Ludwigshafen „Wir sind dem Wetter davongefahren“
Altrip/ Ledziny. Mit dem Rad nach Polen sind Kornel Kelemen und ein Kollege vom Altriper Schachklub in diesem Jahr wieder gefahren. 1420 Kilometer haben sie auf dem Rennrad zurückgelegt - und gegen die polnischen Schachfreunde zum ersten Mal remis gespielt.
Eigentlich war die Polen-Tour ja in diesem Jahr ein wenig anders geplant. Aber eine Verletzung eines Mitradlers hat die Pläne der Schachspieler wieder über den Haufen geworfen. Ursprünglich war geplant nach Helsinki zu fliegen und von dort aus durch das Baltikum und Moskau nach Polen zu fahren – und zurück nach Deutschland. Deshalb haben die drei Radfahrer im vergangenen Jahr auch eine längere Testtour gemacht. „Wir sind 2600 Kilometer bis Lissabon gefahren“, erzählt Kelemen und schwärmt etwas von der portugiesischen Hauptstadt. „Das machen wir jetzt immer, wenn wir nicht nach Polen fahren. Nächstes Jahr wollen wir nach Sizilien.“ Denn die Tour zu den Schachfreunden aus Ledziny findet nur alle zwei Jahre statt. Seit 2001 treffen sich die polnischen und pfälzischen Schachspieler im jährlichen Wechsel zum Turnier. Und zum vierten Mal sind Altriper Schachspieler mit dem Rad in die rund 16.800 Einwohner zählende polnische Stadt Ledziny gefahren. Diesmal war es dann wieder die klassische Donautour – eben ohne den Dritten im Bunde, bedauert Kelemen. Zurück ging es mit den Schachklub-Kollegen im Bus. Zwölf Tage habe die beiden Radfahrer für die Tour nach Polen gebraucht. Kelemen zieht einen Stapel Visitenkarten hervor. „Das sind die Hotels, in denen wir übernachtet haben“, sagt der 65-Jährige, der seit drei Jahren Vegetarier ist. „So kann ich auch später noch nachvollziehen, wo wir genau waren.“ Von Altrip aus ging es unter anderem über Sindringen im Hohenlohekreis, Regensburg, Weißenkirchen in der Wachau, Wien und Pressburg nach Wisla. Von der zehntägigen Fahrt, bei der sie im Schnitt 130 Kilometer pro Tag gefahren sind, hat Kelemen einiges zu erzählen. „Wir hatten zu viel Gepäck dabei und haben in Regensburg einiges zurück nach Hause geschickt.“ Vorher hatten sie noch eine nette Begegnung mit Mountainbikern. Die hatten es aber weniger gut als die beiden Altriper. Weil sie einen Tag später in Regensburg ankamen, sind sie in eine Schlechtwetterfront gefahren und mussten ihre Tour abbrechen. „Wir sind dem Wetter davongefahren“, sagt Kelemen. Sonst hätten er und sein Mitradler auch keine Pause vor dem Wiener Stephansdoms machen können oder in Pressburg. „Dort haben wir einen halben Tag verbracht. Aber als wir aus Bratislava raus mussten, das war schlimm. Wir haben Stunden gebraucht, trotz unseres Navis.“ Schlussendlich haben die beiden es ja dann doch bis zu den Schachfreunden geschafft. Auch, wenn sie etwas entfernt übernachten mussten. Denn Wisla liegt noch mehr als eine Stunde Autofahrt von Ledziny weg. Schuld an der entfernten Unterkunft war der Papstbesuch zu dieser Zeit. Es sei soweit alles ausgebucht gewesen. Deshalb blieb ihnen für den viertägigen Aufenthalt nur ein Fünf-Sterne-Hotel als Unterkunft. Kelemen lacht. Es hätte schlimmer kommen können nach der Tour. „Von dort aus wurden wir abgeholt und zu den Spielen gefahren.“ Im Vergleichskampf, erzählt er, haben die Altriper zum ersten Mal mit 5:5 remis gespielt. „Obwohl unser Vorsitzender nicht dabei war. Sonst hätten wir bestimmt gewonnen.“ Etwas kritischer sei die Stimmung bei seiner Ansprache gewesen, erzählt der stellvertretende Vorsitzende des Schachklubs. „Der Papst hatte den Polen ja wegen Fremdenfeindlichkeit auch die Leviten gelesen“, sagt er. Da habe sich Kelemen gedacht, er wähle dieses Thema auch. „Auch weil wir so eine bunt gemischte Gruppe sind“, berichtet er über den Klub und die zehn Mann starke Delegation. „In Polen waren von uns ein Brasilianer, ein Holländer, ein Österreicher, ein Pole und ein Ceylonese dabei. Ich selbst bin ungarisch-stämmig. Und ich weiß aus Kindertagen, wie sich Ausgrenzung aufgrund der Herkunft anfühlt.“ Kelemen freut sich, dass Ausgrenzung kein Thema in seinem Verein ist. „Wir sind multikulti und das ist super für den Klub.“