Ludwigshafen Wo bleibt die Verkehrswende?

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Aktuell heißt mein Lieblingsbegriff „Masterplan Green City“. Klingt einfach super. Es geht um die Idee, dass es kurzfristig weniger dicke Luft, weniger Lärm und weniger Staus in Großstädten geben soll. Und das geht so: Möglichst viele Menschen lassen das Auto in der Garage stehen und steigen aufs Rad oder die Straßenbahn um. Die Chefs im Ludwigshafener Rathaus haben sich schon einiges einfallen lassen, damit viele Leute mitmachen. Beim Bürgerforum „Lu radelt“ haben sie einen geplanten Radschnellweg, die geplanten Lückenschlüsse im Radwegenetz und geplante Fahrradparkplätze vorgestellt. Außerdem wurden die eingefleischten Radfahrer um Anregungen gebeten. Umgesetzt wurde bisher allerdings nicht viel. Obwohl die Ludwigshafener Radler schon seit Jahren gebetsmühlenartig auf diverse Probleme und Gefahren hinweisen, mit denen sie im Alltag zu kämpfen haben, passiert – nichts. Als überzeugter Radfahrerin platzt mir daher auf der Piste mittlerweile mehrmals täglich der Kragen. Bei keiner einzigen der unzähligen Baustellen auf den Gehwegen und Straßen in der Stadt wird bisher daran gedacht, dass nicht nur Autofahrer, sondern auch Pedalritter betroffen sind. Für die Blechkisten werden Fahrbahnen verschwenkt und Umleitungen ausgewiesen. Für Radfahrer heißt es lapidar: „Radweg endet“ oder „Radfahrer absteigen“. Das ist großer Käse und geht so nicht mehr. Radfahrer wollen und müssen zügig vorankommen. Das muss bei der Einrichtung von Baustellen endlich mitgedacht werden. Es ist lange bekannt, dass zahlreiche Radwege ständig zugeparkt sind. Chaotisch ist es in der Berliner und Frankenthaler Straße. Besonders abends und am Wochenende. Aber auch in der Saarlandstraße an der neuen Christian-Weiß-Siedlung in Süd haben Anwohner bemerkt, dass es billiger ist, sein Auto auf dem Geh- oder Radweg zu parken, als einen Tiefgaragenplatz zu mieten. Der Kontrolldruck durch die Ordnungsbehörde ist hier bei Weitem nicht groß genug, um diese rücksichtslosen Autofahrer dazu zu bewegen, sich reguläre Parkplätze zu suchen. Gerade mal 200 Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr von Geh- und Radwegen abgeschleppt. Also ein halbes Auto pro Tag! Lebensgefährlich ist für Radler die Führung mancher Radwege mitten auf die Fahrbahn, direkt vor die fahrenden Autos. Auch dafür ist die Berliner Straße stadteinwärts ein Beispiel. Ebenso die Mundenheimer Straße in Süd, die Langgartenstraße in Oppau oder die Friesenheimer Erzbergerstraße in Höhe der Kindertagesstätte. Wer denkt sich sowas aus? Bestimmt kein Radfahrer. Es gibt gute Vorbilder dafür, dass es auch anders geht. Sogar in Deutschland. Das habe ich im vergangenen Sommer bei einem zweiwöchigen Aufenthalt in München erlebt. Zugeparkte Rad- oder Fußwege habe ich da nicht entdeckt, obwohl ich täglich mindestens zwei Stunden zu Fuß unterwegs war. Der Münchner Stadtrat hat gerade eine umfassende Verkehrswende für die bayerische Landeshauptstadt beschlossen. Dem öffentlichen Verkehr, Radfahrern und Fußgängern wird künftig der Vorzug vor dem Autoverkehr gegeben. Die Innenstadt soll gleichzeitig autoarm und verkehrsberuhigt werden. Das ebenso wie Ludwigshafen rot-schwarz regierte München setzt auf mehr Busverkehr. Es sollen neue Expressbuslinien eingerichtet und mehr eigene Busspuren geschaffen werden. Außerdem soll es weitere Radschnellwege geben. Und das alles ziemlich flott. Bis Ende Juni muss das zuständige Referat für Stadtplanung und Bauordnung konkrete Vorschläge vorlegen. Dieser Grundsatzbeschluss für eine Verkehrswende steht im Zusammenhang mit dem Projekt Modellstadt München 2030. Bis dahin soll die Mobilität in der stark wachsenden bayerischen Metropole neu strukturiert werden. Eine Modellstadt Ludwigshafen 2030 ist leider weit und breit nicht in Sicht. Aber dafür haben wir ja einen „Masterplan Green City“. Die Kolumne Fünf Redakteure berichten für die RHEINPFALZ über Ludwigshafen. Ihre Erlebnisse aus dem (Arbeits-)Alltag nehmen die Redakteure in der Kolumne „Quintessenz“ wöchentlich aufs Korn.

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