Ludwigshafen „Wir waren gute Kumpels“

91-78467674.jpg
Mr. Enoch, wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Elvis beschreiben – in beruflicher und persönlicher Hinsicht?

Ich habe 1971 angefangen, mit Elvis zu arbeiten und haben das bis zu seinem Tod 1977 getan. Kennengelernt habe ich ihn 1969 bei einem Gospelkonzert in Los Angeles. Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt, die weiter bestand. Als Elvis mich dann fragte, ob ich mit ihm singen wolle, habe ich das als fantastische Gelegenheit gesehen, mit dem talentiertesten Menschen, der je eine Note gesungen hat, zu arbeiten. Die Freundschaft zuvor war der Ausgangspunkt? Ja, wir waren gute Kumpels, haben aber an verschiedenen Sachen gearbeitet. Er machte sein Ding, ich machte meines. Als wir dann auch beruflich zusammenkamen, ist die Freundschaft weiter gewachsen. Das hat sich ergeben, weil wir dann viel gemeinsam unterwegs waren, im selben Bus oder Flugzeug saßen. Für manche Menschen ist Elvis zu einer Art Halbgott geworden. Kleine Stücke eines Schals, den er mal getragen hat, werden für Zigtausende Dollars auf Auktionen gekauft. Was halten Sie von dieser Art Verehrung? Zu der Art und Weise, wie manche Leute Elvis verehren, kann ich nichts sagen. Er war einzigartig, jemand ganz Besonderes. Sein Talent und seine Persönlichkeit waren ein Geschenk Gottes. Eine Stimme, die die Welt berührt hat, die ganze Welt! Davon werden Menschen ergriffen. Ich weiß nicht, ob man da von „Kult“ sprechen sollte. Aber es gibt Menschen, die Elvis so sehr lieben, dass sie das nicht mehr kontrollieren können. Ist das Elvis-Musical auch ein Teil dieser Verehrung? Ich habe schon früh mit dem Autor und Produzenten zusammengearbeitet, als das Musical noch im Entstehen war. Da fand ich das ein Stück großartiger Unterhaltung, das auch viele Aspekte von Elvis’ Leben gut darstellt. Als ich dann später als Sänger ein Teil der Show wurde, habe ich gesehen, wie sehr das Musical Menschen berührt. Ich finde, es ist sehr gut geschrieben. Es gibt viel zu sehen und zu hören, auch in Form von Bildern und Videoeinspielungen, die Elvis betreffen. Und es bringt auch seine Musik, von den Anfängen bis zu seinem Ende. Das ist ein sehr gutes Konzept. Es geht nicht nur um die Musik? Wer wegen der Musik kommt, wird auf seine Kosten kommen. Aber zugleich werden die Besucher, die sich für Elvis’ Leben interessieren, viel Interessantes erfahren. Es hat also auch dokumentarische Aspekte – und es ist ein tolles Musical. Nicht nur weil ich mit den „Stamps“ dabei bin (lacht). Es war ja schon gut, bevor wir dazukamen. Wie ist es, mit jemandem auf der Bühne zu stehen, der nur spielt, er sei Elvis? Denken Sie dann nicht: Der Schauspieler ist gut - aber er ist nicht wirklich Elvis? Das ist eine schwere Frage für mich. Ich kann sagen, dass Grahame Patrick ein hervorragender Sänger und Schauspieler ist, einer der besten, die ich je gehört habe. Ich bin stolz darauf, mit ihm zu arbeiten. Er macht seine Sache sehr gut, und manchmal gibt es dabei Momente, die bei mir Flashbacks auslösen. Dann denke ich: Ja, so war das damals bei den Konzerten. Das sind Teile meines Lebens, die zu mir zurück kommen. Stimmt es Sie trotzdem manchmal traurig, wenn Sie sehen, dass da ein Schauspieler steht, weil Elvis verstorben ist? Manchmal schon, ja. Sie haben als Gospelsänger begonnen und sind seit Ende der 1960er Jahre im Musikgeschäft. Was haben Sie in der Zeit vor und nach Elvis gemacht? Nun, ich bin als Sänger zu den „Stamps“ gekommen, inzwischen bin ich deren Leiter. Es gab in der langen Zeit verschiedene Besetzungen. Aber mein Leben gehört nach wie vor der Gospelmusik. Damit habe ich angefangen und dabei bin ich geblieben. Es hat mir ja auch Glück gebracht, denn dadurch habe ich Elvis kennengelernt. Im Musical haben wir auch etwas Gospelmusik dabei. Ich bin sehr dankbar, diese Songs mit den „Stamps“ singen zu können. Elvis und Gospelmusik – das bringt man nicht gleich zusammen. War Elvis ein spiritueller Mensch und hatte er einen Bezug zu dieser religiösen Musik? Er war ein sehr spiritueller Mensch. Elvis hat sich viel für Religion interessiert, für viele verschiedene Arten von Religion. Er hat dazu eine Menge Bücher gelesen. Manchmal drückte er mir ein Buch in die Hand und später fragte er mich, was ich davon halte. Ehrlich gesagt, habe ich nicht immer alles verstanden, was ich da zu lesen hatte. Ich glaube, für Elvis war Musik ein Teil der Spiritualität, die in jedem Menschen angelegt ist. Sehen Sie das auch so? Es hat mich sehr berührt, diese Gedanken mit ihm zu teilen. Und Elvis wollte mit seiner Musik den Menschen Spiritualität geben. Er war ein großer, spiritueller Mensch! Termin „Elvis – Das Musical“ am Donnerstag, 18. Februar, 20 Uhr, im Mannheimer Rosengarten.

91-78437575.jpg
x