menschen hier wie im übrigen Römerreich versorgt sein. Sie sollten also gut zu essen bekommen und die Herrschenden wollten sie auch bei guter Laune halten. Sie sollten keine Aufstände gegen den römischen Kaiser planen. Ein Amphitheater ist kein Theater, wie du es kennst. Vielleicht warst du schon mal im Pfalzbau und hast bei einer Kindervorstellung zugeguckt. Ein Amphitheater hat kein Dach. Um eine runde Manege waren aus Stein Sitzreihen gebaut, auf denen die Zuschauer Platz nehmen konnten. Es sieht ein bisschen so aus, wie ein Zirkus aus Stein. Der Name Zirkus kommt auch aus dem Lateinischen, wie die Sprache der Römer hieß. Wie im heutigen Zirkus waren bei den alten Römern Menschen und Tiere die Darsteller. Doch anders als heute, wo es um Kunststücke geht, ging es früher für Menschen und Tiere in den römischen Amphitheatern oft um Leben und Tod. Man hetzte Menschen auf Menschen, Tiere auf Tiere und Menschen und Tiere aufeinander. Das endete meist tödlich für alle Beteiligten. In Xanten ließ man vor allem Bären auf die Menschen los. Puh, das war grausam und gehört zum Glück lange der Vergangenheit an. Heute unterhalten sich die Menschen anders. Sie gucken Filme, gehen ins Theater oder ins Konzert, lesen Bücher oder spielen Computerspiele. Alle diese Medien können auch sehr brutal sein. Allerdings fließt hier kein echtes Blut. Doch Brot und Spiele gibt es so gesehen auch heute noch – wenn auch in anderer Form.