Ludwigshafen „Wir wollen am Puls der Zeit bleiben“
. Ein wenig hat Modedesigner Guido Maria Kretschmer ja Schuld an der Begeisterung, die in Mutterstadt vorherrscht. „Seit seiner Sendung ,Geschickt eingefädelt‘ sind Nähkurse total gefragt“, erzählt Ramona Grätz, die im Mutterstadter Rathaus für die Organisation der Volkshochschule (VHS) zuständig ist. Grätz fasst damit auch den Kern der VHS-Arbeit zusammen: das anbieten, was die Menschen interessiert. „Wir wollen immer am Puls der Zeit bleiben“, sagt sie. „Das war schon in den Anfängen das Ziel“, fügt Volker Schläfer an. Er war der erste Leiter der VHS Mutterstadt, die damals noch unter dem Titel Volksbildungswerk (VBW) lief. Heute steht Lilli Frühling-Mattern der Einrichtung ehrenamtlich vor. „Ich war ein Ein-Mann-Betrieb“, erinnert sich Schläfer. Von der Ausarbeitung bis hin zur Kasse habe er alles gemacht. Damals lief das Angebot der Erwachsenenbildung in Mutterstadt unter dem Dach des Kreisvolksbildungswerks (KVBW). Das Programm wurde von Schläfer in Absprache mit dem KVBW und einem örtlichen Kuratorium zusammengestellt. Angefangen hat alles im November und Dezember 1966 mit zwei Farblichtbildervorträgen über „Alle Deutschen – von einem Schweden gesehen“ und „Rote Felseninsel Helgoland“. „So haben wir Menschen damals die weite Welt nach Hause gebracht“, sagt Schläfer und erzählt von mehr als 100 Besuchern, die an einem späteren Bildvortrag über Südtirol teilnahmen. In den Folgejahren wurde das Angebot stetig ausgeweitet. Kurse in Fremdsprachen, Hauswirtschaft und über Gesundheit kamen hinzu. Zudem organisierte Schläfer Konzerte, Ausstellungen, Fahrten, Diskussionsabende und Theateraufführungen. „Es gab zum Beispiel eine Podiumsdiskussion mit Vertretern sechs weiterführender Schulen“, erinnert er sich. „Sie haben den Eltern ihre Konzepte vorgestellt.“ Als das KVBW 1970 in die Kreisvolkshochschule (KVHS) umgewandelt und kreisweit ausgebaut wurde, wurde auch Mutterstadt zur VHS. „In den für den Landkreis angebotenen Programmen, griff die KVHS auf unsere Veranstaltungen zurück“, erinnert sich Schläfer. Als er 1980 die Leitung der VHS abgab, war sie nach Schifferstadt die zweitgrößte im Kreis. Eine Position, die sie bis heute hält. Auch, wenn die breite inhaltliche Streuung etwas gestrafft wurde. „Heute liegt der Schwerpunkt auf Sprache und Gesundheit“, sagt Grätz. „Sprachkurse waren damals schon ein großes Thema, weil die Eltern kein Englisch konnten“, sagt Schläfer. „Heute sind Grundkenntnisse ja fast bei jedem da.“ Trotzdem bleibt Englisch laut Grätz ein Renner, nur eben auf anderer Ebene. Neu im Programm ist beispielsweise ein Debattierclub in Englisch. Straffung bedeutet jedoch nicht Wegfall. Denn neben den Sprach- und Gesundheitskursen, werden auch die Bereiche Familie, Persönlichkeitsbildung, Kunst, Entspannung, Genuss und EDV abgedeckt. „Die Gesundheits- und Kochkurse sind immer recht voll“, sagt Grätz und erzählt von Belegungen mit bis zu 20 bis 25 Personen beispielsweise beim Qi Gong. Für 2017 sind derzeit zwei Ausstellungen und ein Muttertagskonzert geplant. Und das neben des 118 Kursen, die im ersten Halbjahr angeboten werden. Darunter sind auch zehn Nähkurse. Die Begeisterung lässt in Mutterstadt nämlich nicht nach.